StÀrkster, Anstieg

StÀrkster Anstieg der Firmenpleiten seit Oktober

11.08.2025 - 08:42:57

Die Konjunkturflaute macht der Wirtschaft zu schaffen. Die Pleitezahlen steigen wieder deutlicher. Doch Experten schrĂ€nken ein: Nicht an jeder Schieflage sind die Ă€ußeren UmstĂ€nde schuld.

  • Deutlich mehr Unternehmen als ein Jahr zuvor haben im Juli Insolvenz angemeldet. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

    Bernd Weißbrod/dpa

  • «Oft werden Sanierungsmaßnahmen zu spĂ€t oder nicht umfassend genug angegangen.» (Symbolbild) - Foto: Uwe Anspach/dpa

    Uwe Anspach/dpa

Deutlich mehr Unternehmen als ein Jahr zuvor haben im Juli Insolvenz angemeldet. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa«Oft werden Sanierungsmaßnahmen zu spĂ€t oder nicht umfassend genug angegangen.» (Symbolbild) - Foto: Uwe Anspach/dpa

Droht Deutschland eine Pleitewelle? Im Juli stieg die Zahl der angemeldeten Firmeninsolvenzen so stark wie seit Oktober nicht. 19,2 Prozent mehr neue Insolvenzen als ein Jahr zuvor zÀhlten die Amtsgerichte in dem Monat, wie das Statistische Bundesamt anhand vorlÀufiger Angaben mitteilt.

Im Mai hatte der erste RĂŒckgang der Pleitezahlen seit MĂ€rz 2023 Hoffnung auf eine Trendwende geweckt. Doch schon im Juni legten die Zahlen wieder zu. Ob alle FĂ€lle von den Insolvenzgerichten so weit gebracht werden, dass sie in die amtliche Statistik eingehen, ist noch offen. Der Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt nach Angaben des Bundesamtes oft annĂ€hernd drei Monate davor.

Ruf nach Reformen - aber auch hausgemachte Probleme

«Die Wirtschaftskrise dauert an – und deshalb wĂ€chst die Welle der Unternehmensinsolvenzen weiter», kommentiert Jupp Zenzen, Konjunkturexperte bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Nach zwei Jahren Rezession sei die LiquiditĂ€t vieler Betriebe angeschlagen. Zudem belasten hohe Energiepreise und viel BĂŒrokratie. Die Wirtschaft brauche «Entlastung auf breiter Front», mahnt Zenzen. Die Politik mĂŒsse «die dringend benötigten Reformen sehr rasch» umsetzen.

Nach EinschĂ€tzung des Verbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) reagieren viele Unternehmen aber auch zu spĂ€t auf strukturelle VerĂ€nderungen in ihren Branchen. «Zu schnell wird die Ursache der unternehmerischen Fehlentwicklung bei steigenden Zöllen oder hohen Energiekosten gesucht», sagt der VID-Vorsitzende Christoph Niering. «Eine gefĂ€hrliche FehleinschĂ€tzung, da hierdurch Sanierungsmaßnahmen zu spĂ€t oder nicht umfassend genug angegangen werden.»

Viele kleinere Betriebe betroffen

Dass die Zahlen wieder deutlicher anziehen, zeigt sich auch in der jĂŒngsten monatlichen Analyse des Leibniz-Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Das IWH zĂ€hlt fĂŒr Juli 1.588 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland - 13 Prozent mehr als im Juli 2024 und 64 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Weil es weniger Großinsolvenzen gab, seien aktuell jedoch vergleichsweise wenige Jobs von den Pleiten betroffen gewesen.

Anstieg der Pleitezahlen im Gesamtjahr erwartet

Diverse Wirtschaftsauskunfteien rechnen fĂŒr das Gesamtjahr mit mehr Firmenpleiten als 2024. Im vergangenen Jahr war amtlichen Zahlen zufolge mit 21.812 FĂ€llen ein Höchststand seit dem Jahr 2015 registriert worden. Der Anstieg war erwartet worden, nachdem die staatliche UnterstĂŒtzung aus der Corona-Pandemie ausgelaufen war. Zudem belasten hohe Energiepreise, BĂŒrokratie und politische Unsicherheit die Unternehmen.

FĂŒr den Mai 2025 meldeten die Amtsgerichte nach endgĂŒltigen Ergebnissen 2.036 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit 5,3 Prozent als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im Mai hierzulande 5,9 Firmenpleiten. Dabei entfielen die meisten FĂ€lle auf Verkehr und Lagerei mit 10,9 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Danach folgten das Baugewerbe mit 9,4 FĂ€llen sowie das Gastgewerbe mit 9,0 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.

@ dpa.de