MinisterprÀsidenten uneins bei Migration und Rundfunkbeitrag
24.10.2024 - 17:31:32Fraglich schien zudem, ob sich die Regierungschefs bei der MinisterprÀsidentenkonferenz auf eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags einigen können. Die Beratungen begannen am Donnerstag und sollen am Freitag fortgesetzt werden.
WĂ€hrend die unionsgefĂŒhrten BundeslĂ€nder auf einen strengeren Kurs zur BekĂ€mpfung der irregulĂ€ren Migration nach Deutschland drĂ€ngen, sehen einige SPD-gefĂŒhrte LĂ€nder die Dringlichkeit dieser Debatte als geringer an.
"Zum Thema Migration sind noch nie so viele Entscheidungen getroffen worden, wie in den letzten Monaten", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD). "Ich bin nicht dafĂŒr, jeden Tag wieder eine neue Debatte anzuzetteln, sondern wir mĂŒssen jetzt die Gesetze umsetzen."
Weil: Union viel zu frĂŒh im Wahlkampfmodus
Auch der niedersĂ€chsische MinisterprĂ€sident Stephan Weil kritisierte das Vorgehen der CDU: "Wir stellen insbesondere fest, dass die Union sich leider aus meiner Sicht viel zu frĂŒh schon im Wahlkampfmodus befindet." Er hoffe jedoch, dass die Zusammenarbeit bei der MinisterprĂ€sidentenkonferenz in Leipzig positiver ablaufe als auf Bund-LĂ€nder-Ebene. "Wir mĂŒssen schauen, dass wir da den Konsens unter den Demokraten wiederherstellen können."
Dem sÀchsischen MinisterprÀsidenten Michael Kretschmer (CDU) zufolge ist die MinisterprÀsidentenkonferenz ein "Ort, wo nicht populistisch diskutiert wird, sondern wo entlang des Rechts und auch der Möglichkeiten Lösungen gefunden werden."
Um die Migrationskrise zu lösen, gebe es viele Instrumente, die man einsetzen könne. Die Voraussetzung hierfĂŒr sei jedoch, "ein gemeinsames Ziel zu haben". Nach der Aufnahme vieler Menschen in den vergangenen Jahren mĂŒsse das Land nun drastisch reduzieren. "Es geht darum, dass auĂerhalb der EuropĂ€ischen Union in sicheren Drittstaaten auch Asylverfahren durchgefĂŒhrt werden können", so Kretschmer.
WĂŒst: Die politische Mitte muss handeln
Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst forderte "Antworten aus der politischen Mitte in der Sache". "Wenn die politische Mitte nicht mehr in der Lage ist, Antworten zu geben, dann lĂ€sst man Raum fĂŒr andere. Umkehrschluss: Wir mĂŒssen liefern", sagte der CDU-Politiker.
Bereits bei vorherigen MinisterprĂ€sidentenkonferenzen hatten die LĂ€nderchefs BeschlĂŒsse zur Migration gefasst, die schlieĂlich umgesetzt wurden. Dazu zĂ€hlt etwa die EinfĂŒhrung einer Bezahlkarte fĂŒr Asylbewerberinnen und Asylbewerber.
Einigung zum Rundfunkbeitrag fraglich
Auch bei der Debatte ĂŒber die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gibt es Meinungsverschiedenheiten. Vor allem bei der Frage nach der Höhe des Rundfunkbeitrags zeichnete sich keine schnelle Lösung ab. Auf dem Tisch liegt eine Anhebung um 58 Cent auf monatlich 18,94 Euro ab Januar.
Der niedersĂ€chsische MinisterprĂ€sident Weil betonte zwar ein breites Einvernehmen ĂŒber die Notwendigkeit einer Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und zeigte sich optimistisch, dass die LĂ€nder hier einstimmig entscheiden werden. Schwieriger sei jedoch die Einigung bei dem Rundfunkbeitrag, den er als "echte Denksportaufgabe" bezeichnete.
WĂ€hrend LĂ€nder mit groĂen Rundfunkanstalten sich gegen höhere RundfunkbeitrĂ€ge aussprachen, wiesen BundeslĂ€nder mit kleinen Sendeanstalten wie dem SaarlĂ€ndischen Rundfunk auf die Notwendigkeit von Finanzierungsmitteln hin.
Musiker protestieren gegen geplante KĂŒrzungen
Mit einer Mahnwache unter anderem in Form eines Bach-Chorals warnten rund 100 Musikerinnen und Musiker in Leipzig vor KĂŒrzungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie wendeten sich insbesondere gegen die geplante Zusammenlegung der Fernsehsender 3sat und Arte. Laut Musik- und Orchestervereinigung intonierten sie unter anderem den Bach-Choral "Aus tiefer Not schrei ich zu dir".
Die Kampagnenorganisation Campact kĂŒndigte an, am Freitag in Leipzig zu protestieren. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss reformiert werden, ohne unabhĂ€ngigen Bildungs- und Informationsangeboten den Garaus zu machen", erklĂ€rte die geschĂ€ftsfĂŒhrende Campact-VorstĂ€ndin Astrid Deilmann. Die PlĂ€ne, ĂŒber die die Regierungschefs beraten, seien aber keine Reform, sondern könnten zur Streichung von bis zu 5 FernsehkanĂ€len und 16 Radiosendern fĂŒhren - ohne groĂe Ersparnisse zu erzielen.

