MöbelgeschÀft schwÀchelt: Es droht ein 15-Jahres-Tiefstwert
26.08.2025 - 13:59:58Deutschlands Möbelhersteller verlieren an Boden, weil die Menschen weniger Geld fĂŒr Sofas, Tische, StĂŒhle, Betten und Matratzen ausgeben. Nachdem die Branche schon im vergangenen Jahr ein Umsatzminus von 7,8 Prozent hinnehmen musste, schwĂ€chelte das GeschĂ€ft auch 2025. In der ersten JahreshĂ€lfte sanken die Erlöse um 5,1 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro, wie der Verband der deutschen Möbelindustrie in Köln mitteilte.Â
FĂŒr das Gesamtjahr wird ein Minus von drei Prozent prognostiziert - dann wĂ€ren es nur knapp 15,9 Milliarden Euro und damit so wenig wie lange nicht mehr. Niedriger waren die Erlöse 2010 mit rund 15,8 Milliarden Euro gewesen - möglicherweise wird selbst dieser Wert unterschritten.
«Die Erholung der Verbraucherstimmung lĂ€sst weiter auf sich warten», sagte der VerbandsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jan Kurth. Als weiteren Grund fĂŒr die Entwicklung nannte er die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, zu denen die Folgen der US-Zollpolitik gehörten.Â
Hierbei meinte er zum einen den Umstand, dass deutsche Möbelexporteure in den USA wegen gestiegener Zölle Preise erhöhen mĂŒssen und daher am Markt einen schweren Stand haben. Lange Zeit fiel auf Möbel aus Deutschland in den USA nur ein Zollsatz von durchschnittlich 2,5 Prozent an, im April ging es auf pauschal 10 Prozent hoch und seit diesem Monat sind es 15 Prozent.
Schwerer Stand in den USA
Die USA sind im Ranking der wichtigsten Exportstaaten fĂŒr deutsche Möbelfirmen zwar nur auf Platz 10. Allerdings wirken sich indirekte Effekte der US-Zollerhöhung negativ aus: Asiatische Hersteller orientieren sich um und drĂ€ngen mit ihren Waren nicht mehr nach Nordamerika, sondern nach Europa - dadurch steigt fĂŒr deutsche Produzenten der Preisdruck im Inland.Â
Im ersten Halbjahr stieg der Wert chinesischer Möbelimporte in Deutschland um ein Viertel auf 1,7 Milliarden Euro. Kurth sagte, dass der reine Preiskampf gegen solche Konkurrenz aussichtslos sei. «Wir werden nicht mit China konkurrenzfĂ€hig, wenn es darum geht, einen Stuhl fĂŒr 25 Euro herzustellen.» Man könne aber mit Argumenten zur QualitĂ€t, Sicherheit und Herkunft der Materialien ĂŒberzeugen.
Die Möbelsegmente entwickelten sich unterschiedlich. Der Verkauf von Matratzen und BĂŒromöbeln sackte im ersten Halbjahr besonders stark ab und auch das GeschĂ€ft mit Polstermöbeln entwickelte sich ĂŒberdurchschnittlich schlecht. Vergleichsweise gering fiel das Minus bei KĂŒchenmöbeln aus.Â
Im Februar war der Verband noch davon ausgegangen, dass der Umsatz in diesem Jahr etwas steigt. Nun Ànderte der Verband seine Prognose und ging von einem Minus von drei Prozent im Gesamtjahr 2025 aus. Das erklÀrte Verbandschef Kurth unter anderem damit, dass die mit der neuen Bundesregierung erhoffte Aufbruchstimmung bislang ausgeblieben sei.
Herbstwetter könnte MöbelverkÀufe anschieben
Im Herbst soll es immerhin etwas bergauf gehen. Dann ist die Urlaubszeit zu Ende, das Wetter wird schlechter und die Menschen verbringen mehr Zeit in ihren eigenen vier WĂ€nden, wodurch sie verstĂ€rkt ĂŒber die Anschaffung neuer Möbel nachdenken, so die Erfahrungen der Möbelindustrie.Â
Der Schwerpunkt der deutschen Möbelindustrie liegt in Ostwestfalen. Die Branche ist schon lĂ€nger unter Druck, einige Firmen schlitterten in die Insolvenz: Der Betten- und Schrankhersteller Loddenkemper aus Oelde sowie der KĂŒchenfabrikant RWK & Kuhlmann stellten in diesem Jahr die Produktion ein.





