Bundesbank: Erhalt von Bargeld kein SelbstlÀufer
17.01.2024 - 09:05:54Die Bundesbank mahnt gemeinsame Anstrengungen zum Erhalt von Bargeld an. Auf Basis von Szenarioanalysen fĂŒr das Bezahlen im Jahr 2037 kommt die Notenbank zwar zu dem Ergebnis, dass in keinem der drei angenommenen FĂ€lle Schein und MĂŒnze komplett verschwinden wĂŒrden.
Doch in zwei von drei Bezahlwelten wÀren der Zugang zu Bargeld und dessen Akzeptanz nicht voll gewÀhrleistet. «Damit wÀre die Wahlfreiheit praktisch nicht gegeben und die Stabilisierungsfunktion von Bargeld in Krisenzeiten gefÀhrdet», gab die Notenbank zu bedenken, die den gesetzlichen Auftrag hat, in Deutschland jederzeit ausreichend Euro-Bargeld in hoher QualitÀt bereitzustellen.
«Die Studie zeigt, dass der Erhalt und die breite Verwendung des Bargelds keine SelbstlĂ€ufer sind», sagte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz ĂŒber die veröffentlichte Analyse. In einer Umfrage gaben darin 93 Prozent der Teilnehmer an, dass sie auch in Zukunft selbst entscheiden möchten, ob sie bar oder unbar bezahlen. Hier seien alle Akteure des Bargeldkreislaufs und die Politik gefordert, diesem Wunsch gerecht zu werden, sagte Balz.
«Nationales Bargeldforum» soll Beteiligte zusammenbringen
Balz hatte im vergangenen Jahr ein «Nationales Bargeldforum» vorgeschlagen, um die Diskussion ĂŒber das Bezahlen der Zukunft zu flankieren. Ziel sei, «Bargeld als relativ kostengĂŒnstiges, aber auch effizientes Zahlungsmittel möglichst gut verfĂŒgbar zu halten in einem Umfeld, das sich im Wandel befindet», hatte Balz im Juli gesagt. Die Auftaktveranstaltung ist fĂŒr den 16. Februar in Berlin geplant.
In der nun vorgelegten Studie, die vom Dienstleistungsunternehmen VDI/VDE Innovation + Technik und dem Meinungsforschungsinstitut Sinus im Auftrag der Bundesbank von Februar 2022 bis November 2023 erstellt wurde, wurden auf Basis von Interviews mit Fachleuten sowie einer den Angaben zufolge reprĂ€sentativen Online-Befragung verschiedene Szenarien fĂŒr das Bezahlen mit Bargeld im Jahr 2037 entworfen.
Verschiedene Szenarien durchgespielt
Das erste Szenario beschreibt eine «hyperdigitale Bezahlwelt», in der Bargeld aus dem Alltag der meisten Menschen beinahe verschwunden ist, es nur noch wenige Bankfilialen oder Geldautomaten gibt und auch das Geldabheben an der Ladenkasse nicht mehr möglich ist, da Verbraucher im Handel kaum noch bar bezahlen können.
Im zweiten Szenario wird eine «Bargeld-Renaissance» simuliert: Die Nutzung von Schein und MĂŒnze sinkt zunĂ€chst, stabilisiert sich aber in den 2030er-Jahren wieder, weil die Menschen die VorzĂŒge von Bargeld wiederentdecken: zum Beispiel AnonymitĂ€t beim Bezahlen.
Das dritte Szenario, «Die verschwindende hybride Bezahlwelt», spiegelt ein Umfeld wider, in dem die Nutzung von Bargeld sehr stark von den LebensumstÀnden der Menschen abhÀngt: Im Handel wird die Kundschaft zu bargeldloser Zahlung ermutigt, der Zugang zu Bargeld verschlechtert sich stetig und die Bargeldnutzung schleicht sich aus.
Trend zu elektronischen Bezahlverfahren
Einer Ende 2022 veröffentlichen Analyse der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) zufolge ist Bargeld im Euroraum zwar immer noch das am hĂ€ufigsten verwendete Zahlungsmittel an der Ladenkasse. Doch gemessen am Wert ĂŒbertrafen Kartenzahlungen seinerzeit erstmals Scheine und MĂŒnzen. Umfrage belegen immer wieder: Die Corona-Pandemie hat den Trend zu elektronischen Bezahlverfahren beschleunigt.
Seit Jahren tĂŒfteln die WĂ€hrungshĂŒter im Euroraum an einem digitalen Euro als ErgĂ€nzung zum Bargeld. Noch ist nicht entschieden, ob eine digitale Variante der europĂ€ischen GemeinschaftswĂ€hrung eingefĂŒhrt wird. Balz rechnet nach eigenen Angaben «höchstwahrscheinlich nicht vor Anfang 2029» damit. Die EU-Kommission will zudem per Gesetz sicherstellen, dass Bargeld in der EuropĂ€ischen Union weiterhin breit akzeptiert wird und Verbraucher flĂ€chendeckend Zugang dazu haben.


