Höhere, Luftverkehrssteuer

Höhere Luftverkehrssteuer macht Airlines nicht glĂŒcklich

20.12.2023 - 20:44:05

Die nationale Kerosinsteuer ist vom Tisch, doch auch die stattdessen geplante höhere Luftverkehrssteuer findet in der Branche keine Zustimmung. Weil am Ende immer die Passagiere zahlen, könnte die Nachfrage schwÀcheln.

Die Luftverkehrsbranche hat PlĂ€ne der Bundesregierung fĂŒr eine höhere Ticketsteuer bei PassagierflĂŒgen kritisiert. «Schon heute ist im europĂ€ischen Vergleich die Belastung des Luftverkehrs mit Steuern und Abgaben in Deutschland mit Abstand am höchsten», sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) der Deutschen Presse-Agentur.

Auch der Airline-Verband Barig sprach sich gegen die geplante Steuererhöhung aus. Sie sei zwar im Vergleich zur wieder verworfenen nationalen Kerosinsteuer das kleinere Übel, belaste aber Passagiere und Branche mit weiteren Kostensteigerungen, sagte Barig-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Hoppe. «Immer höhere Preise fĂŒhren zu einer geringeren Nachfrage.» Barig vertritt sĂ€mtliche in Deutschland aktiven Fluggesellschaften aus dem In- und Ausland.

Auch andere GebĂŒhren stark gestiegen

Schon heute leide der Luftverkehrsstandort Deutschland unter extrem hohen GebĂŒhren an den FlughĂ€fen und im Luftraum, meinte Hoppe. Es sei kein Zufall, dass sich der Luftverkehr in Deutschland deutlich langsamer erhole als im ĂŒbrigen Europa. «In anderen LĂ€ndern wird der Luftverkehr eher als Job- und Wirtschaftsmotor gesehen. Dieses GefĂŒhl verlĂ€sst uns manchmal in Deutschland.»

Der deutsche Branchenverband BDL warnte vor weiteren wirtschaftlichen Folgen: «Erneute Erhöhungen werden Produktion in Deutschland kosten, Ertragssteuern und Wertschöpfung schmĂ€lern, Verlagerungen zu anderen Drehkreuzen bewirken und die Luftverkehrsanbindung wichtiger Wirtschaftsregionen in Deutschland erheblich verschlechtern.» Der Chef der Lufthansa-Airline, Jens Ritter, Ă€ußerte sich auf der Plattform Linkedin: «Wir mĂŒssen aufpassen, dass wir uns nicht selbst abhĂ€ngen. Deutschland muss ein starker Luftverkehrsstandort bleiben.»

Easyjet: Viele Tickets fĂŒr 2024 bereits verkauft

Auch der Ryanair-Konkurrent Easyjet erwartet höhere Ticketpreise. Leidtragende der Regierungspolitik sei die deutsche Bevölkerung, die bereits die höchsten Flugpreise in Europa zahle, erklĂ€rte Deutschland-Chef Stephan Erler. Easyjet hĂ€tte eine höhere Mehrwertsteuer auf InlandsflĂŒge bevorzugt. Die Fluggesellschaft kritisierte zudem das kurzfristige Handeln der Bundesregierung. Wenige Tage vor Beginn des neuen Jahres seien Steuern, Abgaben und GebĂŒhren fĂŒr AbflĂŒge von deutschen FlughĂ€fen noch immer nicht verbindlich geregelt. Dabei sei ein Großteil der Tickets fĂŒr das kommende Halbjahr bereits verkauft.

Die 2011 eingefĂŒhrte Ticketsteuer brachte im vergangenen Jahr knapp 1,2 Milliarden Euro Einnahmen fĂŒr den Staat ein. Je nach Endziel der Flugreise werden zwischen 12,73 Euro und 58,06 Euro pro Ticket fĂ€llig, was die Anbieter in der Regel an die Passagiere weitergeben. Die Bundesregierung will aus der Steuer nun zusĂ€tzliche Einnahmen in einer Höhe erzielen, die den Verzicht auf die nationale Kerosinsteuer ausgleicht. Ein Regierungssprecher hatte am Dienstag von bis zu 580 Millionen Euro jĂ€hrlich gesprochen. Das wĂ€re eine Steigerung der bisherigen Einnahmen um rund 50 Prozent.

Die zwischenzeitlich von der Ampel-Koalition erwogene und nun abgesagte Kerosinsteuer auf InlandsflĂŒge hĂ€tte nach EinschĂ€tzung des Barig-Vertreters Hoppe zu groben Wettbewerbsnachteilen fĂŒr die deutschen Gesellschaften gefĂŒhrt. Sein Verband setze sich stets fĂŒr faire Wettbewerbsbedingungen ein.

@ dpa.de