Konjunktur, Wettbewerb

Von der Leyen kassiert Schlappe vor Gericht

14.05.2025 - 13:05:18

Die "New York Times" hat im Rechtsstreit um die Herausgabe von SMS von EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen einen deutlichen Sieg errungen.

Die Zeitung und ihre Journalistin hĂ€tten relevante Anhaltspunkte fĂŒr die Existenz von Nachrichten zwischen von der Leyen und dem Pfizer US7170811035-Chef Albert Bourla dargelegt, urteilten die Richterinnen und Richter am EU-Gericht in Luxemburg. Die Kommission hingegen halte an ihrem Standpunkt fest, es lĂ€gen keine relevanten Nachrichten vor, die herausgegeben werden könnten - ohne das hinreichend zu begrĂŒnden.

Die Kommission muss nun auf ein Neues ĂŒber die Bitte um Offenlegung der "New York Times" befinden. Zudem kann sie das Urteil noch am EuropĂ€ischen Gerichtshof anfechten.

Textnachrichten zu milliardenschweren Impfstoff-Deals?

Im Fokus steht ein Deal zwischen der Kommission und dem Impfstoff-Hersteller Biontech US09075V1026/Pfizer aus dem FrĂŒhjahr 2021. Die Parteien einigten sich auf die Lieferung von bis zu 1,8 Milliarden Dosen Corona-Impfstoff, das Vertragsvolumen wurde damals auf 35 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Wie die "New York Times" berichtete, war der persönliche Kontakt zwischen von der Leyen und Pfizer-Chef Bourla fĂŒr den Abschluss entscheidend. Dabei sollen sie auch per SMS kommuniziert haben.

Eine Journalistin der "New York Times" beantragte daraufhin zusammen mit ihrer Zeitung den Zugang zu sĂ€mtlichen Textnachrichten, die von der Leyen und Bourla zwischen dem 1. Januar 2021 und dem 11. Mai 2022 ausgetauscht hatten. Die Kommission wiegelte mit der BegrĂŒndung ab, in ihrem Besitz befĂ€nden sich keine solchen Dokumente.

Gericht kanzelt BegrĂŒndung der Kommission ab

Die Richterinnen und Richter machten deutlich, die Antworten der Kommission zu der Anfrage basierten "entweder auf Hypothesen oder auf wechselnden oder ungenauen Informationen". Sie habe nicht erklĂ€ren können, warum die Textnachrichten nicht in ihrem Besitz seien. Sollten sie gelöscht worden sein, mĂŒsse auch das hinreichend erklĂ€rt werden.

"Die Entscheidung ist ein Sieg fĂŒr Transparenz und Rechenschaftspflicht in der EuropĂ€ischen Union und sendet die deutliche Botschaft, dass flĂŒchtige Kommunikation nicht außerhalb der öffentlichen Kontrolle liegt", sagte eine Sprecherin der "New York Times". Von der Kommission hieß es, sie werde das Urteil genau prĂŒfen und eine neue Entscheidung erlassen, die eine ausfĂŒhrlichere ErklĂ€rung enthĂ€lt.

Im Prozess mit der "New York Times" bestritt die Kommission nicht, dass Bourla und von der Leyen per SMS im Austausch standen. Es seien aber keine SMS gefunden worden, die wesentlich fĂŒr die Verhandlungen gewesen seien. BeschĂ€ftigte der Kommission mĂŒssten Chats und andere Dokumente nur dann archivieren, wenn sie als wichtig klassifiziert werden, heißt es aus der Behörde.

GrĂŒne sprechen von "Versteckspiel" auf von der Leyens Handy

WĂ€hrend der Pandemie hatte die EU-Kommission im Namen der Mitgliedstaaten VertrĂ€ge ĂŒber Hunderte Millionen Dosen Impfstoff verhandelt und abgeschlossen. Das Vorgehen stand immer wieder in der Kritik, weil die VertrĂ€ge nur teilweise öffentlich gemacht wurden oder weil es Verzögerungen bei der Lieferung des Impfstoffs gab. Die milliardenschweren KĂ€ufe von Corona-Impfstoff gerieten auch in das Visier der europĂ€ischen Staatsanwaltschaft.

"Das Versteckspiel auf von der Leyens Handy muss ein Ende haben", sagte Daniel Freund, der fĂŒr die GrĂŒnen im Europaparlament sitzt. "Dienstliche Nachrichten mĂŒssen systematisch gespeichert, archiviert und gegebenenfalls offengelegt werden."

Von der Leyens SMS nicht zum ersten Mal im Fokus

"Bei diesem Urteil geht es um mehr als nur um Transparenz: Es geht darum, die institutionelle Rechenschaftspflicht wiederherzustellen, die die EuropÀische Kommission schmerzlich vermissen lÀsst", sagte Shari Hinds von der Nichtregierungsorganisation Transparency International.

FĂŒr von der Leyen ist es nicht die erste AffĂ€re um unauffindbare Textnachrichten. In ihrer Zeit als deutsche Verteidigungsministerin wurden die Daten auf einem ihrer Handys gelöscht. Das Verteidigungsministerium begrĂŒndete die Handy-Löschung 2019 mit einem "Sicherheitsvorkommnis". Kritiker monierten, dass dadurch Beweise in der BerateraffĂ€re verloren gegangen seien, in der es um VorwĂŒrfe von unkorrekter Auftragsvergabe bis zu Vetternwirtschaft ging.

@ dpa.de | US7170811035 KONJUNKTUR