Deutschland, Russland

LĂ€ngere Treuhand fĂŒr PCK in Schwedt

09.09.2023 - 05:10:04 | dpa.de

Die Ölraffinerie PCK versorgt Berlin und Brandenburg mit Treibstoff. Die Mehrheitseigner - zwei Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft - bleiben ein halbes Jahr lĂ€nger unter Kontrolle des Bundes.

Die Raffinerie in Schwedt in der Uckermark versorgt große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff. - Foto: Patrick Pleul/dpa

Der Bund will mit der verlĂ€ngerten Treuhandverwaltung ĂŒber die Mehrheitseigner der Ölraffinerie PCK in Schwedt die weitere Versorgung mit Treibstoff sicherstellen. «Der Standort wurde in den vergangenen Monaten gefestigt. Es gab keinerlei VersorgungsengpĂ€sse», sagte der Parlamentarische WirtschaftsstaatssekretĂ€r Michael Kellner anlĂ€sslich der Entscheidung am Freitag. Mit der treuhĂ€nderischen Verwaltung verlĂ€ngert der Bund seine faktische Kontrolle ein weiteres Mal um sechs Monate.

Davon betroffen sind die beiden MehrheitseigentĂŒmer der PCK, die Rosneft Deutschland GmbH und die RN Refining & Marketing GmbH. Beide sind Tochterfirmen des russischen Staatskonzerns Rosneft. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte erklĂ€rt, dass die Anordnung der Treuhandverwaltung auf der Grundlage des Energiesicherungsgesetzes bis zum 10. MĂ€rz 2024 verlĂ€ngert wird. Sie wĂ€re sonst im September ausgelaufen.

«Versorgung verlĂ€sslich und vernĂŒnftig sicherstellen»

Die Tochterfirma Rosneft Deutschland sieht darin eine positive Voraussetzung fĂŒr die Versorgung: «Mit der Entscheidung können wir verlĂ€sslich und vernĂŒnftig fĂŒr die nĂ€chsten sechs Monate die Versorgung sicherstellen», sagte Sprecher Burkhard Woelki der Deutschen Presse-Agentur.

Die Raffinerie in Schwedt in der Uckermark versorgt große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff. Bis Ende vergangenen Jahres verarbeitete die Raffinerie vor allem Rohöl aus Russland. Die Bundesregierung beschloss im Zuge der Sanktionen wegen des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine den Verzicht auf russisches Öl. Als Alternative kommt Öl ĂŒber Danzig und Rostock sowie aus Kasachstan. Die Bundesregierung hatte beklagt, dass die Mehrheitseigner kein Interesse an einer Abkehr von russischem Öl hĂ€tten.

Im September 2022 verhĂ€ngte der Bund die Treuhandverwaltung ĂŒber die beiden Mehrheitseigner. Er begrĂŒndete dies mit einer drohenden Gefahr fĂŒr die Versorgungssicherheit in Folge des Ukraine-Kriegs. Rosneft klagte dagegen, das Bundesverwaltungsgericht bestĂ€tigte den Status im MĂ€rz. Der Bund verlĂ€ngerte die Treuhandverwaltung bereits im MĂ€rz um ein halbes Jahr. Ob der russische Staatskonzern Rosneft erneut dagegen juristisch vorgehen wird, war zunĂ€chst offen.

«Operative Hektik fehl am Platz»

Die Brandenburger Landesregierung hĂ€lt die verlĂ€ngerte Treuhandverwaltung mit Blick auf eine mögliche Änderung der EigentĂŒmerstruktur der PCK-Raffinerie fĂŒr richtig. «Sie verschafft allen Beteiligten einen zeitlichen Puffer hinsichtlich der Entscheidung ĂŒber eine weitere neue EigentĂŒmerstruktur», sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). «Das ist keine leichte Aufgabe und daher operative Hektik fehl am Platz.» Die Bundesregierung kann seit einer Entscheidung des Bundestags im April Anteile von Unternehmen unter Treuhandverwaltung leichter verĂ€ußern.

Die Raffinerie plant einen Umbau hin zu einer klimafreundlichen Zukunft mit Wasserstoff. Der Bund stellt fĂŒr ein Sonderprogramm zum Umbau fĂŒr Schwedt, Leuna und die HĂ€fen 375 Millionen Euro bis 2032 zur VerfĂŒgung.

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