Douglas startet mit leichten Verlusten in Börsenhandel
21.03.2024 - 10:42:00Alles begann mit Seife: Der schottische Einwanderer John Sharp Douglas grĂŒndete im Jahr 1821 in Hamburg eine Seifenfabrik. Es war der Anfang eines Unternehmens, das heute zu den bekanntesten in Deutschland zĂ€hlt. 1890 eröffnete die erste ParfĂŒmerie Douglas am Hamburger Jungfernstieg. Seit Jahrzehnten hat die Kette, die ihr Geld mit DĂŒften und Kosmetik verdient, einen festen Platz in deutschen FuĂgĂ€ngerzonen.
Nun hat das Unternehmen ein neues Kapitel in seiner Historie geschrieben. Seit Donnerstag werden wieder Anteile von Douglas an der Börse gehandelt. Die Aktie mit der Wertpapierkennnummer BEAU7Y - in Anspielung auf «Beauty» - startete am Morgen an der Frankfurter Börse leicht unter dem Ausgabepreis von 26 Euro. Dann bröckelte der Preis weiter ab und lag bis zum Mittag bei 23,14 Euro - ein Minus von elf Prozent. Zuvor hatten Unternehmenschef Sander van der Laan und Finanzchef Mark Langer im Frankfurter Handelssaal unter dem Jubel der Douglas-BeschÀftigten die traditionelle Glocke gelÀutet.
Douglas war bereits von 1966 bis 2013 börsennotiert, dann hatten der Finanzinvestor Advent und die GrĂŒnderfamilie Kreke das Unternehmen von der Börse genommen, um Douglas neu auszurichten. Die neuen Aktien konnten bis Dienstag gezeichnet werden. Die Nachfrage sei deutlich höher gewesen als das Angebot, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. Der Douglas-Mehrheitseigner, der Finanzinvestor CVC, und die Familie Kreke bleiben HauptaktionĂ€re, haben ihre Beteiligung aber reduziert. Etwa 32,7 Millionen Aktien wurden neu ausgegeben. Insgesamt werden knapp 32 Prozent des Unternehmens an die Börse gebracht. Der Börsengang spĂŒlt voraussichtlich rund 850 Millionen Euro in die Kasse.
Erst der zweite Börsengang in Frankfurt 2024
Was hat das alles fĂŒr Folgen fĂŒr Verbraucher? Douglas habe die Weichen fĂŒr die Zukunft erfolgreich gestellt, davon wĂŒrden auch Kunden profitieren, sagt Vorstandschef van der Laan etwas blumig. TatsĂ€chlich dĂŒrfte sich der Börsengang in der FuĂgĂ€ngerzone nicht spĂŒrbar auswirken. «FĂŒr Konsumenten wĂ€re es natĂŒrlich spannend, wenn es neue oder bessere Produkte gibt, oder sich am Einkaufserlebnis in den Filialen etwas Ă€ndert», sagt Martin Fassnacht, Marketing-Professor an der Wirtschaftshochschule WHU. Damit rechnet er jedoch nicht. «FĂŒr mehr Wachstum mĂŒsste Douglas stĂ€rker investieren, aber das kostet viel Geld.»
Die PrioritĂ€t fĂŒr Deutschlands gröĂte ParfĂŒmeriekette mit rund 18.000 BeschĂ€ftigten liegt woanders: Douglas ist hoch verschuldet, Ende 2023 waren es gut drei Milliarden Euro. «Mit dem Börsengang wollten wir Gelder einsammeln, um unsere Verschuldung deutlich zu senken», sagt Vorstandschef van der Laan. Die verbleibenden Schulden sollen zu besseren Konditionen refinanziert werden.
WĂ€hrend der Einzelhandel in Deutschland mĂ€Ăige UmsĂ€tze beklagt, liefen die GeschĂ€fte bei Douglas zuletzt wieder besser. Im abgelaufenen GeschĂ€ftsjahr legte das Unternehmen um 12 Prozent zu und schrieb nach Verlusten im Vorjahr unter dem Strich wieder schwarze Zahlen. Laut den Marktforschern von YouGov ĂŒbertrafen die Ausgaben der Verbraucher bei Douglas 2023 wieder das Vor-Corona-Niveau. Markenexperte Fassnacht sieht auch deshalb gute Chancen fĂŒr die Aktie. Douglas sei eine starke, positiv besetzte Marke und erster Anlaufpunkt fĂŒr Beauty-Produkte in den InnenstĂ€dten. «Die machen einen guten Job. 30 Prozent der UmsĂ€tze werden online erzielt, das ist sehr ordentlich.»
Douglas hat zuletzt schon angekĂŒndigt, weiter expandieren zu wollen. Bis 2026 will man die Umsatzmarke von fĂŒnf Milliarden Euro knacken. Bis dahin sollen mehr als 200 neue Standorte eröffnet werden, knapp die HĂ€lfte davon in Mittelosteuropa. Zudem ist geplant, 400 bestehende Filialen zu modernisieren. WĂ€hrend der Pandemie hatte Douglas Hunderte GeschĂ€fte geschlossen. Europaweit gibt es aktuell 1850 Filialen in 22 LĂ€ndern.
«Schön, dass Sie wieder da sind»
Am LĂ€uten der Börsenglocke am ersten Handelstag nahm nicht nur der Douglas-Vorstand teil. Auch etwa 150 Mitarbeiter waren am frĂŒhen Donnerstagmorgen - ausgestattet mit mintfarbenen Poloshirts und Börsenglöckchen - von der Konzernzentrale in DĂŒsseldorf nach Frankfurt gefahren. Dort begann der Tag um kurz nach 8 Uhr mit einem Fototermin bei den Bronze-Skulpturen von Bulle und BĂ€r, den Symbolfiguren der Börsianer. «Schön, dass Sie wieder da sind», sagte Deutsche-Börse-Vorstand Thomas Book im Handelssaal mit Blick auf die RĂŒckkehr auf das Börsenparkett.
Viel Aufmerksamkeit erhĂ€lt der Douglas-Börsengang auch deshalb, weil es zuletzt nicht viele andere gab. Nach dem Panzer-Zulieferer Renk ist es in Frankfurt erst der zweite Börsengang in diesem Jahr und der erste, bei dem auch Privatanleger angesprochen werden. In Deutschland ist die Zahl der BörsengĂ€nge schon seit Jahren niedrig. Dass zuletzt immer weniger Firmen den Schritt wagten, lag auch am lange schwierigen Umfeld. Die weltweiten Konfliktherde, Pandemie sowie steigende Inflation und Zinsen drĂŒckten auf die Stimmung. Zuletzt aber geriet die Börse in Schwung, der Dax eilte von Rekord zu Rekord - ein gĂŒnstiges Fenster fĂŒr BörsengĂ€nge.


