Kritik an PlĂ€nen Reiches fĂŒr neue kleine Solaranlagen
11.08.2025 - 14:26:26 | dpa.deDer Bundesverband Solarwirtschaft erklĂ€rte, die Umsetzung eines derartigen Vorhabens wĂŒrde die Klimaziele gefĂ€hrden und die Branche mit ihren rund 150.000 BeschĂ€ftigten stark schĂ€digen. Es brauche verlĂ€ssliche Investitionsbedingungen. Dazu zĂ€hle auch eine Förderung fĂŒr Solarstrom, der nicht selbst verbraucht werden könne.
Die GrĂŒnen riefen zu Protesten auf. "Die Freunde der dezentralen Energiewende in BĂŒrgerhand mĂŒssen jetzt aufstehen. Egal ob Kommunen, Unternehmen, Landwirte und KlimaschĂŒtzer - Reiches Politik hat viele Verlierer" warnte der stellvertretende GrĂŒnen-Chef Sven Giegold in der "Augsburger Allgemeinen". Photovoltaikanlagen auf DĂ€chern seien die umweltfreundlichste Form, um Energie zu erzeugen.
Reiches PlÀne
Neue, kleine PV-Anlagen rechneten sich schon heute im Markt und bedĂŒrften keiner Förderung, sagte Reiche der "Augsburger Allgemeinen". Die Preise fĂŒr Anlagen und Speicher seien deutlich gesunken. An der EinspeisevergĂŒtung fĂŒr bestehende Solaranlagen will die CDU-Politikerin mit Hinweis auf den Bestandsschutz aber nichts Ă€ndern. Reiche sagte der Zeitung weiter, die Vielzahl von nicht steuerbaren, kleinen Solaranlagen speise unkontrolliert ein und setze das Netz unter Stress. "Deshalb sollten PV-Anlagen mit Stromspeichern verbunden und steuerbar sein, am Markt teilnehmen und ihren Strom vermarkten."
Der Boom der Solarenergie in Deutschland erschwert zunehmend die Steuerung der Stromnetze, wie bereits vor einem Jahr eine Analyse des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung ergeben hatte. Dies könne in Stromnetzen zu zeitweisen EngpĂ€ssen fĂŒhren. PV-Strom mĂŒsse effizient in das Stromsystem integriert werden.
Verband kritisiert Reiche
Statt "schĂ€dliche Debatten" ĂŒber eine Drosselung des Energiewende-Tempos bei der Photovoltaik zu fĂŒhren, sollte die Bundesregierung anstehende Aufgaben der Energiewende konsequent angehen, forderte der Bundesverband Solarwirtschaft. Er nannte den weiteren Ausbau der Photovoltaik, einen schnelleren Ausbau von Speichern und Netzen sowie eine Integration des erzeugten Sonnenstroms ins Stromsystem.
Nach einer Umfrage unter Solarinstallateuren wĂŒrden sich lediglich vier von zehn Kunden ohne eine Förderung noch eine Solarstromanlage im Heimsegment anschaffen, so der Verband.
Förderung variiert
Wer Solarstrom auf seinem Dach erzeugt und in das Netz einspeist, erhĂ€lt 20 Jahre lang pro Kilowattstunde einen festen Betrag. Dieser variiert nach GröĂe der Anlage, Art der Einspeisung und Zeitpunkt der Inbetriebnahme. Kleine, neu installierte PV-Anlagen, die zur Eigenversorgung und Ăberschusseinspeisung betrieben werden, erhalten bei Inbetriebnahme seit Anfang August laut Branchenverband folgende VergĂŒtungssĂ€tze in der festen EinspeisevergĂŒtung - fĂŒr Anlagenleistungen bis 10 Kilowatt 7,86 Cent je eingespeister Kilowattstunde, fĂŒr 10 bis 40 Kilowatt 6,80 Cent je Kilowattstunde. Die sogenannte EinspeisevergĂŒtung - also der Betrag, den man fĂŒr ins Netz eingespeisten Solarstrom erhĂ€lt - wird halbjĂ€hrlich um ein Prozent gesenkt. Die letzte KĂŒrzung erfolgte zum 1. August.
Reiche will Kurswechsel
Energieministerin Reiche strebt generell einen Kurswechsel bei der Energiewende an. Die Kosten mĂŒssten runter, sagte sie Mitte Juli der Deutschen Presse-Agentur. Sie hatte bereits vorgeschlagen, dass sich Betreiber von Ăkostrom-Anlagen kĂŒnftig an der Finanzierung des Stromnetzausbaus beteiligen sollen. Es brauche mehr Steuerbarkeit, um die VolatilitĂ€t der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien aus Wind und Sonne ausgleichen zu können. Ende des Sommers will Reiche einen "RealitĂ€tscheck" zur Energiewende vorlegen. Mit Spannung wird erwartet, welche konkreten Schlussfolgerungen Reiche daraus zieht.
Reiches AmtsvorgĂ€nger Robert Habeck (GrĂŒne) hatte mit verschiedenen MaĂnahmen den Ausbau des Ăkostroms vor allem aus Wind und Sonne vorangetrieben. Die erneuerbaren Energien sollen eine SchlĂŒsselrolle spielen, damit Klimaziele erreicht werden. Der Ausbau der Stromnetze hĂ€lt aber nicht Schritt. Wegen fehlender Netze mĂŒssen erneuerbare Anlagen immer wieder gedrosselt werden. AusgleichsmaĂnahmen gegen NetzengpĂ€sse kosten viel Geld.
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