GESAMT-ROUNDUP: Kurioser Bundesrat - Rauswurf und ungĂŒltige Stimme
22.11.2024 - 15:56:06Sie hat das Potenzial, in die Geschichte einzugehen. Denn die geplante Abstimmung zur Krankenhausreform sorgte fĂŒr Streit - und das nicht nur zwischen dem Bund und einzelnen LĂ€ndern, sondern auch innerhalb einiger Landesregierungen. Am Ende verfehlte der Antrag Bayerns, den Vermittlungsausschuss anzurufen, knapp eine Mehrheit. Die Krankenhausreform tritt damit in Kraft. Andere BeschlĂŒsse, die die LĂ€nderkammer fasste, gerieten fast zur Nebensache.
Streit um die Abstimmung
Um die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplante Krankenhausreform wurde zwischen Bund und LĂ€ndern schon lange gestritten. Sie soll finanziellen Druck auf die Kliniken mindern und mehr Spezialisierung durchsetzen. Manche LĂ€nder sehen aber nach wie vor Nachbesserungsbedarf, sonst wĂŒrde das Gesetz zu Verwerfungen in der Krankenhauslandschaft fĂŒhren, argumentierte etwa Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).
Das Thema lieĂ die Emotionen hochkochen - auch innerhalb mancher Landesregierungen. So entlieĂ unmittelbar vor der Sitzung Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD) seine Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (GrĂŒne). Denn anders als der MinisterprĂ€sident wollte die Ministerin nicht fĂŒr den Vermittlungsausschuss stimmen und sich auch in ihrer geplanten Rede fĂŒr die Reform aussprechen. Nach dpa-Informationen eskalierte der Streit um diese Rede, sodass es zur Entlassung kam.
Ausgerechnet Brandenburg
Damit verhinderte Woidke auch, dass sein Land möglicherweise uneinheitlich abstimmte, wodurch die Stimme Brandenburgs nicht gezĂ€hlt hĂ€tte. Das hatte das Bundesverfassungsgericht 2002 fĂŒr den Fall entschieden, dass ein Bundesratsmitglied dem StimmenfĂŒhrer seines Bundeslandes widerspricht. Damals hatte es ebenfalls in der Landesregierung Brandenburgs Streitigkeiten gegeben. Es ging um ein Zuwanderungsgesetz. Im vergangenen MĂ€rz stimmte Sachsen beim Cannabis-Gesetz uneinheitlich ab - mehr solcher FĂ€lle gab es in der Geschichte des Bundesrates in der Vergangenheit nicht.
Jetzt kam bei der Krankenhausreform aber doch ein weiterer dazu: FĂŒr ThĂŒringen stimmte Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) fĂŒr die Anrufung des Vermittlungsausschusses - Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) widersprach und erklĂ€rte, dies entspreche nicht dem festgelegten Stimmverhalten des Landes. Die Stimme wurde als ungĂŒltig gewertet und nicht gezĂ€hlt - fĂŒr einen Vermittlungsausschuss hĂ€tte es aber auch mit ThĂŒringen knapp nicht gereicht.
Jahressteuergesetz abgesegnet - steuerliche Entlastungen fĂŒr Hobbybrauer
Die LĂ€nderkammer stimmte dem Jahressteuergesetz zu. Es enthĂ€lt unter anderem Beispiel Steuerentlastungen fĂŒr Hobbybrauer. Sie dĂŒrfen kĂŒnftig pro Jahr 500 Liter Bier steuerfrei brauen, bislang waren es 200 Liter. Vorgesehen ist auch eine Anhebung des Grundfreibetrags bei der Einkommensteuer. Er steigt rĂŒckwirkend zum Jahresbeginn um 180 auf 11.784 Euro. Das Gesetz beinhaltet ferner eine Vereinheitlichung der Steuerbefreiung fĂŒr kleine Photovoltaikanlagen.
Zustimmung zum BĂŒrokratieabbau
Die LĂ€nder stimmten auch einer Verordnung zur BĂŒrokratieentlastung zu. Sie umfasst 32 RechtsĂ€nderungen, die nach Angaben der Bundesregierung der Wirtschaft jĂ€hrliche Einsparungen von 420 Millionen Euro bringen sollen. FĂŒr die Verwaltung soll es eine jĂ€hrliche Ersparnis von rund 4 Millionen Euro geben. Erreicht werden soll dies ĂŒber eine stĂ€rkere Digitalisierung, den Abbau von Anzeige- und Mitteilungspflichten sowie die Vereinfachung von Verfahren.
BundesratsprÀsidentin warnt vor politischem Stillstand
FĂŒr Saar-MinisterprĂ€sidentin Rehlinger war es ein besonderer Tag: Sie gab als neue BundesratsprĂ€sidentin ihren Einstand. In ihrer Antrittsrede rief die Sozialdemokratin dazu auf, auch nach dem Bruch der Ampel-Koalition wichtige politische Vorhaben abzuschlieĂen. "Ich halte es fĂŒr wichtig, den Eindruck eines Stillstandes bis zur Neubildung einer Bundesregierung erst gar nicht entstehen zu lassen." Dies wĂŒrde nur politischen KrĂ€fte in die HĂ€nde spielen, die gar kein Interesse an der Lösung von Problemen, sondern am Fortbestand dieser Probleme hĂ€tten.
FĂŒr die Frage, was jetzt noch angepackt werden könne, gebe es eine gute Richtschnur, sagte Rehlinger. "Das, was alle 16 LĂ€nder hier im Bundesrat oder auch in der MinisterprĂ€sidentenkonferenz beschlossen haben, hat nach meiner EinschĂ€tzung eine gute Grundlage, um noch auf den Weg gebracht zu werden."

