Schwedische Staatsanwaltschaft stellt Nord-Stream-Ermittlungen ein
07.02.2024 - 10:35:51Man sei zu dem Schluss gekommen, dass es keine schwedische ZustÀndigkeit in dem Fall gebe, teilte der mit den Untersuchungen betraute Staatsanwalt Mats Ljungqvist am Mittwoch mit.
Bei den umfassenden Ermittlungen sei nichts gefunden worden, das darauf hindeute, dass Schweden oder schwedische StaatsbĂŒrger an dem Angriff in internationalen GewĂ€ssern beteiligt gewesen seien, erklĂ€rte Ljungqvist. Die deutschen Ermittlungen in dem Fall gingen weiter, betonte er.
"SĂŒddeutsche Zeitung", NDR, WDR und "Zeit" hatten bereits am Dienstag berichtet, dass Ljungqvist das Verfahren offenbar einstellen wolle. Wie die Medien berichteten, könnten die deutschen Behörden von dem schwedischen Schritt profitieren, weil die Schweden ihnen ihre Beweismittel zur VerfĂŒgung stellen könnten. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, dass die Ermittlungen von deutscher Seite aus andauern. "Weitergehende AuskĂŒnfte werden derzeit nicht erteilt", erklĂ€rte eine Sprecherin am Mittwoch in Karlsruhe
Am 26. September 2022 waren mehrere Explosionen in der NÀhe der dÀnischen Ostsee-Insel Bornholm registriert und wenig spÀter vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen der Nord-Stream-Pipelines entdeckt worden. In Schweden wurden daraufhin ebenso Ermittlungen aufgenommen wie in Deutschland und in DÀnemark. Ljungqvist bestÀtigte im November 2022 die von Anfang an gehegte Vermutung, dass es sich um schwere Sabotage handelte. Analysen hÀtten Sprengstoffreste an mehreren Fremdkörpern gezeigt, erklÀrte er.
In einem gemeinsamen Brief an den Weltsicherheitsrat schrieben die UN-Botschaften Deutschlands, DÀnemarks und Schwedens im Juli 2023, die Ermittler hÀtten Sprengstoffspuren auf einer verdÀchtigen Segeljacht entdeckt. Es bestehe der Verdacht, dass diese zum Transport des bei der Sabotage eingesetzten Sprengstoffs genutzt worden sei, hieà es in dem Schreiben. Man habe herausgefunden, dass das Boot im Namen einer Person angemietet worden sei, die Dokumente verwendet habe, mit denen die IdentitÀt des echten Mieters verschleiert werden sollte.
Nach ExperteneinschÀtzungen sei es möglich, dass ausgebildete Taucher SprengsÀtze an den Orten angebracht haben könnten, an denen die Gasleitungen beschÀdigt worden seien, hieà es in dem Brief weiter. Gleichzeitig wurde darin aber auch betont, dass die TÀterfrage ungeklÀrt sei: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, die IdentitÀt der TÀter und ihre Motive zuverlÀssig zu klÀren, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob der Vorfall von einem Staat oder einem staatlichen Akteur gesteuert wurde."
Nord Stream 1 und 2 verlaufen jeweils als Unterwasser-Doppelstrang ĂŒber eine Strecke von rund 1200 Kilometern von Russland nach Deutschland. Nord Stream 1 lieferte seit 2011 einen erheblichen Anteil des nach Europa importierten Gases. Allerdings hatte Moskau die Lieferungen im Zuge der Konfrontation mit dem Westen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine schon vor der Zerstörung gedrosselt und dann ganz eingestellt. Die neuere Nord-Stream-2-Pipeline war bereits mit Gas gefĂŒllt, aber mangels Zertifizierung noch nicht in Betrieb.

