Alle Jahre wieder: Konsumflaute und HĂ€ndler-Frust vorm Fest
06.11.2024 - 12:33:43Adventskalender und WeihnachtsgebĂ€ck liegen in den Supermarktregalen. In einigen InnenstĂ€dten laufen die Vorbereitungen fĂŒrs Fest. Beleuchtung wird befestigt, Buden fĂŒr den Weihnachtsmarkt aufgebaut. Es wird ernst. Die meisten Menschen in Deutschland beginnen im November mit dem Kauf der Geschenke. Jede Person plant im Schnitt 297 Euro fĂŒr Geschenke ein, wie eine reprĂ€sentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zeigt. Das sind zwei Euro mehr als im Vorjahr. Gutscheine, Spielwaren, Kosmetik, BĂŒcher und Bekleidung sind wieder besonders begehrt.
FĂŒr viele Menschen ist die Weihnachtszeit die schönste des Jahres, fĂŒr EinzelhĂ€ndler die wichtigste. In den Wochen vor dem Fest wird der meiste Umsatz gemacht. Die Unternehmen hoffen auf einen halbwegs versöhnlichen Abschluss. Wird das WeihnachtsgeschĂ€ft besser als 2023, als viele enttĂ€uscht waren? Der HDE erwartet das nicht. Laut Vorhersage des Verbandes wird es mit Blick auf den gesamten Einzelhandel, also stationĂ€r und online, zumindest nicht schlechter laufen. Die UmsĂ€tze dĂŒrften demnach inflationsbereinigt voraussichtlich auf Vorjahresniveau liegen.
2024 brachte nicht den ersehnten Aufschwung
2024 war erneut schwierig. Das Jahr brachte nicht den ersehnten Aufschwung und lief sogar noch schlechter als angenommen. Der Handelsverband korrigierte in dieser Woche seine Jahresprognose deutlich nach unten. Erwartet wird lediglich ein nominales Umsatzplus von 1,3 Prozent auf 657 Milliarden Euro. Bereinigt um Preissteigerungen entspricht das im Vergleich zum Vorjahr einem Nullwachstum. Eigentlich hatte der Verband fĂŒr dieses Jahr ein nominales Plus von 3,5 Prozent prognostiziert.Â
Die Ursache: Viele Menschen sparen, statt ausgiebig zu konsumieren, obwohl sich die Inflation zuletzt abgeschwĂ€cht hat. Die vielfach gestiegenen und als hoch empfundenen Preise, Kriege und wirtschaftliche Verunsicherung drĂŒcken jedoch weiterhin auf Stimmung und Kauflaune. Konsum sei zu einem hohen Anteil Psychologie, sagt HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen. «Hier sieht es aktuell nicht richtig gut aus. Das fĂŒhrt dazu, dass die Menschen ihr Geld eher zusammenhalten.»Â
Jeder Dritte will weniger fĂŒr Geschenke ausgeben
Kaum etwas spricht dafĂŒr, dass die Kauflaune zum Jahresende ĂŒberraschend stark anzieht. Jeder Dritte will laut einer reprĂ€sentativen Appinio-Umfrage weniger Geld fĂŒr Geschenke ausgeben als 2023, nur 12 Prozent mehr. Kunden verzichten vor allem auf nicht unbedingt notwendige Anschaffungen wie Elektronik, Haushaltsprodukte, Möbel, Kleidung und Schuhe. 70 Prozent können sich nach eigenen Angaben weniger leisten als vor sechs Monaten.Â
Kein anderes Thema macht den Menschen in Deutschland zurzeit so viel Angst wie die steigenden Lebenshaltungskosten, wie eine kĂŒrzlich veröffentlichte Studie der R+V-Versicherung zeigt. Viele glauben nicht, dass sich die finanzielle Situation bald verbessert. Das spĂŒren die HĂ€ndler. Jeder Zweite berichtet ĂŒber sinkende UmsĂ€tze im ersten Halbjahr, im Möbelhandel gaben dies sogar drei von vier Betrieben an.Â
WĂ€hrend asiatische Shoppingportale wie Temu stark zulegen, ist die Lage vieler etablierter Unternehmen schwierig, teilweise existenziell. Die Folgen sind in den FuĂgĂ€ngerzonen zu sehen. Die Warenhauskette Galeria schloss im Sommer erneut Standorte. Die Modemarke Scotch & Soda machte alle Filialen dicht, der KosmetikhĂ€ndler Body Shop etwa die HĂ€lfte. Bei Esprit wird in diesen Tagen die letzte Ware abverkauft, bevor die GeschĂ€fte Ende des Monats endgĂŒltig schlieĂen. Unklar ist, wie es beim insolventen DekohĂ€ndler Depot weitergeht.Â
HĂ€ndler von Sportartikeln und Spielwaren optimistischer
Positive Tendenzen? Gibt es wenig. Das HDE-Konsumbarometer und der Konsumklimaindex des Marktforschers GfK legten kĂŒrzlich leicht zu. Der Einzelhandel verzeichnete zuletzt drei Monate in Folge inflationsbereinigt ein Plus im Vergleich zum Vorjahr. Die Branche blickt trotzdem verhalten auf das WeihnachtsgeschĂ€ft. 80 Prozent erwarten laut einer HĂ€ndler-Befragung des HDE, dass viele Kunden zurĂŒckhaltend einkaufen. Nur 30 Prozent gehen davon aus, dass der Kauf von Geschenken nicht unter der schlechten Stimmung leiden wird.Â
Dabei sind die Unterschiede je nach Branche teilweise groĂ. Unternehmen aus den Bereichen Unterhaltungselektronik, Sportartikel, Spielwaren, Uhren und Schmuck sind dem HDE zufolge optimistischer. Bei Haushaltswaren, Möbeln, Schuhen und Lederwaren, Bekleidung und Nahrungsmitteln fĂŒrchten viele, dass das WeihnachtsgeschĂ€ft schlechter lĂ€uft als 2023. In den InnenstĂ€dten war zuletzt kein nennenswerter AufwĂ€rtstrend zu beobachten. Die Frequenz der Passanten auf den deutschen EinkaufstraĂen war in den vergangenen Monaten kaum höher als im Vorjahr, wie Auswertungen des Datenportals Hystreet zeigen.Â
Kunden schauen stark auf Preise und Sonderangebote
«Bis zum Jahresende wird voraussichtlich nicht mehr viel passieren», sagte die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, der «Wirtschaftswoche». Die verunsicherten Verbraucher legten ihr Geld auf die hohe Kante. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsforschungsinstituts IFH, Kai Hudetz, kann sich vorstellen, dass das WeihnachtsgeschĂ€ft immerhin etwas besser verlĂ€uft als 2023. «Unsere Studienergebnisse deuten darauf hin.» Die Konsumlaune helle sich aber nur langsam auf.Â
Die Kunden schauen beim Einkaufen weiter stark auf Preise und Sonderangebote. Besonders beliebt sind deshalb Aktionstage wie der Black Friday. FĂŒr die HĂ€ndler hat dies jedoch auch Schattenseiten: Sie verkaufen mehr, verdienen wegen der hohen Rabatte jedoch oft weniger.


