Ukraine erfĂŒllt Auflagen fĂŒr EU-BeitrittsgesprĂ€che
30.05.2024 - 06:37:12"Aus Sicht der Bundesregierung erfĂŒllt die Ukraine alle Voraussetzungen, um die EU-Beitrittsverhandlungen im Juni eröffnen zu können", sagte Europastaatsministerin Anna LĂŒhrmann (GrĂŒne) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Daher drĂ€ngen wir auf eine schnelle Einigung aller Mitgliedsstaaten auf den Verhandlungsrahmen."
Mit dem Verhandlungsrahmen werden Leitlinien und GrundsĂ€tze fĂŒr die BeitrittsgesprĂ€che festgelegt. Er ist Voraussetzung fĂŒr den Verhandlungsbeginn und muss von den 27 EU-Mitgliedstaaten einstimmig beschlossen werden.
Grundsatzbeschluss liegt bereits Monate zurĂŒck
Der Beginn von BeitrittsgesprĂ€chen mit der von Russland angegriffenen Ukraine und deren kleinem Nachbarstaat Moldau war bei einem EU-Gipfel im Dezember bereits grundsĂ€tzlich beschlossen worden. Gleichzeitig wurde aber vereinbart, dass vor dem Verhandlungsstart alle Reformauflagen erfĂŒllt sein mĂŒssen. So waren nach dem letzten schriftlichen Kommissionsbericht in der Ukraine manche Reformen zur KorruptionsbekĂ€mpfung, zum Minderheitenschutz und zum Einfluss von Oligarchen nicht vollstĂ€ndig umgesetzt. Bis zuletzt war unklar, ob die Bundesregierung die in der Zwischenzeit erzielten Fortschritte fĂŒr ausreichend hĂ€lt.
Ob es nun zu einer schnellen Einigung auf einen Verhandlungsrahmen kommt, könnte sich nach Angaben von BrĂŒsseler Diplomaten bei einem Treffen der EU-Botschafter der Mitgliedstaaten in der kommenden Woche zeigen. Nach ersten GesprĂ€chen auf dieser Ebene an diesem Mittwoch gilt derzeit vor allem Ungarn noch als Unsicherheitsfaktor.
Streitpunkt Minderheitenrechte
Die Regierung in Budapest ist den Diplomaten zufolge mit dem aktuellen Entwurf fĂŒr den Verhandlungsrahmen nicht einverstanden und will unter anderem, dass dort noch expliziter auf das Thema Minderheitenschutz eingegangen wird. Sie ist gegenĂŒber dem ukrainischen Wunsch nach einem EU-Beitritt Ă€uĂerst kritisch eingestellt - unter anderem, weil sie die Rechte einer ungarischen Minderheit in der Ukraine nicht ausreichend respektiert sieht.
FĂŒr die Menschen in der Ukraine gilt die Eröffnung von EU-Beitrittsverhandlungen vor allem als wichtiges Zeichen dafĂŒr, dass es sich lohnt, den Abwehrkampf gegen Russland weiter fortzusetzen. Wie lange es nach einem Start der GesprĂ€che bis zum EU-Beitritt dauern könnte, ist völlig offen. Die TĂŒrkei etwa wurde 1999 EU-Kandidat - und war wohl noch nie weiter von einer Mitgliedschaft entfernt als heute.
Selenskyj macht Druck
Theoretisch kann es auch sein, dass ein Beitrittskandidat letztlich nie Mitglied wird. Bei der Ukraine etwa gilt es derzeit als ausgeschlossen, dass sie vor dem Ende des russischen Angriffskriegs EU-Mitglied wird. Denn dann könnte Kiew nach Artikel 42, Absatz 7 des EU-Vertrags militÀrischen Beistand einfordern - und die EU wÀre Kriegspartei.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj machte zuletzt deutlich, dass er dennoch auf eine Entscheidung fĂŒr Beitrittsverhandlungen noch im Juni hofft. "Unser Staat, unser Volk haben es verdient, und auch die EuropĂ€ische Union braucht diesen Schritt", sagte er Anfang Mai. Die EU beziehe ihre Kraft auch daraus, niemanden vor der TĂŒr zu lassen, der an ihre Werte glaube.
Staatsministerin LĂŒhrmann sagte zu den aktuellen Verhandlungen auf EU-Ebene, die Bundesregierung werde die Ukraine auf ihrem Weg in die EU weiter unterstĂŒtzen. "Die Zukunft der Ukraine liegt in der EU", erklĂ€rte die GrĂŒnen-Politikerin.

