ROUNDUPSelenskyj, Ukraine

Ukraine hĂ€tte Atomwaffen nie aufgeben dĂŒrfen

28.01.2025 - 06:35:02

Die ukrainische StaatsfĂŒhrung hĂ€lt die Preisgabe des Atomwaffenarsenals im Land vor gut 30 Jahren fĂŒr einen Fehler und einen dauerhaften Frieden mit Russland nur mit Hilfe der USA fĂŒr möglich.

Im GesprĂ€ch mit dem neuen US-PrĂ€sidenten Donald Trump habe er starke militĂ€rische UnterstĂŒtzung und Sicherheitsgarantien fĂŒr den Fall einer Waffenruhe gefordert, sagte PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj. Nur so könne verhindert werden, dass Russland den 2022 begonnen Krieg zu einem spĂ€teren Zeitpunkt wieder aufnimmt, sagte er in einem Interview der italienischen Zeitung "Il Foglio", das in Teilen von ukrainischen Medien veröffentlicht wurde.

Er habe mit Trump auch ĂŒber das Budapester Memorandum von 1994 gesprochen, in dem die USA, Großbritannien und Russland den ehemaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Belarus und Kasachstan starke Sicherheitsgarantien als Gegenleistung fĂŒr die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihrem Gebiet gaben. Dieses ZugestĂ€ndnis sei "dumm und verantwortungslos" gewesen, sagte Selenskyj - denn spĂ€ter sei alles anders gekommen: Als Russland 2014 die Halbinsel Krim und die Regionen Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine besetzte, habe Kiew die GarantiemĂ€chte zum Eingreifen aufgefordert, doch habe es keine Reaktion gegeben.

"Wir haben Atomwaffen fĂŒr den Krieg getauscht"

"Die Ukraine hat ihre Atomwaffen verschenkt", resĂŒmierte Selenskyj. RĂŒckblickend wĂ€re es aus seiner Sicht besser gewesen, hĂ€tte die Ukraine die Sicherheitsgarantien damals von der Nato als transatlantischer MilitĂ€rallianz erhalten. "Wenn ich also Atomwaffen eintauschen wĂŒrde, wĂŒrde ich sie gegen etwas sehr Starkes eintauschen, etwas, das wirklich jeden Angreifer aufhalten kann, trotz seiner GrĂ¶ĂŸe, seines Territoriums, seiner Armee und so weiter - und das ist eine starke Armee und der Sicherheitsblock Nato", sagte Selenskyj.

"Wir haben Atomwaffen fĂŒr den Krieg getauscht", habe er Trump erklĂ€rt. Dennoch sei er ĂŒberzeugt, dass der US-PrĂ€sident eine starke Position fĂŒr die Ukraine sichern könne. "Wegen der Sanktionen, der StĂ€rke der USA, der Wirtschaft - er kann das beschleunigen, er kann es meiner Meinung nach schneller tun als jeder andere in der Welt", sagte Selenskyj.

Baerbock spricht mit Rubio ĂŒber Ukraine und Nato

Neben dem Austausch der beiden PrĂ€sidenten gab es auch ein Telefonat des neuen US-Außenministers Marco Rubio mit seiner deutschen Kollegin Annalena Baerbock. Nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts ging es dabei unter anderem um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die Bedeutung einer starken Nato. Die GrĂŒnen-Politikerin telefonierte erstmals mit Rubio und bekundete demnach ihren Willen zur engen Zusammenarbeit mit Trumps Regierung.

KĂ€mpfe in der Ostukraine dauern an

An den diversen Frontabschnitten in der Ostukraine wird derweil weiter erbittert gekÀmpft. Allein am Montag seien 82 Gefechte gezÀhlt worden, teilte der Generalstab in Kiew in seinem abendlichen Lagebericht mit. Schwerpunkt der Kampfhandlungen sei erneut die Umgebung von Pokrowsk am Rande des Donbass gewesen. Auch aus der von ukrainischen Truppen besetzten westrussischen Region Kursk wurden schwere Gefechte gemeldet.

@ dpa.de