Baywa, Restrukturierung

Baywa plant Restrukturierung - ohne Gefahr fĂŒr AktionĂ€re

31.01.2025 - 11:20:04

Die unter Milliardenschulden Ă€chzende Baywa muss saniert werden. Das beinhaltet lĂ€ngere Laufzeiten fĂŒr Kredite - doch nicht alle GlĂ€ubiger spielen mit.

Der hoch verschuldete MĂŒnchner Agrar- und Baustoffkonzern Baywa will nach der fehlgeschlagenen Einigung mit einem großen GlĂ€ubiger die Sanierung mit Hilfe des Restrukturierungsgesetzes weiter vorantreiben. Das Unternehmen wird das entsprechende Verfahren beim MĂŒnchner Amtsgericht in Gang setzen, wie der Vorstand mitteilte. Ein Kapitalschnitt oder ein HerausdrĂ€ngen der AktionĂ€re ist jedoch nicht geplant. Auch Lieferanten, Kunden, Belegschaft und Tochterunternehmen sind laut Baywa nicht betroffen.

Unternehmen beruhigt AktionÀre

Das unter dem KĂŒrzel «StaRUG» bekannte Restrukturierungsgesetz soll Krisenunternehmen helfen, sich ohne Insolvenzverfahren zu sanieren. Das Gesetz ist jedoch bei AktionĂ€ren gefĂŒrchtet, denn es gibt Unternehmen die Möglichkeit, ihr Kapital auf null zu setzen und die AktionĂ€re herauszukegeln. 

Dies ist bei der Baywa jedoch nicht der Fall, wie der Mitteilung zu entnehmen ist: «Eine Kapitalherabsetzung und sonstige gesellschaftsrechtliche Maßnahmen sind nicht geplant.» Es soll auch bei der bereits angekĂŒndigten Kapitalerhöhung mit Ausgabe neuer Aktien fĂŒr rund 150 Millionen Euro bleiben, nunmehr im Rahmen des StaRUG-Verfahrens.

Kreditlaufzeiten mĂŒssen verlĂ€ngert werden

Im Restrukturierungsverfahren der Baywa geht es demnach hauptsÀchlich um die VerlÀngerung der Kreditlaufzeiten. Unter anderem wÀre im September diesen Jahres ein Konsortialkredit mit einem Rahmen von bis zu zwei Milliarden Euro ausgelaufen. 

Das Unternehmen hat sich mit den meisten seiner GlĂ€ubiger auf einen Sanierungsfahrplan inklusive eines Finanzierungskonzepts bis zum Jahr 2027 geeinigt. «Einige wenige FinanzglĂ€ubiger haben bisher nicht zugestimmt, sodass die Gesellschaft derzeit nicht mehr davon ausgeht, diese EinzelglĂ€ubiger zu einer freiwilligen Zustimmung zu bewegen», hieß es. 

Ohne Zustimmung widerstrebender GlÀubiger 

Das StaRUG-Verfahren soll es nun möglich machen, Sanierung und Finanzierungskonzept ohne Zustimmung dieser GlĂ€ubiger umzusetzen. Nach Angaben aus Beraterkreisen handelt es sich im Wesentlichen um einen großen GlĂ€ubiger, der nicht zustimmen wollte.

Auch mit dem Restrukturierungsverfahren soll es laut Baywa beim ursprĂŒnglichen Sanierungsfahrplan bleiben, mit Abschluss einer rechtsverbindlichen Vereinbarung bis spĂ€testens Ende April. Allerdings wird sich demnach die bisher fĂŒr Ende MĂ€rz geplante Veröffentlichung der Jahresbilanz 2024 verzögern, möglicherweise wird die Baywa auch ihre Hauptversammlung verschieben.

Über fĂŒnf Milliarden Euro Finanzschulden

Der Konzern war Ende des dritten Quartals mit knapp 5,3 Milliarden Euro bei seinen GlĂ€ubigerbanken verschuldet, Erblast einer rapiden Expansion auf Pump im vergangenen Jahrzehnt. Das aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Baywa ist der grĂ¶ĂŸte deutsche AgrarhĂ€ndler. Der Konzern spielt eine wichtige Rolle fĂŒr die Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung im SĂŒden und Osten Deutschlands. Außerdem ist das 101 Jahre alte Unternehmen in den GeschĂ€ftsbereichen Bau und Energie als Dienstleister und HĂ€ndler tĂ€tig. 

Im Rahmen der Sanierung will - beziehungsweise muss - sich die Baywa nun wieder verkleinern, die wesentlichen Unternehmensbeteiligungen im Ausland sollen verkauft werden. Außerdem steht der Belegschaft in Deutschland Stellenabbau in großem Umfang bevor: Von den 8.000 Vollzeitstellen der Muttergesellschaft Baywa AG sollen 1.300 gestrichen werden, das entspricht 16 Prozent der Vollzeit-ArbeitsplĂ€tze des Konzerns in Deutschland.

@ dpa.de