Deutschland, Industrie

AuftragseingĂ€nge gehen stĂ€rker zurĂŒck als erwartet

08.06.2026 - 11:37:45 | dpa.de

Die Unternehmen halten sich angesichts des Iran-Kriegs zurĂŒck und bestellen weniger. Hintergrund sind vor allem Preiserhöhungen wegen gestiegener Energiepreise.

Hohe Energiepreise machen viele Produkte teurer. - Bild: Jan Woitas/dpa
Hohe Energiepreise machen viele Produkte teurer. - Bild: Jan Woitas/dpa

Der Iran-Krieg belastet die Industrienachfrage in Deutschland. Der Auftragseingang ist im April stĂ€rker zurĂŒckgegangen als von Experten erwartet. Die AuftrĂ€ge sanken im Vergleich zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 3,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten lediglich mit einem RĂŒckgang von 2,0 Prozent gerechnet. 

Zudem wurde der Anstieg im MÀrz leicht auf ein Plus von 4,5 Prozent um einen halben Prozentpunkt nach unten revidiert. Im weniger schwankungsanfÀlligen Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Februar bis April um 3,1 Prozent niedriger als in den drei Monaten zuvor.

Hohe Energiepreise bremsen

Der Iran-Krieg treibt weiterhin die Energiepreise und sorgt fĂŒr Verunsicherung. Im MĂ€rz hatten sich die Auftragszahlen noch erholt. Dies war allerdings auf vorgezogene Bestellungen zurĂŒckzufĂŒhren, da die Unternehmen Preiserhöhungen im Zuge des Iran-Kriegs befĂŒrchteten. «Der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-GeschĂ€ftsklima lĂ€sst keine baldige Erholung erwarten», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Vielmehr dĂŒrfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal etwas schrumpfen. «Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut.»

DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen betonte, nach dem positiven Ausschlag im MĂ€rz aufgrund von Lageraufstockungen folge nun die Gegenbewegung im April. Der Nahostkonflikt, die Preissteigerungen bei Öl und Gas sowie die einhergehende Unsicherheit dĂ€mpften die Konjunktur. «DarĂŒber hinaus belasten die strukturellen Probleme am heimischen Standort das GeschĂ€ft», sagte Zenzen. Eine schnelle Erholung sei nicht zu erwarten. Laut der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage rechne ein Drittel der Industriebetriebe in den kommenden Monaten mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage.

Bestellungen aus dem Ausland sinken besonders stark

Belastet wurde die Auftragsentwicklung von einem deutlichen RĂŒckgang der NeuauftrĂ€ge in der Automobilindustrie (-5,3 Prozent zum Vormonat) und in der Herstellung von elektrischer AusrĂŒstung (-16,3 Prozent). Im Maschinenbau sanken die AuftrĂ€ge um 7,4 Prozent.

Schwach entwickelte sich auch die Auslandsnachfrage - besonders aus der Eurozone. Die AuslandsauftrĂ€ge sanken insgesamt um 4,2 Prozent. Dabei fielen die AuftrĂ€ge aus der Eurozone um 11,1 Prozent und die AuftrĂ€ge von außerhalb der Eurozone stiegen um 0,8 Prozent. Die InlandsauftrĂ€ge sanken um 2,9 Prozent.

Am Dienstag werden die Zahlen zur Industrieproduktion im April veröffentlicht. Hier erwarten Volkswirte einen leichten Anstieg.

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