Fed belÀsst Leitzins zum sechsten Mal in Folge auf hohem Niveau
01.05.2024 - 20:39:23Er liegt weiterhin in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent, wie der Zentralbankrat am Mittwoch in Washington mitteilte. Zu diesem Satz können sich GeschĂ€ftsbanken Zentralbankgeld leihen. Damit bleibt der Leitzins weiter auf dem höchsten Niveau seit mehr als 20 Jahren. Die Notenbank der gröĂten Volkswirtschaft der Welt hat seit MĂ€rz 2022 ihren Leitzins im Kampf gegen die Inflation im rekordverdĂ€chtigen Tempo um mehr als fĂŒnf Prozentpunkte angehoben. Zuletzt drehte sie allerdings nicht mehr an der Zinsschraube. Der Preisauftrieb in den USA hat sich jĂŒngst allerdings wieder unerwartet beschleunigt.
Die hohe Inflation in den USA erweist sich als hartnĂ€ckig. So stieg die Inflationsrate im MĂ€rz erneut stĂ€rker als erwartet. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat nach Angaben des Arbeitsministeriums um 3,5 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit einer Rate von 3,4 Prozent gerechnet. Im Februar hatte sie noch bei 3,2 Prozent gelegen. Ăkonomen gehen allerdings davon aus, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten sinken könnte. Die Fed strebt eine Inflationsrate von 2 Prozent an. In den vergangenen Monaten habe es keine weiteren Fortschritte in Richtung dieser Zielmarke gegeben, erklĂ€rte die Fed nun.
Seit MĂ€rz 2022 hat die Fed ihren Leitzins in den Anstrengungen gegen die Inflation im rekordverdĂ€chtigen Tempo um mehr als fĂŒnf Prozentpunkte angehoben - die letzte Zinserhöhung war im vergangenen Sommer. Seitdem hat die Fed die Zinsen auf dem hohen Niveau belassen. Die Inflationsrate ist mittlerweile deutlich zurĂŒckgegangen, die Preise steigen nun deutlich langsamer an. Die Rate war im Sommer 2022 mit mehr als 9 Prozent so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch scheint das 2-Prozent-Ziel aktuell auĂer Reichweite.
FĂŒr die Fed ist der Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise ein Balanceakt. Sie dreht dabei an der Zinsschraube, um die Nachfrage auszubremsen. Steigen die Zinsen, mĂŒssen Privatleute und Wirtschaft mehr fĂŒr Kredite ausgeben - oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben - und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Bei zu hohen Zinsen besteht die Gefahr einer Rezession. Die US-Wirtschaft ist allerdings trotz hoher Zinsen ĂŒberraschend stark. Die guten Wirtschaftsdaten setzen die Fed nicht gerade unter Druck, schnell an der Zinsschraube zu drehen. Gleichzeitig kĂŒndigte die Fed am Mittwoch an, ihre AnleihebestĂ€nde langsamer abzubauen.
Eigentlich hatte die US-Notenbank fĂŒr dieses Jahr drei Zinssenkungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten prognostiziert. In einer im MĂ€rz veröffentlichten SchĂ€tzung ging die Fed fĂŒr 2024 von einem Leitzins von im Schnitt 4,6 Prozent aus. Nach der aktuellen Sitzung veröffentlichten die Notenbanker am Mittwoch keine neue Prognose. Diese kommt erst nach der nĂ€chsten Fed-Sitzung im Juni. Angesichts der hartnĂ€ckig hohen Inflation ist nun aber offen, ob es wirklich zu drei Zinssenkungen in diesem Jahr kommen wird. Analysten gehen davon aus, dass mit einer Zinssenkung frĂŒhestens im September zu rechnen ist. Einige von ihnen vermuten auĂerdem, dass es bei lediglich einer Zinssenkung in diesem Jahr bleiben könnte.
Auch US-PrĂ€sident Joe Biden dĂŒrfte im Wahljahr aufmerksam das Vorgehen der Fed verfolgen. Umfragen zeigen, dass die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler mit seiner Wirtschaftspolitik unzufrieden sind. Zentraler Grund dafĂŒr sind die hohen Verbraucherpreise. Aber auch die dauerhaft hohen Zinsen sind ein Problem fĂŒr den Demokraten. Denn fĂŒr die Menschen im Land verteuern sich dadurch Hypotheken, Kreditkartenschulden oder Studienkredite. Bei der PrĂ€sidentenwahl im November liefert sich der Demokrat aller Voraussicht nach ein Duell mit dem republikanischen Ex-PrĂ€sidenten Donald Trump.

