Ăkonomen-Stimmen zu geldpolitischen BeschlĂŒssen der Fed
12.06.2024 - 21:54:14Die Fed belieĂ den Leitzins am Mittwoch zum siebten Mal in Folge in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent, wie der Zentralbankrat am Mittwoch in Washington mitteilte. Der Leitzins ist damit weiterhin so hoch wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Neue Daten der Fed zeigen auĂerdem, dass sich die Inflation hartnĂ€ckiger als erwartet erweisen könnte.
EinschĂ€tzungen von Ăkonomen im Ăberblick:
Bernd Weidensteiner und Christoph Balz, Analysten Commerzbank
"Der Zinsausblick (Dot Plot) sieht fĂŒr 2024 nur noch eine Zinssenkung vor, statt den im MĂ€rz noch erwarteten drei Schritten. (...) Wir sehen uns in unserer seit lĂ€ngerer Zeit vertretenen Ansicht bestĂ€rkt, dass sich die Fed sehr vorsichtig an den ersten Zinsschritt herantastet. Die Fed will offenbar vermeiden, dass sie zu frĂŒh senkt und sie dann erneut den Kurs wechseln mĂŒsste. Daher erscheint uns die Prognose einer ersten Zinssenkung erst im Dezember weiterhin plausibel."
Elmar Völker, Analyst bei der LBBW
"Der mit Spannung erwartete 'Dot Plot' avisiert allerdings weniger Potenzial fĂŒr eine geldpolitische Lockerung als noch im MĂ€rz: Ein Signal, dass der Weg bis zu einer ersten Zinssenkung lĂ€nger ist als zuvor vermutet. Die heute veröffentlichten Konsumentenpreisdaten fĂŒr Mai dĂŒrften dabei verhindert haben, dass die geldpolitische Wende noch weiter aus dem Blickfeld rutscht. Der enorm wechselhafte Eindruck, welchen die US-Makrodaten insgesamt in den zurĂŒckliegenden Wochen hinterlassen haben, vernebelt die Sicht sowohl fĂŒr Prognostiker als auch fĂŒr die US-Notenbanker selbst. Sofern das Pendel in den kommenden drei Monaten zu einer verlĂ€sslichen Wiederaufnahme des Disinflationstrends ausschlĂ€gt, liegt die Option einer Zinswende u.E. im September auf dem Tisch."
Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust
"Vor dem Hintergrund einer aktuell stabilen US-Konjunktur und einer etwas ĂŒber den Erwartungen der Notenbank vom MĂ€rz liegenden Inflation ist es absolut folgerichtig, dass der Offenmarktausschuss der Fed die Zinsen unverĂ€ndert gelassen hat. Eine Zinssenkung im Juli ist nicht zu erwarten. Ein erster Zinssenkungsschritt im September ist trotz der derzeitigen Prognoseunsicherheit aber durchaus wahrscheinlich, auch wenn der Ausschuss im Median der Meinungen nur noch einen Zinsschritt bis Jahresende erwartet."
Paul Ashworth, Analyst bei Capital Economics
"Alles in allem gibt es nichts, was eine Zinssenkung im September ausschlieĂen wĂŒrde. Es hĂ€ngt alles von den kĂŒnftigen Daten ab. Wenn sich das BeschĂ€ftigungswachstum erneut abschwĂ€cht und die Preisdaten vom Mai den Beginn eines erneuten Disinflationstrends darstellen, wie wir erwarten, dann sind zwei Zinssenkungen in diesem Jahr immer noch das wahrscheinlichste Ergebnis."
Ian Shepherdson, Chefvolkswirt, Pantheon Macroeconomics
"Wir sind der Meinung, dass die Fed schon bald von dem neuen Dot Plot abrĂŒcken muss, da sich der Arbeitsmarkt im Laufe des Sommers wahrscheinlich deutlich abschwĂ€chen wird, wĂ€hrend der Kern-PCE wahrscheinlich besser ausfallen wird als von den EntscheidungstrĂ€gern erwartet. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die erste Lockerung im September erfolgen wird. Unsere Arbeitsmarkt- und Inflationsprognosen deuten darauf hin, dass die Fed dann versuchen wird, den RĂŒckstand aufzuholen, nachdem sie zu spĂ€t mit der Lockerung begonnen hat. Wir erwarten sowohl im November als auch im Dezember eine Lockerung um 50 Basispunkte."
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