Sorge, Rafah-Offensive

Sorge zu Rafah-Offensive: USA bitten Delegation aus Israel zu GesprÀch

18.03.2024 - 21:06:16

Die US-Regierung will in den kommenden Tagen in Person mit einer hochrangigen Delegation aus Israel ĂŒber Bedenken wegen der geplanten Bodenoffensive in der Stadt Rafah im Gazastreifen sprechen.

Der Nationale Sicherheitsberater von US-PrĂ€sident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte am Montag im Weißen Haus, Biden habe Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu in einem Telefonat aufgefordert, in den nĂ€chsten Tagen ein Team aus Vertretern von MilitĂ€r, Geheimdiensten und Spezialisten fĂŒr humanitĂ€re Hilfe nach Washington zu entsenden. Es gehe darum, die Vorbehalte der US-Regierung im Detail darzulegen und mögliche Alternativen zu erörtern. Netanjahu habe zugestimmt, ein solches Team zu schicken.

"Wir gehen davon aus, dass sie mit der großen MilitĂ€roperation in Rafah nicht vorangehen werden, bis wir dieses GesprĂ€ch gefĂŒhrt haben", sagte Sullivan mit Blick auf die Israelis. Ein Treffen sei fĂŒr Ende dieser Woche oder Anfang kommender Woche angepeilt. Einen konkreten Termin gebe es noch nicht. Mehr als eine Million Menschen hĂ€tten Zuflucht in Rafah gesucht, und Israel habe weder den USA noch der Welt einen Plan prĂ€sentiert, wie diese Schutzsuchenden in Sicherheit gebracht und versorgt werden könnten.

Die US-Regierung kritisiert seit lĂ€ngerem die PlĂ€ne der israelischen FĂŒhrung, in Rafah eine Bodenoffensive zu starten. Biden hatte solche PlĂ€ne zuletzt in einem Fernsehinterview gar als "rote Linie" bezeichnet, ohne aber konkreter zu werden. Sullivan wiederholte die Kritik und sagte, es gebe andere Wege, die islamistische Hamas zu bekĂ€mpfen. "Wir sind der Meinung, dass die Hamas weder in Rafah noch anderswo einen sicheren Zufluchtsort haben sollte, aber eine grĂ¶ĂŸere Bodenoperation dort wĂ€re ein Fehler", mahnte er. "Sie wĂŒrde zu weiteren unschuldigen zivilen Todesopfern fĂŒhren, die ohnehin schon dĂŒstere humanitĂ€re Krise verschlimmern, die Anarchie in Gaza verschĂ€rfen und Israel international weiter isolieren", sagte Sullivan.

Biden und Netanjahu hatten am Montag erstmals nach einer lĂ€ngeren GesprĂ€chspause wieder miteinander telefoniert. Angesichts der schlimmen humanitĂ€ren Lage und der vielen zivilen Opfer im Gazastreifen hat sich der Ton Washingtons gegenĂŒber der israelischen FĂŒhrung in den vergangenen Wochen deutlich verschĂ€rft.

Berichte, wonach der Ton zwischen Biden und Netanjahu angespannt gewesen sei und das Telefonat abrupt geendet habe, wies Sullivan zurĂŒck. Das GesprĂ€ch sei "geschĂ€ftsmĂ€ĂŸig" gewesen. Beide hĂ€tten ihre jeweiligen Punkte vorgetragen, und das Telefonat sei keineswegs abrupt beendet worden.

@ dpa.de