ROUNDUP, USA

USA fordern AufklĂ€rung nach Angriff auf Schule - Nacht im Überblick

07.06.2024 - 06:00:06 | dpa.de

Die USA fordern mit Blick auf den tödlichen Luftangriff der israelischen StreitkrÀfte auf ein SchulgebÀude im Gazastreifen vollstÀndige AufklÀrung.

Selbst wenn Israels Armee versuche, 20 bis 30 Extremisten zu töten, dabei aber Kinder ums Leben kĂ€men, dann "zeigt das, dass etwas falsch lĂ€uft", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, am Donnerstag (Ortszeit). "Das sind alles Sachverhalte, die noch ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssen, und das ist es, was wir sehen wollen." Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte eine unabhĂ€ngige Untersuchung zu dem Angriff. Derweil ist weiterhin unklar, was aus einem von US-PrĂ€sident Joe Biden öffentlich gemachten Plan zur Beendigung der KĂ€mpfe im Gazastreifen werden soll. "Wir haben noch keine offizielle Antwort der Hamas erhalten", sagte Miller.

Bei dem israelischen Luftangriff in der Nacht auf Donnerstag wurden palÀstinensischen Behördenangaben zufolge mindestens 30 Menschen getötet, die islamistische Hamas sprach von 40 Toten. Zudem sollen mehr als 50 Menschen verletzt worden sein. Aus medizinischen Kreisen verlautete, die meisten Opfer seien Frauen, Kinder und Jugendliche.

Das SchulgebĂ€ude im FlĂŒchtlingsviertel Nuseirat diente nach Angaben des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks (UNRWA) als Notunterkunft. Laut der israelischen Armee sollen sich wĂ€hrend des Angriffs 20 bis 30 Mitglieder der Hamas und des PalĂ€stinensischen islamischen Dschihads in drei KlassenrĂ€umen aufgehalten haben, die von dort Angriffe geplant und ausgefĂŒhrt hĂ€tten. Ersten Erkenntnissen zufolge seien viele von ihnen getötet worden. Nachrichtendienstliche Informationen hĂ€tten zuvor darauf hingedeutet, dass in den betroffenen RĂ€umen "keine Frauen oder Kinder" seien, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari. Die Schule sei in den vergangenen Tagen beobachtet und der Angriff zweimal verschoben worden, um zivile Opfer zu vermeiden, erklĂ€rte ein anderer Armeesprecher.

Wie so hĂ€ufig im laufenden Krieg ließen sich auch diesmal weder die Angaben der palĂ€stinensischen Seite noch die der Israelis unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

US-Ministeriumssprecher: Lage ist kompliziert

Miller sprach von einer schwierigen Situation. Israel habe das Recht, gegen Extremisten vorzugehen, wenn sie sich tatsĂ€chlich in der Schule versteckt hielten. Diese hĂ€tten sich jedoch in der NĂ€he von Zivilisten verschanzt - und Israel habe die Verpflichtung, Zivilisten so gut wie möglich zu schĂŒtzen. Israels Regierung und die StreitkrĂ€fte mĂŒssten "vollstĂ€ndig transparent sein, was dort passiert ist".

Seit Kriegsbeginn dienen SchulgebĂ€ude des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks hĂ€ufig als Zufluchtsort fĂŒr BinnenflĂŒchtlinge - auch in der Hoffnung, dass Israels Armee die UN-GebĂ€ude in der Regel nicht gezielt angreift. Israel wiederum wirft der Hamas vor, aus zivilen Einrichtungen heraus zu operieren und Zivilisten damit in Gefahr zu bringen oder bewusst als Schutzschild zu missbrauchen.

Hagari kĂŒndigte an, die IdentitĂ€t der getöteten Terroristen werde bald offengelegt. Einige von ihnen seien am Massaker vom 7. Oktober vergangenen Jahres beteiligt gewesen - dem schlimmsten in der Geschichte des Staates Israel. Damals drangen KĂ€mpfer der Hamas und anderer extremistischer Gruppen aus dem Gazastreifen nach Israel ein, töteten mehr als 1200 Menschen und verschleppten ĂŒber 250 Geiseln in das von der Hamas beherrschte KĂŒstengebiet.

Deutschland und VerbĂŒndete: Hamas soll Biden-Plan annehmen

Die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien riefen die Hamas dazu auf, den kĂŒrzlich von US-PrĂ€sident Biden vorgestellten Plan zur Beendigung des Gaza-Kriegs vollstĂ€ndig anzunehmen und sofort umzusetzen. Man unterstĂŒtze den umfĂ€nglichen Plan voll, heißt es in einem gemeinsamen, am Donnerstagabend vom ÉlysĂ©epalast veröffentlichten Schreiben.

Der Plan sieht die Beendigung des Krieges in drei Phasen vor. So soll eine vollstĂ€ndige und uneingeschrĂ€nkte Waffenruhe ĂŒber sechs Wochen in einer zweiten Phase in einen dauerhaften Waffenstillstand mĂŒnden. Die Bedingungen dafĂŒr sollen dem Entwurf zufolge wĂ€hrend der Feuerpause ausgehandelt werden. Die Hamas will einem Abkommen nach eigenen Angaben jedoch nur dann zuzustimmen, wenn darin ein sofortiger und dauerhafter Waffenstillstand vereinbart wĂŒrde.

Hamas-AnfĂŒhrer lehnt Feuerpause mit Entwaffnung ab

Einem US-Medienbericht zufolge lehnt Hamas-AnfĂŒhrer Jihia al-Sinwar außerdem ein Abkommen mit Israel ab, das zugleich eine Entwaffnung seiner Terrormiliz vorsehen wĂŒrde. Die Hamas werde weder ihre Waffen abgeben, "noch wird sie ein Abkommen unterzeichnen, das dies verlangt", soll Al-Sinwar, der sich angeblich an einem unbekannten Ort im Gazastreifen aufhĂ€lt, den UnterhĂ€ndlern seiner Organisation aufgetragen haben. Das "Wall Street Journal" berief sich in seinem Bericht dazu auf arabische Vermittler, die in Kontakt mit den Hamas-Verhandlern stĂŒnden.

Der staatsnahe Ă€gyptische Fernsehsender Al-Kahira News hatte zuvor unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise berichtet, die Hamas wolle in den kommenden Tagen auf den Entwurf antworten. Ägypten, Katar und die USA vermitteln zwischen Israel und der Hamas, die aus Prinzip keine direkten Verhandlungen miteinander fĂŒhren.

Armee: Bewaffnete in Gaza getötet - wollten nach Israel eindringen

Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge drei bewaffnete VerdĂ€chtige getötet, die versucht haben sollen, vom Gazastreifen aus nach Israel vorzudringen. Israelische Soldaten im SĂŒdosten des KĂŒstengebiets hĂ€tten in der Nacht verdĂ€chtige Bewegungen registriert, woraufhin Bodentruppen in die NĂ€he des GrenzĂŒbergangs Kerem Schalom geschickt worden und dort unter Beschuss geraten seien. Sie hĂ€tten auf den Angriff reagiert. Alle drei VerdĂ€chtigen seien vom MilitĂ€r getötet worden. Auch ein Soldat sei im Gefecht gefallen.

Laut Armeeangaben wird nun untersucht, wie die Gruppe ĂŒberhaupt so nah an die streng gesicherte Grenze gelangen konnte. Die VerdĂ€chtigen seien nur 300 Meter von der Grenze entfernt aufgegriffen worden, sagte ein MilitĂ€rsprecher. Ihnen sei es aber nicht gelungen, den Grenzzaun nach Israel zu ĂŒberqueren.

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