ROUNDUP, USA

USA nÀhern sich Russland auch bei UN an

22.02.2025 - 07:35:18

Die USA nÀhern sich vor dem dritten Jahrestag des russischen Einmarschs in die Ukraine auch bei den Vereinten Nationen immer stÀrker Positionen Moskaus an.

So beabsichtigt die US-Regierung nach Angaben von Diplomaten einen Resolutionsentwurf in die UN-Vollversammlung einzubringen, der Russland nicht explizit als Aggressor nennt - und als Gegenentwurf zu einem von der EU und der Ukraine entworfenen Text gilt. Das Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, fordert zudem keinen RĂŒckzug russischer Truppen von ukrainischem Staatsgebiet.

Mit Blick auf einen Rohstoffdeal scheinen sich die USA und die Ukraine indes nĂ€herzukommen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj erklĂ€rte am Freitagabend, dass Teams beider LĂ€nder an einem Entwurf arbeiteten. US-PrĂ€sident Donald Trump knĂŒpft Hilfen fĂŒr die Ukraine an Zugang zu deren Vorrat an seltenen Erden.

Die Ausbeutung der Vorkommen gilt als wirtschaftlich lukrativ und strategisch bedeutsam. Einen ersten Vertragsentwurf aus Washington hatte Selenskyj aber abgelehnt. Berichten zufolge forderten die USA 50 Prozent der mit diesen Rohstoffen erzielten EinkĂŒnfte und wollten sich damit die bisher geleistete MilitĂ€rhilfe quasi im Nachhinein bezahlen lassen.

Gegenentwurf dĂŒrfte weitere Eskalation darstellen

Der UN-Resolutionsentwurf der USA mahnt "ein rasches Ende des Konflikts" in der Ukraine an und bedauert den Verlust von Menschenleben in dem Krieg - der um ein Vielfaches mehr ukrainische als russische Zivilisten das Leben gekostet hat. Der Entwurf der Ukraine und der Vertretung der EU zur UnterstĂŒtzung Kiews sollte eigentlich am Montag vor dem grĂ¶ĂŸten UN-Gremium zur Abstimmung gestellt werden. Von den Vereinigten Staaten war dazu noch am Freitag eine ErklĂ€rung erwartet worden - die sich aber zunĂ€chst verzögerte.

Westliche Diplomatinnen und Diplomaten hatten bereits gefĂŒrchtet, dass die USA den ursprĂŒnglichen Resolutionsentwurf nicht unterstĂŒtzen wĂŒrden, was Trumps verbale Abkehr von Kiew diplomatisch formalisiert hĂ€tte. Ein Gegenentwurf dĂŒrfte eine weitergehende Eskalation darstellen. Diplomatenkreise sehen den Schritt auch als Ausdruck einer grundsĂ€tzlichen Hinwendung Trump zu Kremlchef Wladimir Putin, die in der Ukraine und westlichen Demokratien befĂŒrchtet wird.

Das ĂŒberraschende Vorgehen der US-Regierung wertete Russlands UN-Vertreter Wassilij Nebensja als "guten Schritt". Westliche Diplomatinnen und Diplomaten hingegen Ă€ußerten sich hinter vorgehaltener Hand tief besorgt. Noch am Abend sollten die Botschafterinnen und Botschafter der EU-Mitgliedstaaten nach dpa-Informationen am East River zu einer Notfallsitzung zusammenkommen.

Der rhetorischen Wende folgt die diplomatische

US-PrĂ€sident Trump hatte seine Rhetorik gegenĂŒber der Ukraine zuletzt deutlich verschĂ€rft und sich dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin angenĂ€hert. Dabei bezeichnete er Selenskyj als "Diktator", weil es seit geraumer Zeit in der Ukraine keine Wahlen mehr gegeben habe - obwohl das in Kriegszeiten auch in anderen LĂ€ndern gĂ€ngige Praxis ist. Zudem sagte der Republikaner, dass er die Kriegsschuld bei Kiew sehe, und initiierte GesprĂ€che zum Kriegsende mit Russland in Abwesenheit der Ukraine.

In einem Interview des Senders Fox News erkannte Trump am Freitag allerdings faktisch an, dass Russland der Aggressor in dem Konflikt gegen die Ukraine ist. "Sie wurden von jemandem angegriffen, der viel grĂ¶ĂŸer und viel stĂ€rker ist, was etwas Schlimmes ist und was man nicht tut", sagte er. Es habe fĂŒr Russland eigentlich gar keinen Grund gegeben, die Ukraine anzugreifen.

In den vergangenen Jahren waren die USA unter Trumps AmtsvorgĂ€nger Joe Biden der wichtigste UnterstĂŒtzer und Waffenlieferant der Ukraine, hatten bei den Vereinten Nationen fĂŒr SolidaritĂ€t mit dem Land geworben und auch Druck ausgeĂŒbt, um Russland so weit wie möglich zu isolieren. Dies gelang mit historischen Abstimmungen, bei denen eine eindrucksvolle Zahl an LĂ€ndern Russlands Vorgehen verurteilte und damit ein klares weltweites Stimmungsbild zeichnete.

Selenskyj: Europa muss und kann viel mehr tun

Derweil erklĂ€rte Selenskyj, er habe sich mit fĂŒhrenden europĂ€ischen Politikern ĂŒber Wege zu einem Frieden abgestimmt. "Die wichtigste Schlussfolgerung ist, dass Europa viel mehr tun muss und kann, um sicherzustellen, dass der Frieden tatsĂ€chlich erreicht wird", sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. "Wir haben klare VorschlĂ€ge mit unseren Partnern in Europa, und wir können auf dieser Grundlage die Umsetzung der europĂ€ischen Strategie sicherstellen, und es ist wichtig, dass dies gemeinsam mit Amerika geschieht."

Zu den GesprĂ€chspartnern Selenskyjs gehörten neben Bundeskanzler Olaf Scholz unter anderem die Staats- und Regierungschefs von Schweden, Polen, Irland und Kroatien. Mit Blick auf das von den USA angestrebte Abkommen ĂŒber ukrainische Rohstoffe erklĂ€rte Selenskyj: "Es handelt sich um ein Abkommen, das unsere Beziehungen bereichern kann, und das Wichtigste ist, dass wir die Details ausarbeiten, damit es funktionieren kann."

Die Ukraine hatte in der zurĂŒckliegenden Woche einen aus US-Sicht bereits fertig ausgehandelten Deal zum Zugriff der USA auf in der Ukraine lagernde seltene Erden und andere Mineralien platzen lassen. US-Finanzminister Scott Bessent musste unverrichteter Dinge wieder zurĂŒckreisen. Anschließend begann Trump, in aller Öffentlichkeit ĂŒber Selenskyj zu schimpfen.

Trump legt gegen Selenskyj nach

Am Freitag legte Trump in einem Interview seines Haussenders Fox News nach und bezeichnete Selenskyj als schlechten VerhandlungsfĂŒhrer: "Ich habe ihn mit leeren HĂ€nden verhandeln sehen. Er hat keine Karten, und man hat es satt", sagte er. "Man hat es einfach satt, und mir reicht es." Selenskyj habe drei Jahre lang an Meetings teilgenommen, aber er habe nichts hinbekommen. "Er macht es sehr schwer, einen Deal zu erreichen, und sehen Sie, was mit seinem Land passiert ist."

Der US-PrÀsident behauptete in dem Interview, es wÀre leicht möglich gewesen, Putin vom Angriff auf die Ukraine abzuhalten. "Man hÀtte ihm das sehr leicht ausreden können", sagte Trump. Sein AmtsvorgÀnger Biden habe die falschen Worte gewÀhlt, Selenskyj habe die falschen Worte gewÀhlt. Und die europÀischen Staaten hÀtten ebenfalls drei Jahre lang nichts getan.

@ dpa.de

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