Nahles, Vorstandsvorsitzende

Nahles hÀlt nichts von 1.000-Euro-JobprÀmie

10.10.2024 - 06:14:55

Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur fĂŒr Arbeit, Andrea Nahles, kritisiert den Plan der Bundesregierung, Langzeitarbeitslosen im Fall einer erfolgreichen Arbeitsaufnahme eine "AnschubprĂ€mie" von 1.000 Euro zu zahlen.

"Diese PrĂ€mie brauchen wir nicht, um unseren Job zu machen. Was wir brauchen, ist, dass uns die Politik in Ruhe arbeiten lĂ€sst", sagte die frĂŒhere SPD-Vorsitzende der "Wirtschaftswoche". Auch in der SPD gibt es erhebliche Vorbehalte gegen das Vorhaben.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck verteidigte das Vorhaben. "Die vielen, die sagen: "Das bringt's" - das sind die Wirtschafts- und Arbeitswissenschaftler, und zwar auch die konservativen", sagte der GrĂŒnen-Politiker am Mittwochabend in der Sendung "RTL Direkt". "Alle sagen, wir könnten damit die Arbeitslosigkeit um ungefĂ€hr 100.000 Menschen reduzieren." Das Konzept werde wirken, sei pragmatisch und praktisch.

Das Kabinett hatte vergangene Woche VerschĂ€rfungen der Regeln fĂŒr BĂŒrgergeld-EmpfĂ€ngerinnen und -EmpfĂ€nger beschlossen. Bei Ablehnung einer Arbeit mĂŒssen sie bald mit höheren Strafen rechnen. Zugleich sollen Langzeitarbeitslose, die mehr als zwölf Monate in einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit beschĂ€ftigt sind, einmalig 1.000 Euro erhalten können. Die Regelung soll zum 1. Januar 2025 in Kraft treten.

In den Reihen der Ampel-Koalition gibt es seit lĂ€ngerem Kritik an dem Vorhaben. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ă€ußerte sich am Dienstagabend skeptisch zur Wirksamkeit der PlĂ€ne. Die geplante PrĂ€mie nĂŒtze "vielleicht nicht", sagte er in der Sendung RTL Direkt". "Aber schaden tut es auch nicht weiter."

BA-Chefin fordert gemeinsame industriepolitische Strategie

Nahles warnt vor einer Zuspitzung der Lage auf dem Arbeitsmarkt. "Wir erleben momentan, dass einerseits die BeschÀftigung wÀchst und andererseits die Zahl der Jobsuchenden steigt. Es gibt immer noch Branchen, die wachsen. Aber wir haben in einigen Sektoren auch Rezession. Da geht strukturell eine Schere auf", sagte sie. In der Gesamtwirtschaft seien in den vergangenen zehn Jahren 15 Prozent mehr Jobs entstanden, im verarbeitenden Gewerbe aber nur knapp zwei Prozent. "Da verschiebt sich etwas."

Nahles rief die Ampel-Koalition zum Handeln auf. Gerade die verarbeitende Industrie sei zentral fĂŒr Deutschlands Exportmodell und fĂŒr Innovationen. "Insoweit wĂ€re es sehr gut, wenn die Bundesregierung bald eine gemeinsame industriepolitische Strategie fĂ€nde. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht will ich sagen: Wenn es dringenden Handlungsbedarf gibt, dann dort."

WĂ€hrend in der Pflege- und Krankenversicherung 2025 höhere BeitrĂ€ge drohen, will die Bundesagentur den Satz der Arbeitslosenversicherung laut Nahles stabil halten. "Eine Beitragserhöhung ist Stand heute nicht nötig. Steigende BeitrĂ€ge wĂŒrden in einer wirtschaftlichen Krise prozyklisch wirken. Das wollen wir vermeiden", sagte die BA-Chefin.

@ dpa.de