International, Versicherungen

Naturkatastrophen kosten Munich Re bislang 110 Milliarden

27.07.2023 - 16:24:21

Die Welt scheint in jeder Hinsicht unruhig geworden. Neben Krieg und Krisen richtet die Natur steigende SchÀden an. 110 Miliarden Dollar sind deutlich mehr als der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

  • Ein Tornado hat in Perryton im US-Bundesstaat Texas im Juni schwere SchĂ€den verursacht. - Foto: David Erickson/AP/dpa

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  • Der Hurrikan hat schwere SchĂ€den in Fort Myers (Florida). - Foto: Joe Cavaretta/Sun Sentinel via ZUMA Press Wire/dpa

    Joe Cavaretta/Sun Sentinel via ZUMA Press Wire/dpa

Ein Tornado hat in Perryton im US-Bundesstaat Texas im Juni schwere SchÀden verursacht. - Foto: David Erickson/AP/dpaDer Hurrikan hat schwere SchÀden in Fort Myers (Florida). - Foto: Joe Cavaretta/Sun Sentinel via ZUMA Press Wire/dpa

Naturkatastrophen haben nach Berechnungen der Munich Re im ersten Halbjahr weltweite SchĂ€den von 110 Milliarden Dollar (99,26 Mrd Euro) verursacht. Das war nach einer Mitteilung des RĂŒckversicherers etwas weniger als in der ersten HĂ€lfte 2022, aber deutlich ĂŒber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 98 Milliarden Dollar.

Die bisher schwerste Naturkatastrophe

Den Großteil dieser SchĂ€den mĂŒssen die getroffenen Menschen und Unternehmen selbst bezahlen, da laut Munich Re nur 43 Milliarden Dollar dieser SchĂ€den versichert waren. Schwerste Naturkatastrophe des Jahres war bislang das Erdbeben im tĂŒrkisch-syrischen Grenzgebiet, das im Februar geschĂ€tzt 58.000 Menschenleben forderte und 40 Milliarden Dollar Schaden verursachte.

Das verheerende Beben ist auch der Hauptgrund, dass die Zahl der von Naturkatastrophen verursachten Todesopfer im ersten Halbjahr auf 62.000 stieg, laut Munich Re so viele wie seit 2010 nicht.

Forderung nach Anpassung an Klimawandel

An zweiter Stelle stehen mit in Summe 35 Milliarden Dollar sehr hohe SchĂ€den aus Schwergewittern und Tornados in den USA. Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten die weltweiten Naturkatastrophen, da dies eine wichtige Grundlage fĂŒr die Berechnung der VersicherungsprĂ€mien ist.

Erdbeben stehen nicht mit Wetter und Klima im Zusammenhang, StĂŒrme jedoch sehr wohl. Die Munich Re wie auch der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) forderten eine bessere Vorbeugung gegen die Folgen: «Wir mĂŒssen uns auch deutlich besser an die Folgen der ErderwĂ€rmung in Form von hĂ€ufigeren oder schwereren Wetterkatastrophen anpassen», sagte Thomas Blunck, Vorstandsmitglied des MĂŒnchner Konzerns.

Klimawandel begĂŒnstigt Extremwetter

Die Munich Re verwies auf wissenschaftliche Analysen, wonach der Klimawandel die Entstehung schwerer Gewitter mit Tornados oder Hagel begĂŒnstigt. Der Grund: Die ErwĂ€rmung fĂŒhrt demnach zu höherer Verdunstung und vor allem in BodennĂ€he zu höherer Luftfeuchtigkeit.

Das Unternehmen registriert dementsprechend steigende GewitterschĂ€den in Nordamerika und Europa, nicht linear von Jahr zu Jahr, aber im lĂ€ngerfristigen Trend ĂŒber die Jahrzehnte hinweg. «Der globale Trend zu höheren Wasser- und Lufttemperaturen wird ĂŒberwiegend durch den Klimawandel bestimmt, mit zunehmenden Wetterkatastrophen und finanziellen Belastungen daraus als Folge», sagte Chef-Geowissenschaftler Ernst Rauch.

Starkregenbilanz in Deutschland

Deutschland ist nicht ausgenommen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte eine Starkregenbilanz der vergangenen zwei Jahrzehnte. Sintflutartige NiederschlÀge haben demnach von 2002 bis 2021 bundesweit SchÀden in Höhe von 12,6 Milliarden Euro verursacht.

Am hĂ€ufigsten traf es im LĂ€ndervergleich Berlin, wo die Hausbesitzer im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre fĂŒr gut jedes siebte Haus - 148 von 1000 WohngebĂ€uden - einen Schaden durch Starkregen meldeten. Was die Kosten betrifft, liegt laut GDV unter den BundeslĂ€ndern Rheinland-Pfalz mit im Schnitt 11.000 Euro an der Spitze - eine Folge der immensen SchĂ€den der Flutkatastrophe des Jahres 2021.

«Wir gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit fĂŒr ein extremes Ereignis, wie es 2021 den Westen Deutschlands getroffen hat, in Folge des Klimawandels bis zu neunmal höher ist», zitierte der Versicherungsverband die Meteorologin Katharina Lengfeld. Gegen ElementarschĂ€den versichert ist laut GDV nur gut die HĂ€lfte der Hausbesitzer.

Versicherungsbranche vor Herausforderungen

Die Zwanzig-Jahres-Bilanz des GDV birgt ZĂŒndstoff. Denn angesichts der Zunahme extremer Wetterlagen stellte der Verband die Frage, ob die Versicherer langfristig alle Naturgefahren noch versichern können. «Wir mĂŒssen in Deutschland PrĂ€vention und Klimafolgenanpassung konsequent umsetzen», forderte GDV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jörg Asmussen.

«Ansonsten könnten sich nach unseren SchĂ€tzungen allein infolge der KlimaschĂ€den innerhalb der nĂ€chsten zehn Jahre die PrĂ€mien fĂŒr WohngebĂ€udeversicherungen verdoppeln.» Von der Politik verlangte Asmussen unter anderem einen Baustopp in Überschwemmungsgebieten und eine Verringerung der FlĂ€chenversiegelung.

@ dpa.de