WTO: Erhoffte Vorteile durch Zölle unwahrscheinlich
12.04.2025 - 13:49:14Die Welthandelsorganisation (WTO) hat sich mit Zöllen und den von manchen Regierungen erwarteten positiven Effekten fĂŒr die heimische Wirtschaft beschĂ€ftigt und kommt zu dem Schluss: Es funktioniert kaum. Das geht aus einem WTO-Blogbeitrag von Chefökonom Ralph Ossa hervor. Ossa nennt die USA, die mit saftigen Zöllen die heimische Produktion anheizen wollen, nicht beim Namen.Â
«Im Grunde sind Zölle ganz einfach: Sie erhöhen den inlĂ€ndischen Preis fĂŒr importierte Waren», schreibt Ossa. Das habe Folgen fĂŒr Preise, Löhne, Wechselkurse und Handelsströme.Â
Zölle könnten zwar heimische Industriezweige begĂŒnstigen, die mit den importierten Waren konkurrieren. Dies ziehe aber ArbeitskrĂ€fte und Kapital vom exportierenden Sektor ab. Der Ausbau der heimischen Industriezweige treibe zudem Löhne nach oben. Das erhöhe die Kosten fĂŒr exportierende Firmen, die dann auf internationalen MĂ€rkten weniger konkurrenzfĂ€hig seien.Â
Ossa: Kaum Einfluss auf Handelsungleichgewichte
Ossa beschreibt auch einen WĂ€hrungseffekt: Zölle reduzierten die heimische Nachfrage nach dem mit Zoll belegten Produkt. Das mindere den Bedarf an FremdwĂ€hrung und fĂŒhre zu einer Aufwertung der heimischen WĂ€hrung.Â
Zölle könnten zwar den Handel in einzelnen Sektoren oder bilateral verĂ€ndern, insgesamt hĂ€tten sie aber nach empirischen Studien kaum Einfluss auf die aggregierten Handelsungleichgewichte, schreibt Ossa.Â
Sein Fazit: «Zölle sind nicht nur ein Instrument zur Erhöhung der Einnahmen oder zum Schutz der heimischen Industrie - sie sind ein politischer Hebel mit weitreichenden und oft unbeabsichtigten Folgen. Ihre kurzfristige AttraktivitÀt kann die lÀngerfristigen Kosten in Bezug auf Inflation, WettbewerbsfÀhigkeit und internationale Zusammenarbeit verschleiern.»


