Robuste Rebsorten legen auf niedrigem Niveau zu
12.04.2026 - 03:30:06 | dpa.deDie Winzer und Winzerinnen in Deutschland setzen mehr auf neue robuste Rebsorten. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) hat der Anbau pilzwiderstandsfĂ€higer Reben (Piwi) 2025 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf rund 4.000 Hektar zugelegt. «Die neuen Piwi-Sorten sind damit entgegen der allgemein rĂŒcklĂ€ufigen Anbauentwicklung in der FlĂ€che gewachsen», sagte DWI-Sprecher Ernst BĂŒscher im rheinhessischen Bodenheim.Â
Allerdings noch auf niedrigem Niveau. «Sie haben mittlerweile einen Anteil von 4 Prozent am deutschen Weinbau», sagte BĂŒscher. 2024 waren es noch 3,5 Prozent.Â
Souvignier Gris ist wichtigste weiĂe Piwi-Sorte
Die neue weiĂe Sorte Souvignier Gris habe 2025 im zweiten Jahr in Folge den höchsten FlĂ€chenzuwachs von allen Rebsorten in Deutschland verzeichnet, sagte BĂŒscher. Sie sei auf 170 Hektar zusĂ€tzlich angepflanzt worden. «Mit nunmehr 766 Hektar ist Souvignier Gris Deutschlands wichtigste weiĂe Piwi-Sorte, gefolgt von Cabernet Blanc» (plus 21 auf 356 Hektar). Auf Platz drei der Sorten dieses neuen Typs rangierte mit rund 250 Hektar die ZĂŒchtung Sauvignac (plus 45 Hektar).
40 verschiedene Piwi-Sorten
Insgesamt seien im vergangenen Jahr 40 verschiedene Piwi-Sorten angepflanzt worden. Viele von ihnen seien jedoch noch im Versuchsstadium. «Die neuesten Generationen dieser robusten Sorten besitzen eine noch stĂ€rkere Widerstandskraft gegen pilzliche Krankheitserreger», erlĂ€uterte BĂŒscher.Â
Wie zeitaufwendig die ZĂŒchtung einer neuen Rebsorte ist, zeigt das Beispiel Souvignier Gris. Sie wurde BĂŒscher zufolge 1983 im Staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg gezĂŒchtet und erhielt 30 Jahre spĂ€ter - 2013 - die Zulassung fĂŒr den QualitĂ€tsweinanbau in Deutschland.Â
Geschmack ist besser geworden - auch rote Piwis
Die Weine der neuen weiĂen Rebsorten hĂ€tten sich auch geschmacklich weiterentwickelt und seien von konventionellen Weinen nicht mehr zu unterscheiden, sagte BĂŒscher. «Es gibt nun auch neue robuste rote Rebsorten aus deutschen Kellern, die kraftvolle, samtige Rotweine hervorbringen, wie es sonst nur die sĂŒdeuropĂ€ischen Sorten können.»
Als Beispiele nennt BĂŒscher die ZĂŒchtung Cabernet Cortis, von der in Deutschland 88 Hektar kultiviert wurden (plus 8 Hektar innerhalb eines Jahres) und die Sorte Satin Noir. Sie wird auf rund 60 Hektar angepflanzt (plus 10 Hektar).Â
Um die Verbraucher nicht mit zu vielen unbekannten Namen zu ĂŒberfordern, verzichteten viele Betriebe auf die Sortenangabe auf dem Etikett oder brĂ€chten die Weine als CuvĂ©e auf den Markt, sagte BĂŒscher.
In Norddeutschland besonders gefragt
Besonders beliebt seien die Piwi-Sorten im Norden Deutschlands. Dort gebe es seit der Zulassung von Neuanpflanzungen 2016 mittlerweile mehr als 200 Hektar Weinberge auĂerhalb der 13 traditionellen Weinanbaugebiete.
Ein groĂer Teil des Pflanzguts werde mittlerweile auch exportiert, etwa nach Frankreich. Genaue Zahlen dazu seien aber nicht bekannt.Â
Zuwachse nur bei wenigen konventionellen SortenÂ
Unter den herkömmlichen WeiĂweinsorten hĂ€tten 2025 in der AnbauflĂ€che in nennenswertem Umfang nur der Chardonnay (um 102 auf 3.152 Hektar) und der Sauvignon Blanc zugelegt (um 40 auf 2.094 Hektar). Bei den roten Rebsorten stieg demnach der Merlot-Anbau gegen den Trend - um 18 auf 981 Hektar.
Ein Prozent weniger Weinberge in Deutschland
Die gesamte RebflĂ€che in Deutschland sei 2025 um ein Prozent auf rund 102.000 Hektar zurĂŒckgegangen, zitierte BĂŒscher aus der Statistik. Diese AnbauflĂ€che entspreche dem Niveau des Jahres 2007. Spitzenjahr war 1994 mit 106.000 Hektar RebflĂ€che.
WeiĂwein- und RotweinrebflĂ€che geschrumpft
Rote Sorten waren mit einem Minus von 791 Hektar etwas stĂ€rker vom RĂŒckgang der FlĂ€che betroffen als WeiĂweine (minus 539 Hektar). Sie machten rund 70 Prozent des Weinbaus in Deutschland aus und wĂŒrden auch mehr getrunken.Â
Saale-Unstrut mit leichtem FlÀchenzuwachs
Innerhalb der 13 Anbaugebiete nahm die RebflĂ€che in WĂŒrttemberg (minus 485 Hektar) und in Baden (minus 312 Hektar) am stĂ€rksten ab, wie BĂŒscher sagte. GröĂere FlĂ€chenrĂŒckgĂ€nge verzeichneten zudem die Mosel (minus 158 Hektar) und die Pfalz (minus 147 Hektar). Die Winzerinnen und Winzer an Saale-Unstrut bewirtschafteten dagegen mit 868 Hektar 10 Hektar Weinberge mehr als im Vorjahr.
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