Studie: US-Firmen meiden Deutschland bei Investitionen
15.05.2025 - 04:00:47Das Engagement von US-Unternehmen in Deutschland geht einer Analyse zufolge rapide zurĂŒck. Im Jahr 2024 sank die Zahl ihrer Investitionsprojekte um 27 Prozent auf 90. «In anderen LĂ€ndern fiel das Minus bei den US-Investitionsprojekten deutlich weniger drastisch aus â unter den Top-Standorten Europas verzeichnete Deutschland den stĂ€rksten Einbruch», teilte der Chef der PrĂŒfungs- und Beratungsgesellschaft EY, Henrik Ahlers, mit. So sank die Zahl der US-Projekte in ganz Europa etwa nur um elf Prozent.
Der Standort USA sei offenbar auf Kosten der europĂ€ischen LĂ€nder gestĂ€rkt worden. Eine Besserung der Lage sei nicht zu erwarten - im Gegenteil: «Die aggressive und erratische Zollpolitik der US-Regierung hat zu einer massiven Verunsicherung bei GroĂunternehmen weltweit gefĂŒhrt, die angesichts der unklaren Rahmenbedingungen vorerst ihre InvestitionsplĂ€ne auf Eis legen.»
Zugleich gewinnen nach der Analyse andere Akteure an Bedeutung: Erstmals avancierte China zum wichtigsten Investor in Deutschland. 96 Projekte (minus drei Prozent) von Unternehmen aus der Volksrepublik hat EY im vergangenen Jahr hierzulande gezĂ€hlt â und damit mehr als aus den USA. Deutschland war der Studie zufolge das mit Abstand beliebteste Ziel in Europa fĂŒr chinesische Investoren.
Projektzahl seit 2017 fast halbiert
Insgesamt sank die Zahl auslĂ€ndischer Investitionsprojekte in Deutschland auf 608 â ein RĂŒckgang um 17 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2011. Die höchste Zahl auslĂ€ndischer Investitionen in den Standort verzeichnete EY mit 1124 Vorhaben 2017. Seitdem sei die Zahl kontinuierlich gesunken - insgesamt um 46 Prozent. Kein anderer gröĂerer europĂ€ischer Standort habe einen derartig starken RĂŒckgang verzeichnet.Â
Europaweit sank die Zahl der Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte, die auslĂ€ndische Investoren begonnen oder durchgefĂŒhrt haben, um fĂŒnf Prozent auf 5.383. Auch in Frankreich und GroĂbritannien sank die Zahl â beide LĂ€nder bleiben in der Rangliste aber deutlich vor Deutschland.Â
EY fĂŒhrt die Studie seit 2006 durch. DafĂŒr wurden demnach Investitionsprojekte berĂŒcksichtigt, die zur Schaffung neuer Standorte und neuer ArbeitsplĂ€tze fĂŒhren. Andere Investitionen wie Beteiligungen, Fusionen und UnternehmenskĂ€ufe wurden nicht erfasst. Angaben zum Investitionsvolumen macht EY nicht.
Ahlers: Deutschland verliert an Boden
Aus Ahlers Sicht hat Deutschlands in den vergangenen Jahren massiv an AttraktivitĂ€t verloren - und dafĂŒr gebe es seit Jahren zahlreiche GrĂŒnde. «WĂ€hrend andere europĂ€ische LĂ€nder ihre Hausaufgaben gemacht haben und beispielsweise die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben und an ihrer Willkommenskultur fĂŒr Unternehmen gearbeitet haben, verliert Deutschland an Boden», teilte er mit. Hohe Steuern und Arbeitskosten, teure Energie, BĂŒrokratie und nun auch die nachhaltig schwĂ€chelnden Konjunktur schreckten Investoren aus dem Ausland zunehmend ab.
Der EY-Chef sieht Reformen als zentralen Hebel, um den Standort Deutschland wieder zu stĂ€rken. Das milliardenschwere Investitionspaket der neuen schwarz-roten Bundesregierung und BĂŒrokratieabbau könnten «die aktuelle AbwĂ€rtsspirale stoppen und wieder eine Aufbruchstimmung erzeugen». Entscheidend seien aber vor allem verlĂ€ssliche Rahmenbedingungen, niedrigere Steuern und schnellere Genehmigungen.
Deutsche Firmen in Mittel- und Osteuropa aktiv
WĂ€hrend auslĂ€ndisches Kapital Deutschland zunehmend meidet, investieren deutsche Unternehmen der Studie zufolge verstĂ€rkt im europĂ€ischen Ausland â besonders in Mittel- und Osteuropa. Die Zahl deutscher Investitionsprojekte in dieser Region stieg 2024 um 22 Prozent. Insgesamt tĂ€tigten deutsche Firmen 633 Investitionsprojekte in Europa â ein Plus von zwei Prozent. Mit 942 schoben demnach nur US-Unternehmen mehr Projekte an.







