Deutschland, Konjunktur

DĂ€mpfer: Ifo-Index sinkt - Wirtschaft regional gespalten

24.09.2025 - 13:59:54

Die Wirtschaft in Deutschland schwÀchelt: Der Ifo-Index sinkt, die Konjunktur stagniert, Regionen entwickeln sich unterschiedlich, und der Arbeitsmarkt steht unter Druck. Gibt es Lichtblicke?

In Deutschland ist weiter keine Konjunkturerholung in Sicht: Eine Umfrage unter deutschen Unternehmen zur wirtschaftlichen Lage fĂ€llt ĂŒberraschend negativ aus. Die schwache Konjunktur hinterlĂ€sst auch auf dem Arbeitsmarkt Spuren. 

Im September ist das Ifo-GeschĂ€ftsklima um 1,2 Punkte auf 87,7 Punkte gesunken, wie das MĂŒnchner Forschungsinstitut mitteilte. Die rund 9.000 befragten Unternehmen haben sowohl die aktuelle Lage als auch die kĂŒnftigen GeschĂ€fte schlechter eingeschĂ€tzt. Vor allem fĂŒr Dienstleister hat sich das GeschĂ€ftsklima merklich verschlechtert. 

Analysten hatten einen Anstieg erwartet

«Die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung erleidet einen DĂ€mpfer», sagte Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest. Analysten waren von dem RĂŒckgang ĂŒberrascht. Sie hatten mit einem Anstieg des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers auf durchschnittlich 89,4 Punkte gerechnet. 

Nach Angaben des Ifo ging in der Industrie die Zahl der AuftrĂ€ge erneut zurĂŒck, und der kleine AufwĂ€rtstrend bei InvestitionsgĂŒterherstellern habe sich wieder verflĂŒchtigt. Besonders deutlich fiel die Skepsis im Bereich Transport und Logistik aus, wo sich viele Firmen mit sinkenden Margen und hohen Kosten konfrontiert sehen.

Hoffnung Bau?

Einen positiven Ausreißer habe es nur im Bauhauptgewerbe gegeben. Dort blickten die Firmen wieder etwas optimistischer auf die kommenden Monate und zeigten sich auch mit den laufenden GeschĂ€ften zufriedener.

Insgesamt aber steckt die deutsche Wirtschaft weiter fest. 2023 und 2024 war die Wirtschaftsleistung geschrumpft, auch 2025 bleibt das Bild schwach. Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenĂŒber dem Vorquartal um 0,3 Prozent.

Regionale Unterschiede

Wie ungleich sich die Lage entwickelt, zeigen neue Zahlen der Statistischen Ämter. In sieben BundeslĂ€ndern nahm die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ab – darunter mit Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-WĂŒrttemberg gleich drei Schwergewichte, die zusammen mehr als die HĂ€lfte des BIP ausmachen. Insgesamt stand damit fĂŒr Deutschland in der Summe eine rote Null.

Einige LĂ€nder konnten sich jedoch positiv abheben. Das stĂ€rkste Wachstum verzeichnete Bremen mit 2,9 Prozent. Auch Mecklenburg-Vorpommern (2,0 Prozent), Berlin (1,3 Prozent) und Hamburg (1,1 Prozent) legten spĂŒrbar zu. Niedersachsen kam auf ein Plus von 1,0 Prozent, ThĂŒringen auf 0,6 Prozent, Rheinland-Pfalz und Sachsen auf jeweils 0,1 Prozent.

Am anderen Ende der Skala stand das Saarland mit einem BIP-Minus von 1,9 Prozent, gefolgt von Brandenburg (minus 1,0) sowie Baden-WĂŒrttemberg (minus 0,8) und Bayern (minus 0,4). In Sachsen-Anhalt ging es um 0,3 Prozent nach unten, in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein um je 0,2 Prozent. Hessen stagnierte bei ungefĂ€hr null.

Arbeitsmarkt im Umbruch

Nach einer Prognose des NĂŒrnberger Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird die Zahl der ErwerbstĂ€tigen 2026 erstmals seit Jahren sinken – um etwa 20.000. Bereits 2025 falle der Zuwachs mit nur 10.000 neuen Jobs deutlich geringer aus als in der Vergangenheit. Zugleich werde die Arbeitslosigkeit zwar zunĂ€chst steigen, im Verlauf des Jahres 2026 dann aber erstmals wieder zurĂŒckgehen.

Hintergrund der scheinbar widersprĂŒchlichen Entwicklung ist der demografische Wandel: «Die Verknappung am Arbeitsmarkt zieht an, das Ausscheiden der Babyboomer kann nicht mehr kompensiert werden», erklĂ€rt Enzo Weber, der Leiter des IAB-Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen.

FĂŒr 2025 erwartet das IAB ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent, fĂŒr 2026 ein Plus von 1,1 Prozent. Die Effekte auf die BeschĂ€ftigung blieben aber begrenzt, da es schlicht weniger ArbeitskrĂ€fte gebe.

Verschiebungen zwischen den Branchen

«Die Möglichkeiten fĂŒr einen BeschĂ€ftigungsaufbau sind im Vergleich zu frĂŒheren Rekordsteigerungen stark begrenzt», sagt Weber. Zumindest bei den sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten erwartet das IAB aber einen weiteren Anstieg um jeweils 40.000 im laufenden und kommenden Jahr auf 34,98 beziehungsweise 35,02 Millionen Personen durch TeilzeitbeschĂ€ftigung.

Besonders das Produzierende Gewerbe gerate unter Druck, belastet durch die Transformation und den schwachen Außenhandel infolge der US-Zollpolitik. FĂŒr 2025 wird ein RĂŒckgang um 130.000 Stellen erwartet, 2026 ein weiteres Minus von 70.000.

Anders sieht es im öffentlichen Dienst, in Erziehung und Gesundheit aus. Dort prognostiziert das IAB fĂŒr 2025 einen krĂ€ftigen Zuwachs von 210.000 Stellen, 2026 sollen weitere 130.000 hinzukommen. GrĂŒnde seien der Ausbau der Kindertagesbetreuung und die alternde Gesellschaft. Damit zeigten sich zumindest in einzelnen Bereichen Chancen fĂŒr Wachstum – auch wenn die gesamtwirtschaftliche Stimmung weiterhin von ZurĂŒckhaltung geprĂ€gt ist.

@ dpa.de

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