Jobs, Jahres

Deutsche Industrie baut 100.000 Jobs binnen eines Jahres ab

07.06.2025 - 05:00:42

Die Wirtschaftskrise hinterlÀsst Spuren in der Industrie. Vor allem bei Autoherstellern verlieren viele Menschen ihren Job - eine Trendwende ist nicht in Sicht. Andere Branchen kommen glimpflich weg.

  • Gefragte Arzneien: In der Pharma- und Chemiebranche bleibt die BeschĂ€ftigung insgesamt stabil. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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  • Die Autobranche hat binnen eines Jahres rund 45.000 Jobs abgebaut. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

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  • Die deutsche Industrie verliert ArbeitsplĂ€tze - besonders in der Autobranche (Archivbild) - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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  • Die deutsche Industrie leidet unter hohen Kosten und Konkurrenz aus China. (Archivbild) - Foto: Marcel Kusch/dpa

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Gefragte Arzneien: In der Pharma- und Chemiebranche bleibt die BeschÀftigung insgesamt stabil. - Foto: Hendrik Schmidt/dpaDie Autobranche hat binnen eines Jahres rund 45.000 Jobs abgebaut. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmnDie deutsche Industrie verliert ArbeitsplÀtze - besonders in der Autobranche (Archivbild) - Foto: Hendrik Schmidt/dpaDie deutsche Industrie leidet unter hohen Kosten und Konkurrenz aus China. (Archivbild) - Foto: Marcel Kusch/dpa

Die anhaltende Wirtschaftskrise hat die deutsche Industrie binnen eines Jahres mehr als 100.000 ArbeitsplĂ€tze gekostet. Am hĂ€rtesten traf es die Autobranche, zeigt eine Analyse der WirtschaftsprĂŒfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Alleine dort wurden demnach netto rund 45.400 Jobs abgebaut. 

Zum Ende des ersten Quartals beschĂ€ftigte die deutsche Industrie 5,46 Millionen Menschen - 1,8 Prozent oder 101.000 weniger als ein Jahr zuvor, heißt es in der Studie, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der BeschĂ€ftigten demnach unterm Strich um 217.000, ein RĂŒckgang um 3,8 Prozent. Noch 2018 hatte es einen Rekord mit rund 5,7 Millionen Industrie-BeschĂ€ftigten gegeben.

Industrieunternehmen stĂŒnden gewaltig unter Druck, sagt Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. «Aggressive Wettbewerber etwa aus China drĂŒcken die Preise, wichtige AbsatzmĂ€rkte schwĂ€cheln, in Europa stagniert die Nachfrage auf niedrigem Niveau, hinter dem gesamten US-Markt steht ein großes Fragezeichen. Gleichzeitig kĂ€mpfen die Unternehmen mit hohen Kosten – etwa fĂŒr Energie und Personal.» 

Abbau von weiteren 70.000 Jobs erwartet

Der Umsatz der deutschen Industrie sei nach einem Einbruch 2024 zu Jahresbeginn weiter leicht gesunken. Ein Ende des Stellenabbaus sei noch nicht in Sicht, sagt Brorhilker. Er rechnet mit dem Wegfall von mindestens 70.000 weiteren Industrie-Jobs bis Jahresende. Gerade im Maschinen- und Autobau hÀtten Firmen Sparprogramme initiiert. «Wir werden vorerst noch viele schlechte Nachrichten hören, bevor es wieder aufwÀrtsgeht.» 

Alleine in der Autobranche, die mit einer Absatzflaute, Konkurrenz aus China und dem Wandel zur E-MobilitĂ€t kĂ€mpft, gingen binnen eines Jahres knapp sechs Prozent der Stellen verloren. Die BeschĂ€ftigung fiel damit auf rund 734.000 Menschen per Ende MĂ€rz. Auch in der Metallerzeugung und Textilbranche sank die BeschĂ€ftigung deutlich mit je ĂŒber vier Prozent. Kaum Jobs fielen dagegen in der Chemie- und Pharmabranche weg (-0,3 Prozent). 

Industrie-BeschÀftigung langfristig gewachsen

Die Krise der deutschen Industrie hat lĂ€ngst eine Debatte ĂŒber den Standort Deutschland entfacht - Kritiker sprechen von einer Deindustrialisierung. Im langfristigen Vergleich ist die BeschĂ€ftigung in der Industrie aber gewachsen: Ende 2024 lag sie laut Statistischem Bundesamt um 3,5 Prozent oder 185.000 Menschen höher als 2014.

EY-Manager Brorhilker meint: «Der Industriestandort Deutschland wurde schon oft totgesagt – und hat sich immer wieder dank einer sehr starken Substanz als bemerkenswert widerstandsfĂ€hig erwiesen.» Jedoch mĂŒssten sich die Bedingungen verbessern: Neben niedrigeren Kosten und weniger BĂŒrokratie sei es nötig, die Binnennachfrage zu stĂ€rken, um die Wirtschaft weniger exportabhĂ€ngig zu machen. Hier könne das Milliarden-Investitionspaket der Bundesregierung Impulse setzen. 

Autobranche fordert Reformen

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die Politik in der Pflicht. Der Handlungsdruck sei hoch, denn in den vergangenen Jahren sei die WettbewerbsfĂ€higkeit des Standorts Deutschland erodiert, sagt VDA-PrĂ€sidentin Hildegard MĂŒller. «WettbewerbsfĂ€higkeit und StandortattraktivitĂ€t mĂŒssen deshalb Leitmotiv der neuen Bundesregierung sein. Denn Fakt ist: Diese Faktoren entscheiden darĂŒber, wo und in welchem Umfang investiert wird - und somit auch darĂŒber, wo entsprechende zukĂŒnftige ArbeitsplĂ€tze entstehen.»

@ dpa.de