Katherina Reiche, Herbstprognose 2026

Katherina Reiche fordert Reformen für dauerhaften Aufschwung

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Wirtschaftsministerin sieht Deutschland nach der Stagnation wieder auf Wachstumskurs, warnt aber vor einem kurzen Aufschwung. Für dauerhaft höhere Investitionen verlangt sie Veränderungen bei Sozialstaat, Arbeitsmarkt und Energiepreisen.

Reiche mahnt Reformkurs im Sozialsystem an
Katherina Reiche am 24.09.2026 - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) fordert nach der Herbstprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute eine konsequente Fortsetzung des in der Koalition verabredeten Reformkurses. Die Ministerin sagte der „Rheinischen Post“, Deutschland komme aus der Stagnationsphase heraus, doch für einen dauerhaften Aufschwung seien weitere Reformen nötig.

Reiche sieht erste Erholungssignale

„Die gute Nachricht ist: Wir kommen aus der Stagnationsphase raus. Die Wirtschaft wächst, die Auftragsbestände nehmen zu und die Stimmung in den Unternehmen verbessert sich“, sagte Reiche. Das Wachstum beruhe vor allem auf zwei Faktoren: Der Export ziehe an, insbesondere in Europa, und die beiden großen Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung entfalteten ihre Wirkung.

Nun müsse daraus ein selbsttragender Aufschwung entstehen. Deutschland investiere seit Mitte der 1990er Jahre weniger als der OECD-Durchschnitt, erklärte die Wirtschaftsministerin.

Fokus auf Sozialstaat und Arbeitsmarkt

Reiche verlangte neben staatlichen Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Klimaschutz auch Reformen bei den sozialen Sicherungssystemen, auf dem Arbeitsmarkt und bei den Energiepreisen. Vor allem private Investitionen müssten wieder stärker in Gang kommen.

Als Ziel nannte Reiche ein Deutschland, das 2030 wieder „zur Wachstumslokomotive Europas“ werde. Sie wünsche sich eine neue Aufbruchstimmung, die Investitionen und Innovationen begünstige.

Fußballvergleich mit Klopp und Nagelsmann

Mit Blick auf den neuen Bundestrainer formulierte Reiche ihren Anspruch zugespitzt: „Wir brauchen mehr Klopp und weniger Nagelsmann“, sagte sie der „Rheinischen Post“.

Die Herbstprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute verbessert den konjunkturellen Ausblick für Deutschland deutlich: Für 2026 erwarten sie ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent, nachdem im Frühjahr noch 0,6 Prozent veranschlagt worden waren. Die Erholung stützt sich vor allem auf anziehende Exporte und eine stärkere Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe.

Gleichzeitig bleibt der Aufschwung strukturell verletzlich. Hohe Energiepreise, weiterhin bestehende Standortprobleme und die schwache Entwicklung des Arbeitsmarkts begrenzen seine Breite. Nach einer Arbeitsmarktprognose dürfte die Zahl der Erwerbstätigen 2026 um rund 210.000 und 2027 um weitere 140.000 sinken. Als zentrale Ursache gilt der demografische Wandel.

Reformen als Belastungsprobe

Reiches Forderung nach Reformen bei sozialen Sicherungssystemen, Arbeitsmarkt und Energiepreisen zielt damit auf Faktoren, die über die kurzfristige Konjunktur hinausreichen. Weniger Abgaben auf Arbeit, bessere Erwerbsanreize und schnellere Genehmigungsverfahren könnten Investitionen und Beschäftigung fördern; zugleich berühren solche Veränderungen die Finanzierung des Sozialstaats und die Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen.

Die Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung können Nachfrage und Investitionen zunächst erhöhen. Dauerhaftes Wachstum entsteht daraus jedoch nur, wenn staatliche Impulse private Investitionen ergänzen und Unternehmen verlässlich planen können. Für Haushalte bleibt entscheidend, ob Reformen Beschäftigung fördern und die Energie- sowie Abgabenbelastung senken, ohne neue Unsicherheit bei Rente, Pflege oder Krankenversicherung zu schaffen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Deutlich höheres Wirtschaftswachstum erwartet als bisher“ (24.09.2026)

Der Beitrag bestätigt die angehobene Wachstumsprognose von 1,3 Prozent und hebt ebenfalls Exporte sowie staatliche Investitionen als Impulse hervor. Einen anderen Schwerpunkt setzt er auf die Risiken: Die Erholung bleibt demnach schwach fundiert, während die Beschäftigung wegen des demografischen Wandels zurückgeht.

tagesschau: „OECD hebt Konjunkturprognose für deutsche Wirtschaft deutlich an“ (23.09.2026)

Der Artikel ordnet die Reformforderung breiter ein und nennt neben Infrastruktur und Genehmigungen auch Steuer- und Transferanreize sowie eine geringere Belastung von Arbeitseinkommen. Übereinstimmung besteht beim Zusammenhang von Exporten, öffentlichen Investitionen und Wachstum; offen bleibt, wie die angekündigten Sozialstaatsreformen politisch ausgestaltet und finanziert werden.

Beide Beiträge zeichnen ein ähnliches Bild: Der konjunkturelle Ausblick verbessert sich, doch strukturelle Probleme bei Arbeitsmarkt, Energie und Investitionen bleiben bestehen. Der zentrale Unterschied liegt in der Gewichtung zwischen der kurzfristigen Wachstumsbeschleunigung und den langfristigen Reformaufgaben.

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