Boeing, Betrug

Boeing gesteht Betrug vor Max-AbstĂŒrzen ein

08.07.2024 - 09:01:05

Die zwei AbstĂŒrze einer Boeing 737 Max mit hunderten Toten beschĂ€ftigen den US-Flugzeugbauer auch Jahre spĂ€ter noch. Jetzt gibt es eine neue Strafe und einen Aufpasser der Regierung.

Boeing bekennt sich schuldig, die US-Regierung betrogen zu haben, um einem Gerichtsprozess um zwei tödliche AbstĂŒrze von Maschinen des Typs 737 Max zu entgehen. Das geht aus einem Dokument des US-Justizministeriums fĂŒr das zustĂ€ndige Bundesgericht in Texas hervor. Die Folgen sind eine neue Millionenstrafe sowie ein Aufpasser der Regierung fĂŒr den US-Flugzeugbauer.

Bei den UnglĂŒcken im Oktober 2018 und MĂ€rz 2019 waren 346 Menschen ums Leben gekommen. Boeing hatte seinerzeit eine Strafverfolgung unter anderem mit dem Versprechen vermieden, ein Compliance- und Ethik-Programm umsetzen. Auch zahlte der Konzern eine Strafe von 243,6 Millionen Dollar. Das Justizministerium kam bereits im Mai zu dem Schluss, dass Boeing gegen Auflagen des damaligen Deals verstieß. 

Neue Ermittlungen nach dramatischem Zwischenfall im Januar

Ein Auslöser dafĂŒr war das Beinahe-UnglĂŒck im Januar, bei dem ein Rumpf-Fragment einer so gut wie neuen Boeing-Maschine im Steigflug herausbrach. Bei dem Zwischenfall wurde zwar niemand verletzt. Doch dazu trug auch bei, dass die PlĂ€tze neben dem Loch im Rumpf durch einen glĂŒcklichen Zufall nicht besetzt waren.

Auslöser der AbstĂŒrze von 2018 und 2019 war eine Software der Flugzeuge, die Piloten unterstĂŒtzen sollte, aber stĂ€rker als von ihnen erwartet in die Steuerung eingriff. Sie lenkte die Maschinen in Richtung Boden - und den Piloten der beiden Maschinen gelang es am Ende nicht, sie wieder auszurichten. Flugzeuge des Typs durften nahezu zwei Jahre nicht fliegen, bis der Fehler in der Software behoben wurde.

Boeing wurde danach in einem Strafverfahren Betrug vorgeworfen, weil Mitarbeiter des Flugzeugbauers bei der Zertifizierung des Typs durch US-Behörden spezielle Schulungen fĂŒr die Software fĂŒr unnötig erklĂ€rt hatten.

Laut den am spĂ€ten Sonntag veröffentlichten Gerichtsunterlagen soll Boeing nach dem SchuldeingestĂ€ndnis unter anderem mindestens 455 Millionen Dollar in Compliance- und Sicherheitsprogramme investieren. Auch soll eine Strafzahlung von erneut 243,6 Millionen Dollar fĂ€llig werden. Die Vereinbarung wird erst gĂŒltig, wenn sie vom Gericht in Texas, bei dem der Fall liegt, abgesegnet wird. 

Hinterbliebene fordern hÀrtere Strafen

Schon nachdem sich eine solche Wendung in den vergangenen Wochen abgezeichnet hatte, hatten Familien der Absturzopfer die Aussicht auf eine erneute Vereinbarung mit Boeing scharf kritisiert und eine Milliardenstrafe gefordert. Sie sollen ein Treffen mit dem Boeing-Verwaltungsrat bekommen. Boeing-Chef Dave Calhoun hatte sich vor einigen Wochen bei den Angehörigen entschuldigt und betont, dass der Konzern die Verantwortung fĂŒr die AbstĂŒrze trage.

@ dpa.de