Stellen, Zwickau

Sorge vor Jobabbau bei VW in Zwickau

13.09.2023 - 16:24:29

Die Zwickauer Auto-Schmiede gilt im VW-Konzern als Vorreiter beim Umstieg auf E-Autos. Doch seit einiger Zeit rumort es in der Belegschaft. BeschĂ€ftigte mit befristetem Vertrag mĂŒssen bangen.

Angesichts mauer Nachfrage nach Elektro-Autos droht bei Volkswagen ein Stellenabbau im Zwickauer Werk. Nach dpa-Informationen ist im GesprÀch, befristete VertrÀge von Mitarbeitern nicht zu verlÀngern.

ZunÀchst könnte das Ende Oktober einige Hundert der insgesamt etwa 10.700 BeschÀftigten an dem sÀchsischen Standort treffen. Dort arbeiten derzeit mehr als 2000 Menschen mit befristeten VertrÀgen. AbhÀngig von der weiteren Marktlage könnte ihnen nun auf absehbare Zeit das Ende ihrer Jobs bei VW bevorstehen. Am Donnerstag ist eine Betriebsversammlung geplant.

«Es ist eine ernste Situation», sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf Anfrage. Er sei seit mehreren Wochen in Kontakt mit dem Betriebsrat und seinem niedersĂ€chsischen Amtskollegen Olaf Lies (SPD). Er rĂ€umte ein, dass es zurzeit Probleme an den AbsatzmĂ€rkten gebe. Dieser Trend dĂŒrfe sich nicht verstĂ€rken.

Es gelte, Wege zu suchen, um Kaufinteressenten stÀrker zu deutschen Anbietern zu bringen. Eine Idee sei eine Leasing-Initiative sÀchsischer Unternehmen. Dulig: «Aber VW ist auch selbst gefragt, VorschlÀge zu unterbreiten, wie die Absatzsituation verbessert und stabilisiert werden kann.»

Nachfrage schleppend

Schon seit Wochen wĂ€chst in der E-Auto-Fabrik die Verunsicherung angesichts schleppender Nachfrage. Viele Mitarbeiter Ă€ußern sich besorgt. Nun haben sich Vertrauensleute der IG Metall mit einem Brief an die GeschĂ€ftsfĂŒhrung gewandt. «Es reicht! Wir wollen endlich Antworten», zitierte die «Freie Presse» aus dem Schreiben. Fragen werden laut danach, warum die E-Autos nicht besser beworben werden und ob das Werk ein 3-Schicht-Standort bleibt.

VW hat sein Werk in Zwickau in den vergangenen Jahren fĂŒr 1,2 Milliarden Euro zur reinen Fabrik fĂŒr Elektrofahrzeuge umgebaut. Der letzte Verbrenner lief dort 2020 vom Band. Produziert werden neben ID-Modellen auch Fahrzeuge der Marken Audi und Cupra. Voriges Jahr wurden nach frĂŒheren Angaben 218.000 E-Autos gebaut. Dieses Jahr sollte die Produktion eigentlich steigen - bis zu 360.000 Fahrzeuge wĂ€ren bei Vollauslastung möglich. Stattdessen könnte es nun zur Reduzierung von Schichten kommen.

Doch angesichts hoher Inflation und rĂŒcklĂ€ufiger FörderprĂ€mien sind AutokĂ€ufer bei Elektroautos inzwischen zurĂŒckhaltend. So erwarten Branchenexperten, dass der Marktanteil von E-Autos bei Neuzulassungen in Deutschland im kommenden Jahr stark zurĂŒckgehen wird. E-Autos sind im Schnitt deutlich teurer als Verbrenner.

Hinzu kommt, dass zum 1. September die staatliche KaufprĂ€mie fĂŒr Gewerbekunden weggefallen ist, fĂŒr Privatkunden sinkt sie zum Jahreswechsel von maximal 6750 auf 4500 Euro. Außerdem gibt es fĂŒr die deutschen Hersteller auf den internationalen MĂ€rkten wachsende Konkurrenz in diesem Sektor: Nicht nur durch Tesla, sondern auch chinesische Hersteller wie BYD.

@ dpa.de