Dienstreisen-Abrechnung: Jeder vierte Deutsche reicht unzulässige Belege ein
18.06.2026 - 15:48:27 | boerse-global.de
Das kostet die Unternehmen pro Person und Jahr durchschnittlich 290 Euro.
Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Censuswide im Auftrag des Dienstleisters Travel Perk zeigt: 26 Prozent der deutschen Befragten geben zu, regelmäßig unsauber abzurechnen. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze – vor Frankreich (22 Prozent), Spanien (21 Prozent) und den USA (19 Prozent).
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Zwei Drittel der deutschen Dienstreisenden haben bereits mindestens einmal eine unkorrekte Abrechnung eingereicht. Doch nicht immer steckt böse Absicht dahinter.
Fehler oder Vorsatz?
Etwa 30 Prozent der Unregelmäßigkeiten lassen sich auf Fehler oder Missverständnisse zurückführen. Oft sind unklare unternehmensinterne Richtlinien der Grund. Die Detailergebnisse zeigen aber auch eine hohe frequenz an spezifischen Verstößen:
- 38 Prozent reichten Kosten mehrfach ein
- 37 Prozent gaben nicht-berufliche Ausgaben an
- 34 Prozent versuchten, Kosten von Kollegen abzurechnen
Auf der anderen Seite forderten 44 Prozent der Reisenden legitime Auslagen nicht zurück. Das deutet auf eine generelle Komplexität der Abrechnungsprozesse hin.
KI soll Abrechnungen retten
Gleichzeitig drängen neue technologische Lösungen auf den Markt, um diese manuellen Fehlerquellen zu minimieren. Mitte Juni 2026 wurden mehrere KI-gestützte Plattformen vorgestellt.
PredictX lancierte die Multi-Agent-KI-Plattform „Orchestra“. Sie ist speziell für Corporate-Travel- und Expense-Teams entwickelt und nutzt spezialisierte KI-Agenten für Hotel Sourcing, Finanzplanung und Echtzeit-Analysen.
Microsoft machte seinen „Copilot Cowork“ allgemein verfügbar. Der autonome Agent für Microsoft 365 kann Recherchen und Workflow-Automation übernehmen. Auch Parabola startete am 17. Juni mit „Prowork“ eine Lösung für Finanz- und Betriebsteams. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr stellte mit „Spark Workflow“ ein Instrument zur Beschleunigung von Verwaltungsprozessen vor.
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Unternehmen werden vorsichtiger
Die Nachfrage nach effizienteren Prozessen steigt. Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) hat zwischen Ende April und Mitte Mai 2026 ein Stimmungsbarometer erhoben. Das Ergebnis: Die Erwartungen haben sich verschoben.
Zu Jahresbeginn rechneten noch 62 Prozent der Unternehmen mit Wachstum beim Reisevolumen. Jetzt erwarten 32 Prozent einen Rückgang. Hauptgründe sind Preissteigerungen (59 Prozent) und geopolitische Belastungen (47 Prozent) – insbesondere infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Iran.
44 Prozent der Unternehmen agieren vorsichtiger bei der Budgetfreigabe. Als wesentliche Preistreiber identifizierten 80 Prozent der Firmen die Fluggesellschaften.
Vorsicht bei KI im Finanzumfeld
Trotz des Potentials zur Effizienzsteigerung bleibt der KI-Einsatz nicht ohne Risiken. KPMG musste kürzlich einen Bericht über KI-Anwendungen zurückziehen. Analysetools hatten ergeben, dass enthaltene Beispiele zu Organisationen wie der NHS oder dem Schweizer Transportsystem KI-generierte Erfindungen waren. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits im Mai bei Ernst & Young.
Auch der rechtliche Rahmen konkretisiert sich. Das Landgericht München I entschied Ende Mai 2026 (Az. 26 O 869/26): Anbieter haften für falsche und rufschädigende Aussagen ihrer KI-Übersichten. Das Gericht stufte solche KI-generierten Zusammenfassungen als eigene inhaltliche Darstellung ein – ohne Haftungsprivileg.
Für Unternehmen bedeutet das: Die automatisierte Prüfung von Spesen und Compliance-Vorgaben braucht weiterhin menschliche Aufsicht. Sonst drohen rechtliche und inhaltliche Fehler.
