Digitale Verwaltung im Saarland: Bund übernimmt Kosten für fünf Online-Dienste
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Saarland forciert die Digitalisierung seiner Kommunalverwaltungen. Der saarländische Ministerrat beschloss am 29. September 2026 die Teilnahme am Bundesprogramm „Flächendeckung digitale Verwaltungsleistungen“.
Ziel der Initiative ist es, fünf zentrale Behördendienste bis zum 30. Juni 2027 in allen zuständigen Kommunen des Bundeslandes flächendeckend über das Internet zugänglich zu machen. Die Umsetzung des Vorhabens soll im vierten Quartal 2026 anlaufen.
Fünf Online-Dienste bis Mitte 2027
Im Zentrum der Vereinbarung stehen behördliche Verfahren, die Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen künftig ohne Gang zum Amt erledigen können sollen. Der Beschluss umfasst konkret die elektronische Wohnsitzanmeldung, den digitalen Führerscheinantrag, das Breitband-Portal, Anträge auf Personenbeförderungsgenehmigung sowie die Bestattungskostenhilfe.
Für die Städte und Gemeinden ist die Umstellung mit keinen direkten finanziellen Belastungen verbunden: Die Kommunen sollen für die technische Anbindung nichts zahlen. Die Kosten hierfür übernimmt der Bund, der die Verwaltungen zudem organisatorisch bei den Einführungsprozessen unterstützt. Die operative Umsetzung vor Ort wird durch den Zweckverband eGo-Saar gesteuert.
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Druck auf moderne Behördenstrukturen wächst
Der Beschluss fällt in eine Phase, in der die öffentliche Hand unter starkem Modernisierungsdruck steht. Nach den Erhebungen der repräsentativen Studie eGovernment Monitor 2026, herausgegeben von der Initiative D21 und der Technischen Universität München und durchgeführt von Kantar, vertrauen gegenwärtig nur noch 32 Prozent der Befragten dem Staat.
Lediglich zwölf Prozent nehmen demnach eine deutliche Verbesserung des digitalen Angebots wahr, während bei 15 Prozent die Erwartungen an eine moderne digitale Verwaltung erfüllt werden. Zugleich erwarten 64 Prozent der Befragten digitale Verwaltungsleistungen auf dem Niveau privater Anbieter.
Um den steigenden Anforderungen und dem Fachkräftebedarf in der IT-gestützten Verwaltung zu begegnen, setzt das Saarland parallel auch auf die Nachwuchsförderung. An der Fachhochschule für Verwaltung und Polizei des Saarlandes startet ab Oktober 2026 erstmals ein dreijähriger dualer Studiengang für Verwaltungsinformatik. Das Studium schließt mit dem Diplom-Verwaltungsinformatiker ab.
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Voraussetzung hierfür ist eine vorangehende Einstellung bei einer Landes-, Kreis-, Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Die Studierenden besitzen den Status von Beamtenanwärtern und beziehen entsprechende Anwärterbezüge. Inhaltlich zeichnet die Fachhochschule für die Verwaltungswissenschaften verantwortlich, während die Akademie der Saarwirtschaft den IT-Teil übernimmt.
Mit der Kombination aus bundesfinanzierten Rollouts digitaler Basisdienste und dem parallelen Aufbau von IT-Kompetenzen in den Behörden soll die vollständige digitale Anbindung der saarländischen Kommunen termingerecht bis Mitte 2027 realisiert werden.
