Digitales Misstrauen: 71 Prozent der Deutschen skeptisch gegenüber Plattformen
01.07.2026 - 06:15:25 | boerse-global.de
Das zeigt eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung vom 30. Juni. Demnach blicken 71 Prozent der Befragten misstrauisch auf den politischen Einfluss sozialer Medien.
Besonders die Kontrolle der Plattformen durch US-amerikanische oder chinesische Unternehmen stört die Nutzer. 62 Prozent üben daran Kritik. Dennoch fällt der Abschied schwer: Nur 18 Prozent der Befragten gaben an, komplett auf soziale Medien verzichten zu können.
Pragmatisch, aber besorgt
Die Studie, für die Ende Juni 2000 Personen befragt wurden, zeigt ein ambivalentes Bild. Rund 73 Prozent der Nutzer haben sich mit den Risiken im digitalen Raum arrangiert. Trotzdem bleibt die Sorge vor Manipulation und Datenmissbrauch ein zentrales Thema.
Die Debatte über digitale Souveränität gewinnt damit an Fahrt. Die Nutzer erkennen die Gefahren, ziehen aber keinen Schlussstrich.
Neue Phishing-Welle rollt
Flankiert wird diese Entwicklung durch konkrete Sicherheitswarnungen. Seit April 2026 beobachten Experten den Aufstieg der Phishing-Plattform Kali365. Das Modell zielt spezifisch auf Microsoft-365-Umgebungen ab.
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Die Angreifer nutzen komplexe Verfahren wie den Device-Code-Login, um OAuth-Tokens zu entwenden. Besonders alarmierend: Sie umgehen gängige Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA). Das FBI und die US-Behörde CISA machen die russischen Gruppen UNC5792 und UNC4221 verantwortlich. Für Hinweise zur Ergreifung der Täter sind bis zu 10 Millionen Euro ausgelobt.
Die Schadenssummen der letzten Jahre unterstreichen die Dringlichkeit. 2025 beliefen sich die Verluste durch sogenannte Business Email Compromise auf rund 2,8 Milliarden Euro.
Deepfakes: Explosion der Betrugsfälle
Ein weiterer Treiber für Identitätsdiebstahl ist Künstliche Intelligenz. Berichte weisen für 2024 eine Steigerung von Deepfake-Betrugsfällen um 1.300 Prozent aus. Angreifer erstellen täuschend echte Imitationen von Führungskräften, um Überweisungen zu autorisieren.
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International reagieren Regierungen unterschiedlich. Auf den Philippinen wurden im ersten Quartal 2026 bereits 7.900 Phishing-Vorfälle registriert. Rund 10 Millionen Zugangsdaten sind kompromittiert. Das Land investiert 700 Millionen Euro in einen nationalen Cybersicherheitsplan.
Das Vereinigte Königreich setzt auf strengere Vorgaben. Die aktualisierten Cyber Essentials Plus schreiben MFA für 2026 zwingend vor. Gleichzeitig rücken Experten von alten Regeln ab: Die erzwungene regelmäßige Passwortänderung wird gestrichen. Stattdessen sollen komplexere, dauerhafte Zugangsdaten die Sicherheit erhöhen.
