Digitalmarkt spaltet sich: KI-Jobs boomen, klassische IT schrumpft um 11%
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich zunehmend auseinander. Während spezialisierte KI-Jobs boomen, schrumpft der allgemeine digitale Stellenmarkt.
Eine aktuelle Analyse der Adecco Group vom Donnerstag zeigt: Trotz des technologischen Wandels ist kein großflächiger Einbruch der Beschäftigung zu befürchten. Die Beschäftigungsquoten liegen laut OECD-Daten auf Rekordniveau. Allerdings nutzen einige Unternehmen die Technologie teils als Vorwand für ohnehin geplante Kürzungen.
K-förmige Entwicklung im Digitalsektor
Der Digitale Jobmonitor für das zweite Quartal 2026 zeichnet ein klares Bild: Der Gesamtmarkt für digitale Berufe ging um 11 Prozent auf 1,89 Millionen Stellen zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der ausgeschriebenen KI-Positionen im Vergleich zum Vorjahr um satte 52 Prozent auf 10.690 Stellen.
Klassische IT-Berufe trifft der Rückgang besonders hart – sie verlieren im gleichen Tempo wie der Gesamtmarkt. Eine Analyse der Plattform Indeed vom Juni zeigt: Der Anteil der Stellenanzeigen mit KI-Schlagworten hat sich bundesweit von 2,4 auf 5,9 Prozent mehr als verdoppelt.
Regionale Schwerpunkte sind München mit 17,1 Prozent und Berlin mit 16,1 Prozent. In der Datenanalyse ist KI-Kompetenz bereits in 36 Prozent der Ausschreibungen gefragt, in der Softwareentwicklung in 27,3 Prozent.
KI verändert die Ausbildung
Die Technologie hält auch Einzug in die berufliche Bildung. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom Mittwoch zeigt: Bereits 49,6 Prozent der Unternehmen setzen KI ein. 56,9 Prozent der Ausbilder thematisieren den kritischen Umgang mit der Technologie, 53,4 Prozent ermutigen Auszubildende aktiv zur Nutzung von KI-Tools.
Für Berufseinsteiger ändern sich die Anforderungen spürbar. Ein Factsheet von Randstad zum World Youth Skills Day am 15. Juli belegt: In 14 Prozent der Unternehmen übernimmt KI bereits Aufgaben, die traditionell Einsteiger ausführten. Knapp 40 Prozent der Betriebe planen diesen Schritt innerhalb der nächsten drei Jahre.
Die Nachfrage nach KI-Auditing-Fähigkeiten stieg zwischen 2021 und 2025 um 855 Prozent. Kritisches Denken und Problemlösungskompetenz gewinnen ebenfalls zunehmend an Bedeutung.
Da KI-Systeme immer tiefer in Unternehmensprozesse integriert werden, stellt die neue EU-KI-Verordnung viele Betriebe vor große regulatorische Herausforderungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen und Ihrer IT-Abteilung den nötigen Überblick über alle neuen Risikoklassen und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
KI-Kenntnisse zahlen sich aus
Wer KI-Kompetenzen vorweisen kann, verdient besser. Die Randstad-Studie „Age of Augmentation“ beziffert den Gehaltsvorteil für Softwareingenieure mit KI-Kenntnissen auf 60.000 Euro – gegenüber 50.000 Euro für Kollegen ohne diese Spezialisierung. Bei Finanzanalysten liegt die Differenz zwischen 64.000 Euro und 51.500 Euro.
Dafür dauert die Suche nach den Spezialisten länger. KI-Architekten sind in Deutschland im Schnitt erst nach 69 Tagen zu finden. In Belgien sind es 31 Tage, in den Niederlanden 32 Tage. Auch bei Ingenieuren für Maschinelles Lernen ist die Besetzungszeit mit 56 Tagen vergleichsweise hoch.
KI wird zum Kostenfaktor
Trotz Produktivitätsvorteilen steigen die Kosten. Unternehmen wie der IT-Dienstleister Adesso verzeichnen einen massiven Anstieg des Token-Verbrauchs – mit monatlichen Kosten im sechsstelligen Bereich. Nur 35 Prozent der Unternehmen haben derzeit einen vollständigen Überblick über ihre KI-Ausgaben. Open-Source-Modelle gewinnen als kostengünstigere Alternative an Bedeutung.
Der regulatorische Rahmen erhöht zusätzlich den Druck. Der EU AI Act sieht seit Februar 2025 eine KI-Kompetenzpflicht vor, weitere Vorgaben werden für August 2026 erwartet.
Neben der steigenden Komplexität durch KI-Tools müssen Unternehmen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen und Übergangsfristen des EU AI Act genau im Blick behalten. Ein kostenloser Report klärt auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen
Laut Erhebungen von Expleo vom Juni sehen bereits 10 Prozent der deutschen Beschäftigten ihre Tätigkeit ohne KI als nicht mehr ausführbar an. 31 Prozent der Unternehmensinhaber geben an, dass Arbeitsprozesse ohne die Technologie deutlich komplizierter geworden seien. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete für das erste Quartal 2026 insgesamt 1,15 Millionen offene Stellen – der Bedarf an Fachkräften bleibt trotz der Transformation hoch.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
