DKI-Umfrage: 70 Prozent der KrankenhÀuser können Zuschlagsausfall nicht stemmen
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deZum 1. November 2026 lĂ€uft der befristete Rechnungszuschlag von 3,25 % fĂŒr KrankenhĂ€user aus. Branchenvertreter warnen eindringlich vor den finanziellen Konsequenzen fĂŒr die Kliniken.
Eine Nachfolgeregelung greift erst mit zeitlicher Verzögerung: Ab dem 1. Januar 2027 sind pauschale ZuschlĂ€ge von 27,30 Euro je Patient fĂŒr nicht-universitĂ€re KrankenhĂ€user sowie 50 Euro je Patient fĂŒr UniversitĂ€tskliniken vorgesehen.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt vor einer wachsenden LiquiditĂ€tslĂŒcke und fordert eine nahtlose Ăbergangslösung, da den HĂ€usern fĂŒr mindestens zwei Monate jegliche ĂberbrĂŒckungshilfe fehlt.
DKG-Chef Gerald GaĂ beziffert die Belastung aus dem Wegfall des Zuschlags und dem GKV-Spargesetz fĂŒr die KrankenhĂ€user allein im Jahr 2027 auf fast fĂŒnf Milliarden Euro und fordert einen konsequenten BĂŒrokratieabbau.
Umfrage belegt KĂŒrzungsplĂ€ne und steigende Insolvenzrisiken
Die dramatische Lage der Einrichtungen spiegelt eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) wider, die vom 22. bis 27. Oktober 2026 unter 267 AllgemeinkrankenhĂ€usern ab 50 Betten durchgefĂŒhrt wurde. Demnach erwarten 76 % der befragten HĂ€user sehr starke, 23 % starke und lediglich 1 % weniger starke Belastungen durch das Auslaufen der Regelung.
Insgesamt 70 % der Einrichtungen geben an, den Wegfall des Zuschlags nicht aus eigener Kraft stemmen zu können. Besonders prekĂ€r ist die Situation in dĂŒnn besiedelten Regionen: Dort rechnen 85 % der Kliniken mit sehr starken Belastungen, und 93 % sehen keinerlei Möglichkeit fĂŒr einen finanziellen Ausgleich.
Um den Ausfall zu kompensieren, planen zahlreiche Einrichtungen drastische Einschnitte: Laut DKI wollen 76 % einen Einstellungsstopp umsetzen, 65 % Investitionen verschieben oder ganz streichen und 52 % den Personalbestand verringern. Zudem sieht jedes vierte Haus durch das Ende des Zuschlags ein erhöhtes Insolvenzrisiko, wÀhrend sich 5 % der Einrichtungen bereits als akut gefÀhrdet einstufen.
Zum 1. November 2026 lĂ€uft der befristete Rechnungszuschlag von 3,25 Prozent aus, die pauschalen NachfolgezuschlĂ€ge greifen erst ab Januar 2027 â fĂŒr mindestens zwei Monate fehlt den HĂ€usern jede ĂberbrĂŒckung. In einer Blitzumfrage unter 267 AllgemeinkrankenhĂ€usern gibt die Mehrheit an, den Wegfall nicht aus eigener Kraft stemmen zu können. Der kostenlose Report ordnet die Zahlen ein und zeigt, welche Stellschrauben bei LiquiditĂ€t, Personal und Investitionen jetzt realistisch bleiben. Report zur Klinik-LiquiditĂ€t jetzt anfordern
VerbÀnde und Kommunen fordern nahtlose Nachfolgeregelung
Deutliche Kritik kommt auch vom Katholischen Krankenhausverband Deutschlands (KKVD), der 244 KrankenhĂ€user an 320 Standorten, 52 Reha-Einrichtungen sowie 204.000 Mitarbeitende mit einem Jahresumsatz von 16 Mrd. Euro vertritt. KKVD-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Bernadette RĂŒmmelin warnt, dass die Politik die eigene Krankenhausreform durch fortwĂ€hrende Einschnitte gefĂ€hrde.
Die im Zuge der Notfallreform in Aussicht gestellten Mittel könnten die FinanzierungslĂŒcken nur zu einem geringen Teil schlieĂen. Nach Angaben der DKG sind ab 2027 RechnungszuschlĂ€ge in Höhe von 450 Mio. Euro fĂŒr nicht-universitĂ€re Kliniken sowie 100 Mio. Euro fĂŒr Unikliniken vorgesehen, wobei fĂŒr die Unikliniken ab 2028 insgesamt 100 Mio. Euro pro Jahr veranschlagt sind.
ZusĂ€tzliche EinbuĂen drohen laut KKVD durch die Neuordnung des Pflegebudgets. Die gesetzte Frist bis zum 31. Oktober fĂŒr ein neues Modell sei fĂŒr die Selbstverwaltungspartner kaum verantwortbar, zumal das BĂŒrokratieabbau-Gesetz erst im kommenden Jahr wirksam werde.
Auch die Kommunen sehen die Entwicklung mit groĂer Sorge. DLT-PrĂ€sident Brötel vom Deutschen Landkreistag (DLT) fordert die VerlĂ€ngerung des bisherigen Zuschlags in voller Höhe sowie eine Verdoppelung der SicherstellungszuschlĂ€ge fĂŒr bedarfsnotwendige KrankenhĂ€user.
Einstellungsstopp, verschobene Investitionen, Personalabbau: Viele HĂ€user planen bereits drastische Einschnitte, um den Ausfall des Zuschlags aufzufangen â und jedes vierte sieht ein erhöhtes Insolvenzrisiko. Wer die eigene Kostenbasis frĂŒhzeitig prĂŒft, behĂ€lt Handlungsspielraum, bevor die Nachfolgeregelung ab 2027 greift. Die Checkliste fĂŒhrt Schritt fĂŒr Schritt durch Investitions- und Personalkosten-KĂŒrzungen und zeigt, welche ZuschlĂ€ge kĂŒnftig vorgesehen sind. Checkliste jetzt kostenlos sichern
Die ab Januar 2027 vorgesehenen 27,30 Euro je Behandlungsfall reichten als Ausgleich keineswegs aus, wĂ€hrend im November und Dezember 2026 jede UnterstĂŒtzung fehle. Nach Angaben des DLT haben die Landkreise in den vergangenen Jahren bereits mindestens 25 Mrd. Euro zur StĂŒtzung ihrer Kliniken aufgebracht.
Parallel zu den Debatten im stationĂ€ren Sektor steigen auch die Lasten im Kassensystem: Der Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung wird fĂŒr 2027 auf 2,9 % festgelegt.
