US-WAHL: Ăkonomen-Stimmen zum Ausgang der PrĂ€sidentschaftswahlen
06.11.2024 - 11:15:26Der 78-jĂ€hrige Republikaner erklĂ€rte sich bereits zum Wahlsieger, obwohl ihm noch wenige Stimmen von Wahlleuten fehlten. Trump kĂŒndigte fĂŒr seine zweite Amtszeit als US-PrĂ€sident eine radikale Agenda an, die Amerika und die Welt verĂ€ndern könnte.
EinschĂ€tzungen von Ăkonomen im Ăberblick:
Ulrich Kater, Chefvolkswirt DekaBank:
"Amerika hat ohne Störungen gewĂ€hlt und ein Ergebnis steht fest - das ist fĂŒr Wirtschaft und FinanzmĂ€rkte erstmal ein Grund zur Erleichterung. Damit ist ein Teil der politischen Unsicherheit in der gröĂten Volkswirtschaft der Welt gelöst; ĂŒbrig bleibt die Unsicherheit ĂŒber die Umsetzung des Wahlprogramms eines PrĂ€sidenten Trump. Diese können in den kommenden Wochen die FinanzmĂ€rkte bewegen, werden sich allerdings im Verlauf der kommenden Monate ebenfalls reduzieren. Es war immer klar, dass die eigentlichen Problemthemen einer erneuten Trump-PrĂ€sidentschaft weniger in der Ăkonomie liegen, sondern auf den Feldern der Innen- und Geopolitik. Sollten beide Kammern des Parlaments republikanisch werden, könnte ein PrĂ€sident Trump auch viele seiner wirtschaftlichen und innenpolitischen Vorstellungen durchsetzen. Die Konjunkturprognosen fĂŒr die USA mĂŒssen jetzt nicht umgeschrieben werden."
Jörg KrÀmer, Chefvolkswirt Commerzbank:
"Auch wenn Trump sich auf eine Mehrheit in beiden HĂ€usern des Kongresses stĂŒtzen kann, dĂŒrfte er seine im Wahlkampf bezogenen Positionen als PrĂ€sident nicht eins zu eins umsetzen. Das betrifft etwa seine ZollplĂ€ne (mindestens 60 Prozent auf alle Importe aus China, 10 Prozent auf Importe aller anderen LĂ€nder). So ist nicht klar, ob seine rechtlichen Vollmachten fĂŒr eine allgemeine Erhöhung der Zölle ausreichen. AuĂerdem dĂŒrfte Trump bewusst mit hohen Zöllen drohen, um die betroffenen Staaten bei Verhandlungen zu ZugestĂ€ndnissen zu veranlassen."
Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank:
"FĂŒr europĂ€ische Unternehmen wĂŒrde Trumps RĂŒckkehr ins WeiĂe Haus erhebliche handelspolitische und geopolitische Unsicherheit bedeuten, mit negativen Folgen fĂŒr das Wachstum auf dem Kontinent. Wir gehen davon aus, dass Trump zunĂ€chst nur selektive, aber schlagzeilentrĂ€chtige Zölle verhĂ€ngen wird, aber droht, noch viel weiter zu gehen, wenn China und Europa ihm in den Verhandlungen keine erheblichen ZugestĂ€ndnisse machen. Das wĂ€re vergleichbar mit seinem Ansatz in den Jahren 2017 bis 2020. Eine solche Eskalation der Handelsspannungen allein könnte uns dazu veranlassen, unsere Wachstumsprognose fĂŒr Deutschland (derzeit 0,5 Prozent) fĂŒr 2025 um 0,2 Prozentpunkte und unsere Prognosen fĂŒr andere europĂ€ische LĂ€nder um 0,1 Prozentpunkte zu senken. Wenn Trump noch weiter geht und tatsĂ€chlich einen 10-prozentigen Zoll auf alle Importe aus Europa erhebt, könnte der Schaden noch erheblicher sein."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:
"FĂŒr das wirtschaftlich angeschlagene Europa ergeben sich mit einem Wahlsieg von Donald Trump neue Herausforderungen. Europa muss sich auf etwaige Strafzölle einstellen. Das unter Joe Biden enge transatlantische VerhĂ€ltnisse wird schwieriger. Insbesondere die fĂŒr die Ukraine wichtigen MilitĂ€rhilfen stehen möglicherweise auf der Kippe. Europa ist jetzt mehr denn je aufgefordert seine Hausaufgaben zu machen. Dazu zĂ€hlt vor allem die StĂ€rkung der WettbewerbsfĂ€higkeit. Hierbei ist ein Abbau der ĂŒberbordenden BĂŒrokratie dringend erforderlich."
Dirk Chlench, Analyst Landesbank Baden-WĂŒrttemberg:
"Mit PrĂ€sident Donald Trump wird sich Deutschland auf eine verschĂ€rfte Politik des 'America First' einzustellen haben. Zölle dĂŒrften sein Mittel der Wahl sein. Er knĂŒpft damit an seine eigene Vergangenheit an. (...) Bis Anfang 2025 gilt noch eine Art Stillhalteabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Danach wird man weitersehen. Die EU hat sich dem Vernehmen nach mit neuen Instrumenten und Verfahren vorbereitet, um zĂŒgig auf Provokationen aus Washington reagieren zu können. Dennoch dĂŒrften sich negative Folgen fĂŒr die Exporte und die Investitionen innerhalb der EU nicht vermeiden lassen. Eine anhaltende Stagnation, vielleicht sogar ein RĂŒckfall in die Rezession, ist wahrscheinlich. Die EU tut weiter am besten daran, sich auf die eigenen StĂ€rken zu besinnen und weiter die Kooperation mit Partnern in aller Welt zu suchen. Deutschland im Besonderen hat eigene Herausforderungen zu bewĂ€ltigen."
Samuel Tombs, Chefvolkswirt USA beim Analysehaus Pantheon Macroeconomics:
"Als Reaktion auf den klaren Sieg von PrĂ€sident Trump bei den PrĂ€sidentschaftswahlen korrigieren wir unsere Inflationsprognose und den Leitzins nach oben. Angesichts des knappen Kopf-an-Kopf-Rennens um die Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus bleibt der Spielraum fĂŒr Steuersenkungen und ein deutlich höheres Haushaltsdefizit im Jahr 2026 unklar, aber wir können nun fast sicher sein, dass im nĂ€chsten Jahr Einfuhrzölle eingefĂŒhrt werden."
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