Drittanbieter-Risiken, DORA-Datenprüfung

Drittanbieter-Risiken: Nur 6,5% bestehen DORA-Datenprüfung

31.05.2026 - 01:50:36 | boerse-global.de

Die europäische Finanzaufsicht kritisiert massive Mängel bei der DORA-Umsetzung, besonders im Management von Drittanbieter-Risiken.

Drittanbieter-Risiken: Nur 6,5% bestehen DORA-Datenprüfung - Foto: über boerse-global.de
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Seit Januar 2025 gilt die Verordnung für rund 22.000 EU-Finanzinstitute – doch die Einhaltung der Vorschriften bereitet vielen weiterhin Probleme. Besonders im Fokus der Aufsicht: das Management von Drittanbieter-Risiken.

Schwachstelle Lieferketten: Drittparteien-Risiken unter der Lupe

Die Prüfungsergebnisse aus 2025 und 2026 zeigen deutliche Lücken im Umgang mit ICT-Dienstleistern. Artikel 28 der Verordnung, der die Abhängigkeiten von externen Anbietern regelt, sorgt für die meisten Beanstandungen. Viele Institute führen unvollständige Informationsregister oder können die geforderten Nachweise vor Vertragsabschluss nicht erbringen.

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Das Ausmaß des Problems wurde bereits 2024 deutlich: Bei einem Testlauf der Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) mit rund 1.000 Unternehmen bestanden gerade einmal 6,5 Prozent alle 116 Datenqualitätsprüfungen für ihre Informationsregister.

Die Botschaft der Aufsicht ist klar: Standard-Fragebögen reichen nicht mehr aus. Gefordert sind eigenständige Überprüfungen – von Sanktionslisten-Checks bis zu negativen Medienberichten – bevor Verträge mit ICT-Dienstleistern abgeschlossen oder verlängert werden.

Künstliche Intelligenz als Problemlöser – und neues Risiko

Um die wachsenden Compliance-Lasten zu bewältigen, setzen immer mehr Unternehmen auf Automatisierung. PwC Deutschland und das Technologieunternehmen Aleph Alpha haben mit creance.ai ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Ziel: KI-Tools speziell für Rechts- und Compliance-Abteilungen entwickeln. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Drittparteien-Risikomanagement nach DORA.

Der Zeitpunkt ist klug gewählt: Die globalen Ausgaben für KI-Software sollen bis 2027 auf umgerechnet rund 280 Milliarden Euro steigen. Doch die neue Technologie bringt auch neue Gefahren mit sich. Die EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) berichtet, dass 70 Prozent der Unternehmen bereits Sicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit KI erlebt haben.

Europa zentralisiert die Aufsicht

Parallel zur Verschärfung der Compliance-Anforderungen baut die EU ihre Finanzaufsicht um. Die Finanzminister von sechs großen Volkswirtschaften – darunter Deutschland, Frankreich und Italien – haben sich darauf geeinigt, die Überwachung großer Marktinfrastrukturen und bedeutender Krypto-Dienstleister bei der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) in Paris zu bündeln.

Auch national tut sich etwas: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellt zum 1. Juli 2026 ihre Abwicklungsfunktionen neu auf. Geplant ist eine spezialisierte Einheit zur Bekämpfung von Finanzkriminalität, die mit 30 neuen Stellen ausgestattet wird.

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Digitale Souveränität als europäisches Ziel

Beim ISPA-Forum in Wien diskutierten Experten und Politiker am vergangenen Samstag über Europas digitale Unabhängigkeit. Die EU-Kommission bereitet derweil neue Gesetzespakete vor: Der „AI Omnibus" und der „Data Omnibus" sollen die digitalen Vorschriften vereinfachen. Das geplante Cybersecurity Act 2 wiederum soll einen Rahmen schaffen, um Hochrisiko-Anbieter von kritischer Infrastruktur auszuschließen.

Hintergrund: Schätzungsweise 70 Prozent des EU-Cloud-Marktes werden derzeit von nicht-europäischen Anbietern kontrolliert. Ein Wert, den die Aufseher angesichts der neuen Resilienz-Anforderungen zunehmend als strategisches Risiko betrachten.

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