Drohnensicherheit, Bund

Drohnensicherheit: Bund eröffnet Technologiezentrum nach Sprengstoff-Fund

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neues Technologiezentrum in Sachsen-Anhalt soll Drohnenabwehr bündeln und auf Vorfälle wie den Sprengstoff-Fund in Leipzig reagieren.

Bundesregierung startet Drohnen-Forschungszentrum am Flughafen Magdeburg-Cochstedt
Hochmoderne Sensorik und Radaranlagen zur Drohnenabwehr auf dem Rollfeld eines Forschungsflughafens bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

**Angesichts einer verschärften Sicherheitslage im deutschen Luftraum hat die Bundesregierung am Dienstag ein spezialisiertes Technologiezentrum am Flughafen Magdeburg-Cochstedt in Sachsen-Anhalt in Betrieb genommen.

Die Einrichtung soll die Forschung zur Drohnenabwehr bündeln und auf aktuelle technologische Bedrohungen reagieren. Anlass für die Standortwahl und den Ausbau sind unter anderem jüngste sicherheitsrelevante Vorfälle an deutschen Verkehrsflughäfen.**

Zur feierlichen Eröffnung des Technologiezentrums Drohnensicherheit kamen Bundesinnenminister Dobrindt, Bundesforschungsministerin Bär sowie der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Schulze in Cochstedt zusammen.

Das Projekt wird gemeinschaftlich vom Bundesinnenministerium und dem Bundesforschungsministerium getragen und umfasst neben dem Standort in Sachsen-Anhalt auch Kapazitäten in Braunschweig.

Die Wahl des Standorts Cochstedt gilt als strategisch konsequent, da das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dort bereits seit 2021 das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme betreibt.

Reaktion auf die Sicherheitslage in Leipzig und Hannover

Bundesinnenminister Dobrindt begründete die Notwendigkeit eigener Forschungseinheiten mit einem technologischen Wettrüsten im Bereich der Drohnensysteme. Unmittelbarer Auslöser für die Beschleunigung der Pläne war ein schwerwiegender Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August.

Dort war am 4. August 2026 eine Drohne entdeckt worden, die mit 800 Gramm Plastiksprengstoff bestückt war. Das Flugobjekt, das nach vorliegenden Informationen 5G-Antennen und SIM-Karten zur Steuerung nutzte, hatte offenbar eine ukrainische Frachtmaschine vom Typ Antonov An-124 zum Ziel.

Auch an anderen Standorten verzeichneten Behörden zuletzt eine Zunahme von Behinderungen. Bis Juni 2026 wurden am Hamburger Flughafen bereits zehn Vorfälle durch Drohnen gemeldet. Am Flughafen Hannover kam es im gleichen Zeitraum zu 13 Behinderungen, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt. In einem vierzehnten Fall musste der Flugbetrieb in Hannover sogar für zwei Stunden komplett eingestellt werden.

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Experten fordern technologische Sensorfusion

In der Fachwelt wird die Eröffnung des Zentrums als notwendiger Schritt bewertet, wobei gleichzeitig Forderungen nach einer technologischen Modernisierung laut werden. Sicherheitsberater wie Kevin Heneka von der Firma hensec weisen darauf hin, dass eine reine Funkdetektion bei modernen, autonom agierenden Drohnen nicht mehr ausreiche.

Empfohlen wird stattdessen eine sogenannte Sensorfusion, die Funkanalyse mit Passiv-Radar, optischen Kameras und Wärmebildtechnik kombiniert. Ein standortbezogener Sensormix müsse das bisherige Standardpaket ablösen.

Carsten Simons vom Drohnen-Kompetenz-Zentrum unterstrich zudem, dass die frühzeitige Erkennung Vorrang vor der Abwehr haben müsse. Zwar stünden mobile Systeme für Detektion und Lokalisierung zur Verfügung, doch bleibe ein physischer Abschuss hochkomplex und dürfe ausschließlich durch zertifizierte Kräfte unter staatlicher Aufsicht erfolgen. Aktuell teilen sich die Bundeswehr, die Bundes- und Landespolizeien sowie private Dienstleister die Zuständigkeiten beim Drohnenschutz.

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Kritik an bestehenden Strukturen und Kommunikation

Trotz der Neueröffnung gibt es kritische Stimmen zur bisherigen Organisation. Der Sicherheitsexperte Nico Lange bemängelte eine unzureichende Übungspraxis beim Drohnenabschuss und mahnte nach der Beinahe-Katastrophe in Leipzig zu entschlossenerem Handeln.

Auch die Polizeigewerkschaft DPolG forderte eine bessere technische Ausstattung und äußerte Skepsis gegenüber der Effizienz bestehender Einrichtungen wie dem im Jahr 2025 gegründeten Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum (GDAZ).

Ein weiterer Aspekt betrifft die Infrastruktur. DStGB-Präsident Ralph Spiegler forderte die Einbindung der Kommunen in die Sicherheitsarchitektur und mahnte ausfallsichere Kommunikationswege an. Er wies darauf hin, dass bestehende Systeme wie Tetra aufgrund geringer Datenraten nicht für die Übertragung komplexer Drohnendaten geeignet seien und Alternativen über Satellitenverbindungen geprüft werden müssten. Das neue Zentrum in Cochstedt soll nun die wissenschaftliche Basis schaffen, um diese technologischen Lücken zu schließen und die Abwehrfähigkeit der kritischen Infrastruktur nachhaltig zu erhöhen.

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