Deutschland, Nordrhein-Westfalen

DĂŒrre macht Sprit teurer - lokale EngpĂ€sse möglich

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 11:59 Uhr | dpa.de

Vor allem im Westen Deutschlands sind die Spritpreise derzeit tendenziell höher. Und wenn die PegelstÀnde am Rhein weiter sinken, werden sogar lokale VersorgungsengpÀsse wahrscheinlicher.

  • Das Niedrigwasser am Rhein macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar. - Bild: Thomas Frey/dpa
    Das Niedrigwasser am Rhein macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar. - Bild: Thomas Frey/dpa
  • Die niedrigen WasserstĂ€nde am Rhein behindern den Transport von Öl und Sprit - das treibt die Preise. (Archivbild) - Bild: Thomas Frey/dpa
    Die niedrigen WasserstĂ€nde am Rhein behindern den Transport von Öl und Sprit - das treibt die Preise. (Archivbild) - Bild: Thomas Frey/dpa
Das Niedrigwasser am Rhein macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar. - Bild: Thomas Frey/dpa Die niedrigen WasserstĂ€nde am Rhein behindern den Transport von Öl und Sprit - das treibt die Preise. (Archivbild) - Bild: Thomas Frey/dpa

Inzwischen bekommen auch Autofahrer zu spĂŒren, dass im Rhein zu wenig Wasser ist: Es macht den Sprit teurer. «Das derzeitige Niedrigwasser am Rhein wirkt preistreibend», sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Es sei aber nur einer von mehreren Einflussfaktoren auf die aktuellen Spritpreise.

Hintergrund ist, dass der Rhein auch fĂŒr Öl, Benzin und Diesel als Transportweg genutzt wird. In großen Tankschiffen ist dies in der Regel deutlich gĂŒnstiger als mit vergleichsweise kleinen Lkw. Nach Angaben des Experten steigen durch das aktuelle Niedrigwasser «die Logistikkosten fĂŒr den Transport von Kraftstoffen und einzelnen Vorprodukten teilweise deutlich an.»

Zudem werde der deutsche Markt nicht ausschließlich ĂŒber den Rhein, sondern ĂŒber ein «Netzwerk aus SeehĂ€fen, Raffinerien, Pipelines sowie den Schienen- und Straßenverkehr» versorgt, sagt Laberer. «Daher dĂŒrfte das Niedrigwasser derzeit vor allem regional zu höheren Kraftstoffpreisen beitragen.»

VorĂŒbergehend regional beschrĂ€nkte EngpĂ€sse möglich

Grund zur Entwarnung gibt es allerdings nicht: Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) erklĂ€rte auf Anfrage: «Nach derzeitigen Prognosen sinken die PegelstĂ€nde in nĂ€chster Zeit jedoch weiter, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von vorĂŒbergehenden und regional beschrĂ€nkten VersorgungsengpĂ€ssen erhöht. Das gilt insbesondere, wenn es zusĂ€tzlich zu VerspĂ€tungen auf der Schiene, zu technischen Störungen oder anderen EinschrĂ€nkungen in der Transportlogistik kommen sollte.» Zuvor hatte die «Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ)» berichtet.

GrundsĂ€tzlich sei der Umgang mit Niedrigwasser, gerade am Rhein, fĂŒr die Unternehmen im Verband en2x nicht neu. «Dennoch stehen wir vor einer großen Herausforderung. Binnenschiffe mĂŒssen mit geringerem Frachtvolumen beladen werden - teils zu einem Viertel der NormalkapazitĂ€t, oder sie mussten den Betrieb vorĂŒbergehend ganz einstellen», heißt es vom Verband. 

Der Transport werde - wo möglich - auf ZĂŒge oder Lastwagen verlagert. Allerdings seien auch deren KapazitĂ€ten begrenzt. «Dadurch verzeichnen wir steigende Transportkosten. Dank laufender Anpassung der Logistik lĂ€uft der Tankstellenbetrieb bisher auf normalem Niveau - auch im gesamten Rheingebiet.»

Die Mitgliedsunternehmen arbeiteten «permanent daran, die Belieferung von den Raffinerien nicht nur zu den Tankstellen, sondern mit den entsprechenden Produkten unter anderem auch zu Heizölkunden, FlughĂ€fen und Industrie aufrechtzuerhalten», betont HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Christian KĂŒchen.

Benzin in NRW und Hessen am teuersten 

Die höheren Kosten machen sich auch in der regionalen Spritpreisverteilung bemerkbar, wir auf dem Spritpreisportal «Tankerkönig» zu sehen ist. Die teuersten BundeslÀnder bei Benzin sind - zum Stand Dienstagmorgen - Nordrhein-Westfalen und Hessen vor Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Bei Diesel liegen NRW und Hessen auf Platz zwei. Und auch auf Landkreisebene fĂ€llt auf, dass sich - insbesondere bei Benzin - die teuren Gegenden in der westlichen HĂ€lfte Deutschlands ballen, wĂ€hrend es in Bayern - vor allem in seiner sĂŒdlichen HĂ€lfte - am gĂŒnstigsten ist. Die Unterschiede betragen dabei einige Cent - bei Benzin sind es zwischen Bayern und NRW beziehungsweise Hessen rund 7 Cent, bei Diesel rund 8.

Europas wichtigste Wasserstraße

Das Niedrigwasser, gerade am Rhein, setzt der deutschen Wirtschaft zunehmend zu. Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße. Bei niedrigen PegelstĂ€nden können Schiffer weniger Ladung aufnehmen, wodurch Transportkosten steigen, die Belieferung der Industrie mit Vorprodukten erschwert wird und Lieferketten unter Druck geraten.

Derzeit erschwert zudem die Generalsanierung der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite das Verlagern von Transporten auf die Schiene. Dadurch stehen zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet nur die zwei Gleise der linksrheinischen Strecke zur VerfĂŒgung, sonst sind es vier Gleise - das verschĂ€rft die Lage. Die Bauarbeiten sollen noch bis Dezember laufen. 

Lockerung des Sonntagsfahrverbots

Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen in mehreren BundeslĂ€ndern schafft nach EinschĂ€tzung des Logistikverbands BGL zwar mehr FlexibilitĂ€t fĂŒr wichtige Lieferungen, aber keine zusĂ€tzlichen FahrerkapazitĂ€ten.

Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten das Fahrverbot bereits ab dem vergangenen Wochenende vorĂŒbergehend gelockert. Baden-WĂŒrttemberg und Bayern handeln wie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zum kommenden Wochenende. Sachsen hingegen lehnt eine generelle Lockerung ab und verweist auf mögliche Ausnahmegenehmigungen.

Am Mittwoch will Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) mit seinen Amtskollegen in den LĂ€ndern ĂŒber weitere Maßnahmen gegen die Folgen des Niedrigwassers beraten. Am Montag hatte er dazu gesagt: «Wir versuchen, so viel wie möglich umzusetzen, um jetzt fĂŒr Entlastung zu sorgen.» Man habe kurzfristig «doch einige Möglichkeiten, um hoffentlich gut ĂŒber diese schwierigen Wochen im August zu kommen», so der Minister weiter.

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