ROUNDUP, Tarifpoker

Mehr Geld fĂŒr Landes-BeschĂ€ftigte

09.12.2023 - 16:08:12

(durchgÀngig aktualisiert)POTSDAM - Durchbruch nach tagelangen Verhandlungen: Die BeschÀftigten des öffentlichen Dienstes der LÀnder erhalten Sonderzahlungen und eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent.

(durchgÀngig aktualisiert)

POTSDAM (dpa-AFX) - Durchbruch nach tagelangen Verhandlungen: Die BeschÀftigten des öffentlichen Dienstes der LÀnder erhalten Sonderzahlungen und eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent. Das teilten die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher LÀnder (TdL) am Samstag nach dreitÀgigen GesprÀchen in Potsdam mit. "Wir haben jetzt ein Verhandlungsergebnis, das wertig ist", sagte der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke. Es sei "wirklich herausragend".

Alle BeschĂ€ftigten des öffentlichen Dienstes seien derzeit gleichermaßen von hohen Preisen betroffen, so Werneke. Demzufolge sind Inflationsausgleichszahlungen von insgesamt 3000 Euro geplant. Im Dezember sollen 1800 Euro fließen oder zumindest angewiesen werden; das Geld könnte auch erst im neuen Jahr auf den Konten ankommen. Von Januar bis Oktober 2024 gibt es monatliche Zahlungen von jeweils 120 Euro.

Was noch beschlossen wurde

Ab 1. November 2024 steigen die Einkommen der mehr als eine Million BeschĂ€ftigten um einen Sockelbetrag von 200 Euro. Dies ist vor allem fĂŒr die unteren Lohngruppen von Bedeutung. Ab 1. Februar 2025 kommt darauf eine weitere Entgelterhöhung von 5,5 Prozent. Die Laufzeit betrĂ€gt 25 Monate bis Oktober 2025.

Werneke zeigte sich zuversichtlich, dass mit dem Abschluss dem "grassierenden ArbeitskrÀftemangel" begegnet werden könne. Der Chef des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, hatte beklagt, dass bereits 300 000 BeschÀftigte im Verwaltungsdienst fehlten.

Hohe Kosten fĂŒr die LĂ€nder

FĂŒr die LĂ€nder bedeutet der Abschluss Mehrkosten von 23,9 Milliarden, wie der LĂ€nder-VerhandlungsfĂŒhrer, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mitteilte. Er beschrieb die Gratwanderung der LĂ€nder so: "Die öffentlichen Haushalte befinden sich im Krisenmodus, gleichzeitig wird es fĂŒr uns als LĂ€nder schwieriger, Personal zu gewinnen und zu halten." Es handele sich um ein "insgesamt herausforderndes Ergebnis", allerdings sei es ĂŒber drei Haushaltsjahre betrachtet machbar.

Verdi-Chef Werneke zeigte sich zufrieden, dass das Einkommen der Landes-BeschÀftigten nun an den Lohn der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Bund und Kommunen anschlössen. "Bund, LÀnder und Kommunen - das ist aus unserer Sicht ein öffentlicher Dienst." Im April hatten die Gewerkschaften mit Bund und Kommunen einen entsprechenden Abschluss mit Sonderzahlungen, Sockelbetrag und 5,5 Prozent mehr Lohn abgeschlossen.

Ruhe an der Streikfront

Weitere Warnstreiks sind mit dem Abschluss vom Tisch. Werneke sagte, das Tarifergebnis sei durch eine enorme Mobilisierung zustande gekommen. "Es ist ein Ergebnis, das sich die BeschÀftigten selbst erkÀmpft haben." Wochenlang hatten BeschÀftigte Hochschulen, UniversitÀtskliniken und andere LÀnder-Einrichtungen bestreikt. Dies zeige, dass Gewerkschaften wirkten, sagte Werneke.

Silberbach zeigte sich froh, dass die BeschĂ€ftigten nun nicht in sogenannte "Erzwingungsstreiks" gehen mĂŒssten. Nach dem bundesweiten Bahnstreik und angesichts der aktuellen Haushaltskrise hatte er bereits im Vorfeld auf einen Abschluss in diesem Jahr gedrungen: "Weihnachten ist das Fest des Friedens und der Freude." Deswegen sei es erfreulich, dass nun unter dem Konflikt "ein Haken" gesetzt werde.

Mehr Geld auch fĂŒr Azubis

Auszubildende und Praktikanten erhalten dem Abschluss zufolge im Dezember einen Inflationsausgleich von 1000 Euro. Ausbildungsentgelte steigen ab November 2024 um 100 Euro und spĂ€ter noch einmal um 50 Euro. FĂŒr studentische HilfskrĂ€fte soll zudem in zwei Stufen ein Mindest-Stundenlohn von 13,98 Euro eingefĂŒhrt werden.

Der Abschluss der LĂ€nder soll nun auch auf die Beamtinnen und Beamten ĂŒbertragen werden - betroffen sind damit mehr als drei Millionen BeschĂ€ftigte.

@ dpa.de