Vier Tote in Hochwassergebieten geborgen - Gefahr im Osten Bayerns
03.06.2024 - 21:01:54 | dpa.de(DurchgÀngig aktualisiert)
REICHERTSHOFEN/RUDERSBERG/SCHORNDORF (dpa-AFX) - Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich am Montag in Oberbayern ein Bild von den dramatischen Ăberschwemmungen gemacht. Die Hochwasserlage im SĂŒden Deutschlands - in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg - ist weiter dynamisch und teils unĂŒbersichtlich. Viele kleine Gemeinden sind betroffen, Tausende Helfer weiter im Einsatz. Vier Todesopfer wurden bislang geborgen, wobei nicht bei allen feststeht, ob sie aufgrund des Hochwassers ums Leben kamen.
In Baden-WĂŒrttemberg konnten die Behörden auĂer in Oberschwaben und im AllgĂ€u im Verlauf des Tages zunehmend Hoffnung machen und Warnungen aufheben. Innenminister Thomas Strobl (CDU) bezeichnete die Lage im Land als "angespannt statisch". In Bayern verlagert sich die Gefahr derweil immer weiter nach Osten, wo laut MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) das Schlimmste noch bevorsteht. Regensburg an der Donau und Rosenheim riefen den Katastrophenfall aus.
Lemke: Starkregen und Hochwasser "immer hÀufiger und heftiger"
Angesichts der schweren Ăberflutungen in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) ein neues Gesetz zum besseren Schutz vor Hochwasser in Deutschland angekĂŒndigt. "Es wird immer deutlicher, dass wir uns gegen die Folgen der Klimakrise besser schĂŒtzen mĂŒssen", teilte Lemke am Montag schriftlich mit. "DafĂŒr brauchen wir auch ein neues Hochwasserschutzgesetz." Hierzu gebe es bereits "intensive GesprĂ€che" mit den BundeslĂ€ndern. Aus ihrem Ministerium hieĂ es, dass mit dem geplanten Gesetz die bereits bestehenden Vorschriften zum Hochwasserschutz weiterentwickelt werden sollen.
Betroffen seien etwa Regeln zur Festlegung von Ăberschwemmungsgebieten. Auch die Regeln, die generell in diesen Gebieten gelten, seien auf dem PrĂŒfstand. Ministerin Lemke betonte den groĂen Handlungsbedarf. In Deutschland und weltweit wĂŒrden Starkregen und Hochwasser "immer hĂ€ufiger und heftiger".
Zwei Tote in Keller in Baden-WĂŒrttemberg geborgen
EinsatzkrĂ€fte bargen in Baden-WĂŒrttemberg am Montag zwei Tote in einem leer gepumpten Keller in Schorndorf im besonders vom Hochwasser betroffenen Rems-Murr-Kreis. Es handele sich um einen 58-jĂ€hrigen Hausbewohner und seine 84 Jahre alte Mutter, teilte die Polizei am Montag in Aalen mit. Laut Zeugenaussagen seien beide am Sonntagabend damit beschĂ€ftigt gewesen, in das Haus eingedrungenes Wasser im Keller abzupumpen.
Unweit vom Ort des Kanzlerbesuchs haben RettungskrÀfte in Schrobenhausen am Montag eine Leiche im Keller eines Hauses entdeckt. Die gestorbene 43-JÀhrige war das zweite Opfer der Fluten, das bekannt wurde. Bereits am Sonntagmorgen war in Pfaffenhofen an der Ilm ein Feuerwehrmann tot geborgen worden, der bei einer Rettungsaktion ums Leben kam. Ein anderer Feuerwehrmann wird weiter vermisst.
Scholz und Faeser besuchen das Flutgebiet
Bei seinem Besuch im bayerischen Reichertshofen sicherte Bundeskanzler Scholz den Betroffenen seine UnterstĂŒtzung zu. SolidaritĂ€t sei das, "was wir als Menschen am meisten brauchen", sagte er. "Wir werden alles dazu beitragen, auch mit den Möglichkeiten des Bundes, dass hier schneller weiter geholfen werden kann." Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) waren ebenfalls vor Ort. Sie sei beeindruckt, wie gut die RettungskrĂ€fte zusammenarbeiten, sagte Faeser.
Auswirkungen auf Schulen und Bahnverkehr
In etlichen Schulen in Bayern fĂ€llt auch am Dienstag der PrĂ€senzunterricht aus. Die UnwetterschĂ€den beeintrĂ€chtigten weiterhin den Verkehr. Die Deutsche Bahn rĂ€t von Fahrten nach SĂŒddeutschland ab. Bei den Fernverkehrsverbindungen kommt es zu ZugausfĂ€llen, der Fernverkehr könne MĂŒnchen von Norden und Westen nicht anfahren.
Regensburg und Rosenheim lösen Katastrophenfall aus
In Bezug auf die Gefahren des Hochwassers verlagert sich in Bayern der Fokus stÀrker auf den Osten des Freistaats. Söder mahnte, auch wenn mancherorts schon die AufrÀumarbeiten starteten, drohten anderswo weiter DÀmme zu brechen oder durchzuweichen. Und im Osten stehe das Schlimmste noch bevor. "Wir sehen, dass das Hochwasser jetzt wandert", sagte er - und zwar in Richtung Regensburg. "Die werden steigen, die Pegel." Die Stadt Regensburg hatte am Morgen bereits den Katastrophenfall ausgelöst.
Auch der Landkreis Rosenheim rief am Montagabend den Katastrophenfall aus. In der Gemeinde Rohrdorf wurde am Abend die Evakuierung von HĂ€usern in einer WohnstraĂe vorbereitet. In der Stadt Rosenheim galt die Situation am Abend als "diffus", teilte ein Sprecher mit. "Momentan lĂ€sst sich noch schwer abschĂ€tzen, wie sich die Hochwasserlage weiterentwickelt", sagte OberbĂŒrgermeister Andreas MĂ€rz (CSU).
Keine Entwarnung, aber Hoffnung in Baden-WĂŒrttemberg
Nach weiteren RegenfĂ€llen in der Nacht hatte sich die Lage in Baden-WĂŒrttemberg vor allem an Rems und Murr, im Ostalbkreis und dem Kreis Göppingen sowie in Oberschwaben zunĂ€chst noch verschĂ€rft. Vorsorglich wurden Menschen in mehreren Gemeinden aus ihren HĂ€usern gebracht. SpĂ€ter stufte der Krisenstab die Hochwasserlage zurĂŒck. Ein GroĂteil der Menschen konnte in die HĂ€user zurĂŒckkehren.
Feuerwehrleute retteten in Ebersbach an der Fils mehr als elf von Fluten eingeschlossene Menschen. Mehrere hĂ€tten sich zudem selbst oder mithilfe von Nachbarn in Sicherheit bringen können, sagte ein Sprecher des Landkreises Göppingen am Montagabend. Einige StraĂen seien bis zu drei Meter ĂŒberflutet und zahlreiche GebĂ€ude evakuiert worden. Nennenswert verletzt worden sei nach aktuellem Stand aber niemand.
Baden-WĂŒrttembergs MinisterprĂ€sident Winfried Kretschmann (GrĂŒne) stimmte die Menschen im Land auf immer hĂ€ufigere Hochwasserlagen ein. "Wir mĂŒssen damit rechnen, dass wir so was hĂ€ufiger bekommen", sagte der GrĂŒnen-Politiker bei einem Besuch in der besonders betroffenen Gemeinde Meckenbeuren. Das sei schlicht ein Ergebnis des Klimawandels.
Wie geht es weiter?
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet bis Dienstagnacht im SĂŒden Bayerns zum Teil mit Stark- oder Dauerregen und einzelnen krĂ€ftigen Gewittern. Im Tagesverlauf soll es stellenweise noch etwas Regen oder einzelne Schauer geben.
FĂŒr ganz Baden-WĂŒrttemberg hob der DWD seine Unwetterwarnungen vor Dauerregen am Abend auf. "Die Dauerregenlage ist beendet", sagte ein DWD-Meteorologe am Montagabend in Stuttgart. In der Nacht beruhige sich das Wetter und es breite sich Hochdruckeinfluss aus. Auch im AllgĂ€u klinge der Regen ab. "Dort ist eine Menge Regen gefallen, aber das ist jetzt zu Ende."
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