Trump will bald neue Halbleiter-Zölle ankĂŒndigen
14.04.2025 - 08:06:52(durchgehend aktualisiert)
WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump will in KĂŒrze neue Sonderzölle im Bereich der Halbleiterindustrie ankĂŒndigen. "Ich werde das im Laufe der kommenden Woche bekanntgeben", erklĂ€rte der Republikaner gegenĂŒber Reportern und betonte, in der Sache sei "eine gewisse FlexibilitĂ€t" erforderlich. Auf die Frage, ob diese FlexibilitĂ€t auch fĂŒr bestimmte Produktgruppen gelten werde, antwortete Trump: "FĂŒr einige Produkte, ja, vielleicht." Welche genau, lieĂ er offen - und verwies lediglich darauf, entsprechende Details "in nicht allzu ferner Zukunft" mitzuteilen. Halbleiter werden als zentraler Bestandteil in nahezu allen modernen elektronischen GerĂ€ten verbaut.
Das WeiĂe Haus hatte bereits zuvor signalisiert, dass Trump bald neue Abgaben fĂŒr bestimmte Warengruppen verhĂ€ngen könnte, die von seinem umfassenden MaĂnahmenpaket ausgenommen worden waren, das aktuell ohnehin teilweise pausiert ist. Zu den betroffenen Warengruppen zĂ€hlen neben Halbleitern unter anderem auch Arzneimittel.
Trump nach Zoll-Ausnahme: Das war keine "Ausnahme"
Trumps Aussage zu den Halbleiter-Zöllen folgt einiger Verwirrung um eine Ausnahme fĂŒr Smartphones, Laptops und anderen wichtigen Elektronikprodukte von manchen der US-Sonderzölle. Laut einem Dokument der US-Zollbehörde CBP gilt diese Erleichterung rĂŒckwirkend ab dem 5. April - und betrifft auch Zölle auf Waren aus China. Insgesamt ist von 20 Produktgruppen und Unterkategorien die Rede. FĂŒr amerikanische Anbieter von Computertechnik war das eine erfreuliche Nachricht, da sie ihre GerĂ€te gröĂtenteils in Asien - insbesondere in China - fertigen lassen.
Als Reaktion auf die Berichterstattung erklĂ€rte Trump dann allerdings am Sonntag, es handle sich mitnichten um eine Ausnahme. Die in dem Dokument genannten Produktgruppen wĂŒrden lediglich in einen anderen "Eimer" verschoben und unterlĂ€gen auĂerdem weiterhin den "Fentanyl-Zöllen" von 20 Prozent auf Importe aus China. Diese bereits lĂ€nger bestehenden Abgaben stehen im Zusammenhang mit Trumps Vorwurf, aus China gelange die gefĂ€hrliche synthetische Droge Fentanyl in die USA.
Berater spricht von Haarspalterei
Auch das Team des US-PrĂ€sidenten bemĂŒhte sich nach Bekanntwerden des CBP-Dokuments, den Eindruck eines weiteren zollpolitischen RĂŒckziehers zu zerstreuen. WĂ€hrend Wirtschaftsberater Peter Navarro beim Sender NBC News wörtlich sagte: "Es gibt keine Ausnahmen" und die Debatte als Haarspalterei abtat, rĂ€umte Handelsminister Howard Lutnick beim Sender ABC News zwar die entsprechende Ausnahme ein - betonte jedoch, dass neue Zölle fĂŒr Halbleiter und Arzneimittel bereits in Vorbereitung seien. Auf die Frage, ob die Ausnahme fĂŒr Smartphones, Laptops und Co also nur temporĂ€r sei, antwortete Lutnick: "Das ist richtig."
Keine Pause fĂŒr China
Trump schrieb wenig spÀter auf seiner Plattform Truth Social, man nehme derzeit die gesamte Lieferkette im Bereich Halbleiter genau unter die Lupe. "Wir werden uns nicht von anderen LÀndern als Geisel nehmen lassen", schrieb Trump - "insbesondere nicht von feindlichen Handelsnationen wie China".
Noch bevor die Ausnahme fĂŒr bestimmte Elektronikprodukte - die Trump nicht als solche gelten lassen will - öffentlich geworden war, war der PrĂ€sident gegenĂŒber mehreren Handelspartnern zurĂŒckgerudert und hatte Teile seiner zuvor groĂ angekĂŒndigten Sonderzölle fĂŒr 90 Tage ausgesetzt.
China war davon aber explizit ausgenommen. Inklusive der "Fentanyl-Zölle" erhebt die US-Regierung inzwischen Zusatzabgaben von bis zu 145 Prozent auf Importe aus der Volksrepublik. Peking kĂŒndigte seinerseits Gegenzölle von bis zu 125 Prozent auf US-Waren an.
Navarro: "Genau so, wie wir es uns vorgestellt haben"
Navarro verteidigte die kommunikative Zickzacklinie der Regierung als durchdachte Strategie: "Es entwickelt sich genau so, wie wir es uns vorgestellt haben", sagte er bei NBC News. Zahlreiche LĂ€nder stĂŒnden Schlange, um neue Handelsabkommen mit den USA auszuhandeln - "90 Deals in 90 Tagen" seien möglich.
Als Beispiele nannte er unter anderem Israel, GroĂbritannien, die EuropĂ€ische Union, Indien, Japan - und zunĂ€chst auch Nordkorea, was er jedoch auf Hinweis der Moderatorin hin zu SĂŒdkorea korrigierte. Eine Frage zu den Sorgen vieler Amerikaner, die angesichts der Marktturbulenzen um ihre Altersvorsorge und steigende Preise fĂŒr AlltagsgĂŒter fĂŒrchten, beantwortete er nicht.
Demokratin: "Alles nur Chaos und Korruption"
Das Hin und Her sorgt nicht nur international fĂŒr Verunsicherung an den Börsen, sondern trifft auch US-Unternehmen und Verbraucher. Entsprechend deutlich fĂ€llt die Kritik der Demokraten aus, die im Kongress in beiden Kammern in der Minderheit sind.
"Mit einem Plan im Kopf, einem Ziel vor Augen können Zölle ein Werkzeug im wirtschaftlichen Werkzeugkasten sein", sagte etwa die demokratische Senatorin Elizabeth Warren beim Sender ABC News. Eine konsistente Zollpolitik sei aber nicht erkennbar. "Das ist alles nur Chaos und Korruption", kritisierte sie und fragte mit Blick auf die Trump-Regierung: "Wie kann man nur einem dieser Typen glauben?" Aufgrund der extremen Marktschwankungen, die mit Trumps Zoll-AnkĂŒndigungen einhergehen, haben Warren und andere fĂŒhrende Demokraten eine Untersuchung darĂŒber gefordert, ob Mitglieder seiner Regierung sich möglicherweise unrechtmĂ€Ăig an der Börse bereicherten.
Abgesehen von möglichen Interessenkonflikten stellt sich die Frage, ob das Ziel der Trump-Regierung, mit Hilfe von Zöllen die heimische Produktion zu stĂ€rken, ĂŒberhaupt realistisch ist. Branchenexperten halten etwa Lutnicks Vorstellung, iPhones kĂŒnftig mit Hilfe von Robotern in den USA fertigen zu lassen, fĂŒr wenig realistisch. Es mangele an FachkrĂ€ften, Zulieferern und geeigneter Infrastruktur. Zudem dĂŒrfte eine Verlagerung der Produktion in die USA die GerĂ€te deutlich verteuern.

