E-Rechnungspflicht, Versandpflicht

E-Rechnungspflicht: Versandpflicht ab 2027 für große Unternehmen

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 00:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Unternehmen suchen verstärkt Spezialisten für Buchhaltung und SAP. Cashflow-Optimierung und die Digitalisierung der Rechnungsprozesse treiben den Wandel.

Fachkräftemangel im Finanzwesen: SAP-Experten und Buchhalter gesucht
Finanzfachkräfte arbeiten an Laptops in einem modernen Büro, Bildschirme zeigen Finanzdaten und Charts. Fokus auf Teamarbeit und Technologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Unternehmen suchen händeringend Experten für Treuhand- und Debitorenbuchhaltung sowie SAP-Spezialisten. Gleichzeitig rücken Cashflow-Optimierung und die gesetzlich verordnete Digitalisierung der Rechnungsabwicklung in den Fokus.

Personalsuche in Kernbereichen intensiviert sich

Die Nachfrage erstreckt sich quer durch alle Branchen und Regionen. Mitte Juli zeigen aktuelle Vakanzen den Bedarf sowohl im öffentlichen Sektor als auch in der Privatwirtschaft.

Die BIG Städtebau GmbH in Kronshagen sucht Unterstützung für die Treuhandbuchhaltung. Die Aufgaben reichen von der Rechnungsprüfung bis zum Fördermittelabruf. Parallel besetzt die Stadtentwässerung Dresden GmbH eine unbefristete Stelle im Debitoren- und Forderungsmanagement – inklusive Führung der Nebenbuchhaltung und Weiterentwicklung von ERP-Systemen.

Auch im Consulting-Bereich bleibt die Nachfrage hoch. Für ein Projekt bei einem öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut in Frankfurt wird ein Senior SAP Banking Finance Consultant gesucht. Gefragt sind langjährige Erfahrung im Bankwesen und fundierte SAP-FI-Kenntnisse. Die Ausschreibungen zeigen: Neben klassischen buchhalterischen Fähigkeiten sind zunehmend IT-Kompetenzen und Branchenwissen gefragt.

Cashflow und digitale Transformation als strategische Prioritäten

Der Collectia CFO Outlook 2026 liefert klare Zahlen: Für 65 Prozent der deutschen Finanzverantwortlichen hat die Verbesserung des Cashflows oberste Priorität. Das ist der höchste Wert im Vergleich zu drei weiteren untersuchten Märkten.

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Doch die Realität sieht anders aus: Über 25 Prozent der Befragten arbeiten im Kredit- und Inkassobereich noch weitgehend manuell. Mehr als die Hälfte der CFOs will deshalb in automatisierte Inkassoprozesse investieren. 68 Prozent zeigen Interesse an Echtzeit-Dashboards zur Finanzsteuerung.

Der Treiber für die Transformation ist klar: die gesetzliche Roadmap für das digitale Meldesystem. Seit Anfang 2025 besteht die Empfangspflicht für E-Rechnungen. 2027 folgt die Versandpflicht für große Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz. Bis 2028 soll diese Pflicht für alle Unternehmen gelten. Ab Juli 2030 kommt dann das umfassende digitale Meldesystem für die Umsatzsteuer auf Basis eines 5-Corner-Modells.

Branchenexperten beziffern das jährliche Einsparpotenzial durch diese Umstellung auf bis zu 13.500 Euro pro Unternehmen. Beratungsunternehmen wie die Consult-SK GmbH bieten bereits digitale Tools zur Prüfung der Betroffenheit und zur Formatwahl an.

Stabile Zahlungsmoral bei wachsendem regulatorischem Druck

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen zeigt sich die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen stabil. Creditreform-Daten für das erste Quartal 2026 belegen einen durchschnittlichen Zahlungsverzug von 7,7 Tagen – auf Vorjahresniveau.

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Die Unterschiede zwischen den Branchen sind jedoch deutlich. Die Chemie- und Kunststoffbranche hat mit 4,9 Tagen die beste Zahlungsmoral. Das Baugewerbe liegt mit 15,0 Tagen Verzug am Ende der Skala. Regional betrachtet verzeichnet Rheinland-Pfalz mit 6,1 Tagen den niedrigsten und Mecklenburg-Vorpommern mit 10,9 Tagen den höchsten Zahlungsverzug.

Gleichzeitig erhöhen die Aufsichtsbehörden den Druck. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) rügte jüngst den Handelskonzern Edeka wegen überlanger Zahlungsziele gegenüber Lieferanten. In 245 geprüften Fällen hatten die Zahlungsfristen mehr als 60 Tage betragen. Das Unternehmen passte die Fristen nach einem Auskunftsverlangen an – die Entscheidung ist noch nicht bestandskräftig.

Die Botschaft ist klar: Forderungsmanagement ist nicht nur eine Frage der Liquidität. Es wird zunehmend zum Gegenstand regulatorischer Compliance.

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