EBM-Papst-Verkauf, Betriebsrat

EBM-Papst-Verkauf: Betriebsrat kritisiert Informationspolitik zum US-Deal

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EBM-Papst-Verkauf an Madison Air: Betriebsrat bemängelt Informationspolitik. 4,78 Mrd. Euro Deal, Standortzusagen für Mulfingen und Landshut.

EBM-Papst-Verkauf: Betriebsrat kritisiert Informationspolitik
Arbeiter in einer modernen Produktionshalle eines Ventilatorenherstellers bei der Arbeit an industriellen Bauteilen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Betriebsrat des Ventilatorenherstellers EBM-Papst hat Mitte August die Informationspolitik der Unternehmensleitung im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf an den US-Konzern Madison Air kritisiert.

Die Arbeitnehmervertreter äußerten Besorgnis über die künftige Situation der Belegschaft, nachdem Details zur Übernahme bekannt wurden. Der Deal sieht einen Verkaufspreis von 4,78 Milliarden Euro vor, wobei die Bewertung des Unternehmens (Enterprise Value) mit 5,1 Milliarden Euro beziffert wird.

Transaktionsdetails und Auswirkungen auf die Standorte

Der Abschluss der Übernahme durch Madison Air ist bis zum Ende des laufenden Jahres geplant, steht jedoch noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Im Rahmen der Vereinbarung sollen die Eigentümerfamilien Sturm, Ziehl und Philippiak eine Summe von knapp 4,8 Milliarden Euro erhalten. Trotz des Eigentümerwechsels wurde vereinbart, dass der Hauptsitz des Unternehmens in Mulfingen bestehen bleibt.

Für die rund 13.000 Mitarbeiter von EBM-Papst, von denen etwa 5.800 in Deutschland beschäftigt sind, gibt es erste Zusagen bezüglich der Standortsicherheit. So soll der Standort Landshut mit seinen 900 Mitarbeitern erhalten bleiben.

Zudem wurde mitgeteilt, dass bestehende Tarife und Betriebsvereinbarungen von dem Verkauf unberührt bleiben sollen. Der Käufer Madison Air beschäftigt derzeit rund 9.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet 95 Prozent seines Umsatzes auf dem amerikanischen Markt.

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Strategische Hintergründe und wirtschaftliche Treiber

Der Verkauf von EBM-Papst gilt als der drittgrößte Veräußerungsvorgang eines deutschen Familienunternehmens. Geschäftsführer Geißdörfer erläuterte, dass der Zusammenschluss einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt ermögliche. Als wesentlicher Treiber für das Geschäft gilt der anhaltende Boom in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Rechenzentren, für die spezialisierte Kühl- und Belüftungssysteme benötigt werden.

Madison Air kalkuliert im Zuge der Integration mit Kostensynergien in Höhe von 140 Millionen Euro. Die Finanzierung der Transaktion wird durch die Kreditinstitute Unicredit und Wells Fargo sichergestellt.

Für den Fall, dass der Deal scheitern sollte, wurde eine Entschädigungszahlung in Höhe von 250 Millionen Euro vereinbart. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte EBM-Papst einen Umsatz von 2,24 Milliarden Euro erzielen, was einer Steigerung von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

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Kritische Stimmen zu Konzernstrukturen in der Industrie

Die Diskussion um die strategic Ausrichtung und Informationspolitik bei großen Industrieunternehmen beschäftigt derzeit auch andere Konzerne. Bei Siemens äußerte sich der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Tobias Bäumler in der laufenden Woche kritisch zu früheren Weichenstellungen. Er bezeichnete die unter der früheren Konzernleitung zwischen 2018 und 2020 vollzogenen Abspaltungen von Siemens Healthineers und Siemens Energy als strategischen Fehler. Beide Einheiten hätten sich seitdem hervorragend entwickelt, was laut Bäumler gegen die damalige Trennung spricht.

Gleichzeitig bewertete die Arbeitnehmervertretung bei Siemens den aktuellen Transformationsprozess unter dem jetzigen Vorstandsvorsitzenden Roland Busch positiv. Dieser markiere einen Paradigmenwechsel hin zu einer stärkeren Fokussierung auf Technologie und Künstliche Intelligenz.

Die jüngsten Geschäftszahlen unterstreichen die Dynamik in diesem Sektor: Siemens Energy verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatz von 11,45 Milliarden Euro, was einem Plus von 18,5 Prozent entspricht, während das Ergebnis um 63,6 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro stieg.

Die Siemens AG meldete für denselben Zeitraum einen Umsatz von 20,79 Milliarden Euro und eine Ergebnissteigerung um 25 Prozent auf 3,52 Milliarden Euro.

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