Echtzeit-Überweisungen: 102-Prozent-Sprung auf 680 Millionen
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Bundesbank hat am 8. August 2026 ihre Zahlungsverkehrsstatistik für das Jahr 2025 vorgelegt. Die Daten belegen eine fortschreitende Digitalisierung des Bezahlverhaltens in Deutschland. Demnach stieg die Anzahl der Kartenzahlungen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf insgesamt 14,5 Milliarden Transaktionen. Damit machten Kartenzahlungen im Berichtszeitraum 43 Prozent aller bargeldlosen Transaktionen aus.
Dynamik bei Echtzeit-Überweisungen und klassischen Verfahren
Besonders hohe Wachstumsraten verzeichneten die sogenannten SEPA Instant Payments. Die Anzahl der Echtzeit-Überweisungen stieg um 102 Prozent auf 680 Millionen Transaktionen. Noch deutlicher fiel das Plus beim transferierten Wert aus: Dieser erhöhte sich um 141 Prozent auf ein Volumen von 610 Milliarden Euro.
Hintergrund dieser Entwicklung ist unter anderem die regulatorische Rahmensetzung im Euroraum. Seit dem 9. Oktober 2025 sind Kreditinstitute dazu verpflichtet, das Senden und Empfangen von Echtzeitüberweisungen ohne Aufpreis zu ermöglichen. Die Gutschrift muss dabei innerhalb von maximal 10 Sekunden an 365 Tagen im Jahr erfolgen. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Empfängerprüfung eingeführt, bei welcher die Bank den Namen des Empfängers gegen die IBAN prüft und bei Abweichungen warnt. Für Unternehmen besteht hierbei eine Opt-out-Möglichkeit. Kritiker bemängelten zuletzt jedoch, dass die entsprechenden Warnhinweise teils unklar formuliert seien.
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Klassische Überweisungen legten im Jahr 2025 moderat um 3 Prozent auf 7,8 Milliarden zu, während das Lastschriftaufkommen um 1 Prozent auf 10 Milliarden Transaktionen stieg.
Strukturwandel im Handel und Rückzug des Bargelds
Die Veränderung der Infrastruktur spiegelt den Trend zu digitalen Zahlungen wider. Die Anzahl der POS-Terminals im Handel erhöhte sich um 11 Prozent auf 1,3 Millionen Geräte. Im Gegensatz dazu verringerte sich die Anzahl der Geldautomaten um 3 Prozent auf 48.000 Standorte.
Der Anteil der Barzahlungen ist im Jahr 2025 auf 45 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Vor zwei Jahrzehnten lag dieser Wert noch bei 83 Prozent. Trotz der sinkenden Nutzung gaben 80 Prozent der Deutschen in Umfragen an, Bargeld als Option behalten zu wollen, wenngleich nur 25 Prozent es als primäres Zahlungsmittel bevorzugen. Eine Petition zum Erhalt des Bargelds sammelte rund 350.000 Unterschriften. Auch im öffentlichen Sektor zeigt sich der Wandel: Von 30 untersuchten Behördenstellen boten 8 bereits keine Barzahlung mehr an.
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Zudem wird der rechtliche Rahmen für Bargeldtransaktionen enger gefasst. Ab dem Sommer 2027 greift eine EU-weite Bargeldobergrenze. Zahlungen über 10.000 Euro in bar sind dann untersagt, während bei Beträgen zwischen 3.000 und 10.000 Euro eine Ausweispflicht besteht.
Markteintritt von Wero und Zugriff auf Finanzdaten
Ein weiterer Faktor im digitalen Zahlungsverkehr ist die europäische Lösung Wero (EPI). Das System ist seit Juli 2024 in Deutschland, Belgien und Frankreich verfügbar; ein Start in Luxemburg ist für den 1. September 2026 angekündigt. Aktuell verzeichnet das System über 50 Millionen Nutzer und 100 Millionen Transaktionen mit einem Gesamtwert von 7,5 Milliarden Euro.
Insgesamt 18 Banken sind an der Initiative beteiligt. Die Akzeptanz im Handel weitete sich zuletzt aus; so wird das Verfahren unter anderem bei Lidl, Amazon, Decathlon, Eventim und Flixbus eingesetzt. Mit einer Gebühr von 0,77 Prozent positioniert sich das System unter den Kostenstrukturen anderer Anbieter, die teils zwischen 1 und 2,5 Prozent verlangen.
Parallel zur Zunahme digitaler Transaktionen ist auch das Interesse an Kontoinformationen gestiegen. Behörden verzeichneten zuletzt 2,6 Millionen Zugriffe auf Finanzdaten, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Wert von vor fünf Jahren darstellt, als noch 1 Million Zugriffe registriert wurden.
