Deutschland, Konjunktur

Konjunktur-DĂ€mpfer erwartet - Stimmungseinbruch in Branchen

15.05.2026 - 10:54:00 | dpa.de

Eigentlich sollte es in diesem Jahr wirtschaftlich bergauf gehen. Der Iran-Krieg aber bremst das Wachstum. Die Folgen des Konflikts dĂŒrften noch lĂ€nger spĂŒrbar sein.

  • Die Bundesregierung erwartet einen deutlichen Konjunktur-DĂ€mpfer im zweiten Quartal. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa
    Die Bundesregierung erwartet einen deutlichen Konjunktur-DĂ€mpfer im zweiten Quartal. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa
  • LieferengpĂ€sse setzen dem Wohnungsbau zu. (Archivbild) - Foto: Carsten Hoefer/dpa
    LieferengpÀsse setzen dem Wohnungsbau zu. (Archivbild) - Foto: Carsten Hoefer/dpa
  • Vor allem die energieintensive Industrie wird derzeit belastet. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
    Vor allem die energieintensive Industrie wird derzeit belastet. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
  • Wie geht es nach dem Auslaufen des Tankrabatts weiter? (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa
    Wie geht es nach dem Auslaufen des Tankrabatts weiter? (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa
Die Bundesregierung erwartet einen deutlichen Konjunktur-DÀmpfer im zweiten Quartal. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa LieferengpÀsse setzen dem Wohnungsbau zu. (Archivbild) - Foto: Carsten Hoefer/dpa Vor allem die energieintensive Industrie wird derzeit belastet. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa Wie geht es nach dem Auslaufen des Tankrabatts weiter? (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa

Die Folgen des Iran-Kriegs drĂŒcken zunehmend auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Die Bundesregierung rechnet nach einem stĂ€rker als erwarteten Start ins Jahr mit einem deutlichen Konjunktur-DĂ€mpfer im zweiten Quartal. Die Anzeichen fĂŒr eine spĂŒrbare konjunkturelle AbschwĂ€chung verdichteten sich, schreibt das Wirtschaftsministerium in einem Bericht zur wirtschaftlichen Lage in Deutschland im Mai. 

Vor mehr als drei Wochen hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose fĂŒr dieses Jahr bereits halbiert. Erwartet wird nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Die Eskalation im Nahen Osten habe Deutschland wie auch andere LĂ€nder wirtschaftlich zurĂŒckgeworfen, hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gesagt. Der Krieg im Iran treibe die Preise fĂŒr Energie und Rohstoffe in die Höhe.

Zu Jahresbeginn war die deutsche Wirtschaft noch deutlicher gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte nach Daten des Statistischen Bundesamts im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu. 

PreissprĂŒnge und hohe Unsicherheit

Im Monatsbericht des Ministeriums heißt es nun, aktuelle Indikatoren deuteten auf einen deutlichen DĂ€mpfer im zweiten Quartal hin. «Steigende Preise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit belasten die Stimmung in Unternehmen und privaten Haushalten.» In den kommenden Monaten werde weiterhin mit hoher VolatilitĂ€t an den Energie-, Rohstoff- und FinanzmĂ€rkten zu rechnen sein.

Folgen lĂ€nger spĂŒrbar

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hĂ€nge davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauere und Handelswege sowie ProduktionskapazitĂ€ten beeintrĂ€chtigt bleiben. «Aber auch nach einer Entspannung der Lage dĂŒrften die Folgen bei Energie- und Rohstoffpreisen sowie Lieferketten noch lĂ€nger spĂŒrbar sein.»

Die Stimmungsindikatoren in der deutschen Wirtschaft hĂ€tten sich seit dem Beginn des Iran-Kriegs deutlich eingetrĂŒbt, heißt es in dem Bericht. Die Furcht vor weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie zunehmend spĂŒrbare Anspannung bei Lieferketten belasteten Unternehmen.

Die Ölpreise sind seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegen. Grund ist, dass die fĂŒr den Ölhandel zentrale Straße von Hormus faktisch geschlossen ist. Verbraucher in Deutschland spĂŒren das vor allem wegen der hohen Preise an den Tankstellen. Bis Ende Juni noch gilt ein «Tankrabatt», den die Bundesregierung beschlossen hatte. Politiker der schwarz-roten Koalition hatten im Falle eines andauernden Konflikts im Nahen Osten weitere Entlastungen in Aussicht gestellt.

Jobabbau durch ProduktionsrĂŒckgang

Hohe Energiepreise belasten besonders energieintensive Industriebereiche in Deutschland - und haben zu einer geringeren Produktion sowie Jobverlusten gefĂŒhrt: Seit Februar 2022 fiel der ProduktionsrĂŒckgang in ausgewĂ€hlten Branchen wie Chemie, Papier, Glas oder Metallerzeugung mit 15,2 Prozent deutlich grĂ¶ĂŸer aus als in der gesamten Industrie mit 9,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Werte schließen den MĂ€rz dieses Jahres mit ein.

Mit dem ProduktionsrĂŒckgang gingen etliche ArbeitsplĂ€tze verloren. Im MĂ€rz 2026 arbeiteten 794.400 Menschen in energieintensiven Branchen, 6,3 Prozent weniger als im Februar 2022. Das entspricht einem Verlust von etwa 53.200 Stellen. 

Stimmung in Wohnungsbaubranche bricht ein

Belastet wird aktuell auch der Wohnungsbau. Im April brach laut einer Konjunkturumfrage die Stimmung in der deutschen Wohnungsbauwirtschaft so stark ein wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Das GeschĂ€ftsklima fiel laut MĂŒnchner Ifo-Institut von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte – der stĂ€rkste RĂŒckgang seit April 2022. 

Vor allem die Zukunftserwartungen der Unternehmen trĂŒbten sich derzeit deutlich ein, aber auch die Beurteilung der laufenden GeschĂ€fte verschlechtere sich. «Die geopolitische Unsicherheit belastet inzwischen auch den Wohnungsbau in Deutschland», sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. «Mit fragilen Lieferketten und steigenden Finanzierungskosten kommen mehrere Risiken gleichzeitig auf den Bau zu.» 

Die Sorgen um LieferengpĂ€sse nehmen den Angaben zufolge spĂŒrbar zu. Im April meldeten 9,2 Prozent der befragten Unternehmen EinschrĂ€nkungen bei der Materialversorgung – vor allem bei Grundstoffen. Zuvor hatte dieser Wert ĂŒber zwei Jahre hinweg bei lediglich rund einem Prozent gelegen.

Bundesregierung plant Reformpaket

Die Bundesregierung steht unter zunehmendem Druck, grundlegende Reformen auf den Weg zu bringen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat als PrioritĂ€t genannt, die WettbewerbsfĂ€higkeit der Unternehmen zu erhöhen. WirtschaftsverbĂ€nde drĂ€ngen mit Blick etwa auf steigende Sozialabgaben auf Entlastungen. Bis zur parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli will die Koalition ein großes Reformpaket bei Rente, Steuern, Arbeitsmarkt und BĂŒrokratieabbau auf den Weg bringen.

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