Demokratie, Gefahr

Demokratie in Gefahr? Beratergremium fĂŒr Verwaltungsreform

03.02.2025 - 11:46:06

Ein Beratergremium der Bundesregierung schlÀgt bei der Aufgabenverteilung zwischen Bund, LÀndern und Kommunen ein radikales Umdenken vor.

"Die Demokratie gerĂ€t inzwischen ins Wanken", warnte Dorothea Störr-Ritter als Mitglied des Normenkontrollrats (NKR), der sich fĂŒr eine bessere Verwaltung in Deutschland einsetzt. Sie sprach von einem "BĂŒrokratismus, dessen Sinn sich nicht mehr erklĂ€ren lĂ€sst". Das Gremium stellte in Berlin ein Gutachten vor, in dem es fĂŒr eine BĂŒndelung von ZustĂ€ndigkeiten plĂ€diert.

Derzeit sei die Verwaltung ĂŒberlastet, was unter anderem an zunehmenden Vorschriften, mangelnder Digitalisierung und hoher StörungsanfĂ€lligkeit liege, sagte Störr-Ritter. Mitarbeiter hĂ€tten ein "OhnmachtsgefĂŒhl", wenn sie Leistungen nicht erbringen könnten. HĂ€ufig seien unnötig viele Stellen an VorgĂ€ngen beteiligt, heißt es im Gutachten, was viel Abstimmung nötig mache.

"Wichtig ist, dass sich EntscheidungstrÀger aller staatlichen Ebenen konsequent die Frage stellen, wo Aufgaben jenseits hergebrachter ZustÀndigkeiten am besten verortet sein sollten, um so effizient und qualitativ hochwertig wie möglich erbracht werden zu können", schreibt der NKR.

BĂŒndelung muss nicht Zentralisierung heißen

Mehr BĂŒndelung sei nicht mit Zentralisierung oder einer Aushöhlung des Föderalismus gleichzusetzen, schreibt der Rat. Leistungen könnten auch auf kommunaler, regionaler, LĂ€nder- oder lĂ€nderĂŒbergreifender Ebene gebĂŒndelt werden.

GesetzesĂ€nderungen oder gar eine grundlegende Neuverteilung der ZustĂ€ndigkeiten zwischen Bund und LĂ€ndern seien dafĂŒr nicht nötig, so der Normenkontrollrat - auch wenn er einige ErgĂ€nzungen des Grundgesetzes fĂŒr sinnvoll hielte. Eine konsequente Umsetzung der Reform bringe ein Sparpotenzial, dass in die Milliarden Euro gehen könne, sagte die stellvertretende NKR-Vorsitzende, Sabine Kuhlmann.

Beispiel FĂŒhrerschein

In seinem Gutachten spielt der NKR mehrere Praxisbeispiele durch. So könne zum Beispiel der Weg zum FĂŒhrerschein als relativ einfache, aber sehr gefragte Verwaltungsleistung neu gestaltet werden. Derzeit unterscheide sich das Antragsverfahren je nach Kommune erheblich, teils sei dies online möglich, teils per Post, teils nur persönlich.

Mehr als einmal im Jahr komme es zu RechtsĂ€nderungen, die die beteiligten Behörden aufwendig umsetzen mĂŒssten. Den Prozess könne das Kraftfahrbundesamt mit einem digitalen Antrags- und Genehmigungsverfahren ĂŒbernehmen, schlĂ€gt der NKR vor. Wer den Antrag lieber analog stellen möchte, könnte dies in kommunalen Service Centern oder der Fahrschule tun.

Der Nationale Normenkontrollrat ist ein unabhĂ€ngiges, ehrenamtliches Beratergremium. Seine zehn Mitglieder setzen sich laut Selbstbeschreibung fĂŒr weniger BĂŒrokratie, bessere Gesetze und eine digitale Verwaltung ein.

@ dpa.de