Krabbenbrötchen, Luxusgut

Wird das Krabbenbrötchen zum Luxusgut?

14.05.2024 - 07:32:28

Ein Brötchen mit Krabben kostet mancherorts 15 Euro. Andere Betriebe bieten keine Krabben mehr an, verzichten auf Gewinn oder servieren nur geringe Mengen.

Nordseekrabben sind teuer und selten geworden. «Es ist im Moment nicht nur eine Frage des Geldes», sagte der Fischereiberater bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Philipp Oberdörffer, der Deutschen Presse-Agentur.

Demnach haben einige Discounter keine Nordseekrabben mehr im Sortiment. Auch manche Restaurants im Norden verzichten auf Krabbengerichte oder servieren nur geringe Mengen. Die Zahl der gefangenen Krabben reiche nicht fĂŒr alle aus, sagte Oberdörffer.

Bis zu 15 Euro fĂŒr ein Krabbenbrötchen

In vielen Urlaubsorten gibt es weiter Krabbengerichte, die Menschen mĂŒssen dafĂŒr aber deutlich mehr bezahlen als frĂŒher. So lag der Preis fĂŒr ein Krabbenbrötchen an den LandungsbrĂŒcken in Hamburg Anfang Mai bei bis zu 15 Euro. Auch in den Urlaubsorten TravemĂŒnde und Timmendorfer Strand kostete das bei Touristen beliebte Brötchen Ă€hnlich viel.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und GaststÀttenverbandes (Dehoga) Schleswig-Holstein sind die Krabbenpreise aktuell hoch. Demnach geben die meisten Gastronomen die Preissteigerungen allerdings nicht an die Verbraucher weiter und verdienen mit diesen Gerichten dann nicht viel oder nichts. Es sei unklar, wie lange das noch leistbar sei.

Zu wenig Krabben verfĂŒgbar

Der FischhĂ€ndler Gosch verkauft aktuell an den meisten Standorten Krabbenbrötchen und verweist darauf, dass sich die Lage im Vergleich zum MĂ€rz und April etwas verbessert habe. Krabben seien weiter sehr teuer, aber wenigstens verfĂŒgbar, sagte ein Unternehmenssprecher. Ende MĂ€rz und im April sei dies noch viel dramatischer als jetzt gewesen. «Da galt es nicht nur die Frage zu klĂ€ren, ob und zu welchem Preis man die Krabbenbrötchen noch an die GĂ€ste verkauft, sondern auch, ob man ĂŒberhaupt Ware bekommt.»

Zeitweise verkaufte Gosch daher nur noch auf Sylt Krabbenbrötchen. Dem Sprecher zufolge kostet ein Krabbenbrötchen dort aktuell weiter 6,50 Euro, weil es fĂŒr den Unternehmer eine «Herzensangelegenheit» ist. Er verwies darauf, dass es auch frĂŒher preisliche Schwankungen durch unterschiedliche VerfĂŒgbarkeiten von Nordseekrabben gegeben habe. Eine so geringe VerfĂŒgbarkeit habe das Unternehmen aber noch nicht erlebt.

Extrem niedrige Fangmengen im Jahr 2023

«Die Situation ist besonders, weil die niedrigen FĂ€nge seit Jahren anhalten», sagte Fischereiexperte Oberdörffer. «In der deutschen Krabbenfischerei erleben wir seit nunmehr vier bis fĂŒnf Jahren deutlich unterdurchschnittliche FĂ€nge.» Er verwies darauf, dass die deutschen Krabbenfischer in den Jahren 2000 bis 2015 im Durchschnitt zwischen 12.000 und 13.000 Tonnen angelandet hĂ€tten.

Im Jahr 2023 habe die Menge bei 5500 bis 6000 Tonnen gelegen. Auch in anderen LĂ€ndern seien die Fangmengen im vergangenen Jahr extrem gering gewesen und hĂ€tten den niedrigen deutschen Fang nicht ausgleichen können. Eigentlich hĂ€tte der Preis direkt deutlich ansteigen mĂŒssen, aber höhere Preise seien im Markt zunĂ€chst kaum umsetzbar gewesen. «Und daher hat es bis in den Herbst 2023 gedauert, bis die Preise sich deutlich aufwĂ€rts bewegt haben.»

Die nun hohen Preise basieren demnach auf der extremen Verknappung und fehlenden LagerbestĂ€nden. «Der Absatz ist zwangslĂ€ufig eingebrochen, da aktuell die Nachfrage die Fangmengen deutlich ĂŒbersteigt», so Oberdörffer. «Wir hoffen aber, dass sich dieses VerhĂ€ltnis im SpĂ€tsommer wieder normalisiert, da dann der neue Krabbenjahrgang in der Fischerei auftaucht und hoffentlich höhere Fangmengen bei auskömmlichen Preisen ermöglicht.» Eine Vorhersage sei nicht möglich. Wie viele Krabben es in der Nordsee gibt, hĂ€ngt demnach von sehr vielen Faktoren ab - unter anderem vom Wetter, Nahrungsangebot und von der Zahl der Fressfeinde.

Ungewisse Zukunft der Krabbenfischerei

Wie viele Krabben es kĂŒnftig zu welchen Preisen geben wird, ist auch mit Blick auf politische Entscheidungen ungewiss. Die EU-Kommission will die Fischerei mit Grundschleppnetzen - der typischen Fangmethode der Krabbenfischer - in Meeresschutzgebieten untersagen.

Grundschleppnetze sind FanggerĂ€te, die etwa von einem Kutter geschleppt werden und fĂŒr das Fischen beispielsweise von Schollen oder Krabben am Meeresboden oder in BodennĂ€he konzipiert sind. MeeresschĂŒtzer kritisieren die Fangmethode, da sie den Meeresboden und dort lebende Organismen schĂ€digt.

@ dpa.de