WĂ€hrung, Konjunktur

Umfrage: Jeder FĂŒnfte wĂŒrde digitalen Euro hĂ€ufiger nutzen

23.11.2023 - 07:08:04

Ein digitaler Euro als ErgĂ€nzung zu Schein und MĂŒnze hĂ€tte einer Umfrage zufolge auch bei den bargeldverliebten Deutschen Potenzial.

Jeder FĂŒnfte von 2040 Befragten hierzulande gab in der YouGov-Erhebung fĂŒr die Management- und Technologieberatung BearingPoint an, einen digitalen Euro tĂ€glich (8 Prozent) oder zwei bis drei Mal pro Woche (12 Prozent) nutzen zu wollen. Allerdings antwortete auch ein Viertel (25 Prozent) der Umfrageteilnehmer in Deutschland, sie wĂŒrden einen digitalen Euro nie nutzen.

Seit Jahren laufen Vorbereitungen fĂŒr eine digitale Variante der europĂ€ischen GemeinschaftswĂ€hrung. Nach Arbeiten an Technologie und Datenschutz hat die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) am 1. November 2023 eine auf zwei Jahre angelegte Vorbereitungsphase gestartet, in der das Regelwerk fĂŒr den digitalen Euro fertiggestellt werden soll. Außerdem sollen Anbieter ausgewĂ€hlt werden, die eine Plattform und die Infrastruktur fĂŒr einen digitalen Euro entwickeln könnten.

Nach Abschluss dieser Phase wollen die WĂ€hrungshĂŒter entscheiden, ob der Weg fĂŒr die EinfĂŒhrung eines digitalen Euro geebnet wird. DafĂŒr ist dann auch eine gesetzliche Grundlage auf EU-Ebene nötig. Die EU-Kommission hat Ende Juni 2023 VorschlĂ€ge fĂŒr einen Rechtsrahmen vorgelegt: Demnach soll der digitale Euro gesetzliches Zahlungsmittel werden, Schein und MĂŒnze aber nicht ersetzen.

In der Umfrage Ă€ußerten dennoch 13 Prozent der Befragten in Deutschland die EinschĂ€tzung, dass der digitale Euro innerhalb der ersten fĂŒnf Jahre nach seiner EinfĂŒhrung das Bargeld ersetzen wird. Insgesamt 25 Prozent meinen, dass andere digitale Bezahlverfahren wie Karte, Google US02079K1079 Pay, Apple US0378331005 Pay oder Paypal ersetzen werden.

Ein Drittel (33 Prozent) der 2040 Befragten in Deutschland konnte diese Frage, bei der mehrere Antwortmöglichkeiten ausgewĂ€hlt werden konnten, nicht beantworten: Sie haben nach eigenen Angaben vor der Umfrage, die vom 11. bis 22. September 2023 in sieben LĂ€ndern durchgefĂŒhrt wurde, noch nichts ĂŒber einen digitalen Euro gehört.

"Die Kenntnis ĂŒber den digitalen Euro ist mittlerweile relativ weit verbreitet. FĂŒr die Akzeptanz des digitalen Euros als ErgĂ€nzung zu Bargeld sollte der Informationsstand jedoch weiter ausgebaut werden", fasste BearingPoint-Partner Robert Bosch die Ergebnisse zusammen.

Nach EinschĂ€tzung von Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz, der in das Projekt eingebunden ist, könnte es noch mindestens vier bis fĂŒnf Jahre dauern, bis ein digitaler Euro marktreif ist. Banken könnten den digitalen Euro wie Bargeld von den Notenbanken beziehen. Verbraucher bekĂ€men ihn in einer digitalen Geldbörse, einer sogenannten Wallet, gutgeschrieben und könnten in Sekundenschnelle rund um die Uhr zum Beispiel per Smartphone bezahlen - auch dann, wenn sie keine Internetverbindung haben.

Mit einem digitalen Euro wollen die Euro-Notenbanken privaten Anbietern vor allem aus den USA, die derzeit den Markt fĂŒr digitale Zahlungen in Europa dominieren, ein europĂ€isches digitales Bezahlangebot entgegensetzen. Wenn es insgesamt mehr Angebote fĂŒr das digitale Bezahlen gibt, könnte das nach EinschĂ€tzung von EZB und EU-Kommission auch dazu fĂŒhren, dass deren Nutzung billiger wird. Weltweit beschĂ€ftigen sich derzeit Experten in mehr als 100 Staaten mit der Entwicklung und Anwendung von digitalem Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currencies - CBDC).

@ dpa.de | US02079K1079 WĂ€HRUNG